Idioten-Framing in der ARD: Tagesschau jubelt über „sattes Umsatzplus“ des Einzelhandels

Tagesschau: Frame on (Foto: Collage)

Gewissen Journalisten merkt man wahrlich an, dass sie ihr Geld nicht in der Realwirtschaft verdienen, sondern durch den Leistungsträgern des Landes abgepressten Zwangsgebühren. Einen solchen Schwachsinn hat man lange nicht vernommen, wie ihn die ARD-Nachrichtenredaktionen gestern ihren Lesern servierten, ohne in diesem Fall eine dringend notwendige minimale „Einordnung“ vorzunehmen: Angeblich bescherte das Corona-Jahr 2020 dem Einzelhandel „trotz Krise“ ein „sattes Umsatzplus“.

Nicht nur Ladenbesitzer und Unternehmer, die dieser Tage gerade um ihr Überleben kämpfen und vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, weil die Politik ein nachweislich marginales, de facto überhaupt nicht vorhandenes Infektionsrisiko in ihren Geschäften zum Anlass für die Totalstilllegung des gesamten Einzelhandels nahm, rieben sich da verwundert die Augen: Rekordzuwächse trotz monatelang geschlossener Länden, ohne das essentielle Weihnachtsgeschäft? Wie kann das sein?

Die Antwort ist simpel: In den von der „Tagesschau“ blauäugig und umkommentiert wiedergekäuten Statistiken des Statistischen Bundesamtes zu den Einzelhandelsumsätzen, die seit 1984 jährlich ausgewiesen werden, sind auch die Umsätze der Online- und Versandhändler mit enthalten – die jedoch die natürlichen „Feinde“ des stationären und vor allem inhabergeführten Einzelhandels sind. Sie können sich bei der Bundesregierung im vergangenen Jahr und auch 2021 herzlichst bedanken: Der reichste Mann der Welt, Amazon-Chef Jeff Bezos, wird Expertenschätzungen zufolge in der Corona-Krise sein Privatvermögen um bis zu 150 Milliarden Euro vermehren können. In Deutschland sorgte die Bundesregierung hingebungsvoll dafür, dass er fast das komplette Weihnachtsgeschäft abwickeln durfte – inklusive Milliardenabflüssen an Wertschöpfung aus Deutschland Richtung Sunny State Kalifornien, in die Trump-USA. So geht Globalismus à la Merkel.

Alles halb so wild, na logisch…

Doch nicht nur Amazon, auch sonstige Profiteure und Krisengewinnler des Onlinehandel-Segments, auf die die meisten Endverbraucher nolens-volens wegen des Lockdowns auswichen, trugen einem preisbereinigt zwischen 3,9 Prozent und 4,3 Prozent schwankenden „Umsatzzuwachs des Einzelhandels“ bei. Alleine der digitale Handel erzielte von Januar bis November ein Umsatzplus von 23,4 Prozent. Auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf, jubelt die „Tagesschau“, machte „ein großes Plus von sechs Prozent in den elf Monaten„. Kein Wunder: Millionen Arbeitslose und Kurzarbeiter hatten durchaus reichlich Zeit zum Shoppen im Internet; doch davon kam in den deutsche Innenstädten nichts an. Sie werden nach der Krise nicht mehr wiederzuerkennen sein.

Nur im Halbsatz geht die ARD auf dieses coronapolitik-verschuldete Sterben ein: „Deutlich unter Vorjahresniveau dagegen schnitt der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren ab – er büßte von Januar bis November 21,5 Prozent des Umsatzes ein. Beim Einzelhandel mit Waren verschiedener Art – zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser – betrug das Minus 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.“ Insgesamt jedoch gewinnt man hier den Eindruck, Corona sei gar nicht so schlimm, es hätte sogar für einen Aufschwung gesorgt. Eine bizarre Falsch-Insinuierung.

Entsprechend zornig bis fassungslos lasen sich etliche der Leserkommentare auf der „Tagesschau“-Facebookseite: „Für wie blöd wollt ihr uns noch verkaufen?“, „Für so eine Schlagzeile gehört der Redakteur in die Wetterabteilung versetzt! Einige Wenige sind die Gewinner, die meisten Händler kämpfen um ihre Existenz„, „Diese Nachricht zeugt leider entweder von wenigen Kenntnissen und schlechter journalistischer Recherche“ lauteten einige der harmloseren Einträge. Beirren lassen wird sich der Staatsfunk davon nicht – die Propagandashow muss schließlich weiterlaufen! (DM)