Deutsche Durchhaltemedien: Heult nicht, 15 Kilometer Radius sind großzügig!

Bewegungsradius-Beschränkungen plus Lockdownverlängerung (Foto:Imago/Ohde)

Von kritischen Journalisten sollte man unter normalen Umständen (die in diesem Land für immer unrettbar verloren scheinen) eigentlich erwarten, dass sie die immer unverschämteren, vollends unfundierten Entscheidungen des exekutiven Corona-Geheimkabinetts von Bund und Ländern wenigstens kritisch hinterfragen. Von wegen: In Deutschland erachten es immer mehr Medien für ihre vornehmliche Aufgabe, das Regierungshandeln schönzureden und zu belobigen.

Jüngstes Beispiel für die gruseligen Nibelungentreue von Systemschreiberlingen, die selbst einen neuen Nero-Befehl Merkels im Namen der Pandemie noch gutheißen würden,  liefert der „Stern“ – der seinen Lesern in schönstem Relativismus erklärt, wie gut sie es in Deutschland doch eigentlich noch haben, verglichen mit den Zuständen in anderen Ländern. „Was in Deutschland nun für Aufregung sorgt, ist in anderen Ländern in Europa teils schon seit Frühjahr eine Waffe im Kampf gegen Corona: Bewegungseinschränkungen. In Hotspots sollen sich die Menschen hierzulande nun ohne triftigen Grund nicht mehr als 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen dürfen. In anderen Ländern waren diese Einschränkungen oft sogar noch viel strenger„, schreibt das Blatt, und erinnert an den „ungeliebten Kilometer„, den die Franzosen außerhalb des Hauses begehen durften, oder gar die spanische Definition, dass zum engsten Heimatumfeld nur die Umgebung der eigenen Haustür zählt.

Schlimmer geht immer, logisch. Dumm nur: Bekanntlich vermochten all diese harten Maßnahmen in Frankreich, Spanien oder auch Italien während des ersten Lockdowns nichts daran zu ändern, dass die genannten Ländern sogar deutlich schlimmer betroffen waren als die „moderaten“ Deutschen – während jetzt die Lockdowns inklusive Kontaktbeschränkungen weder im Ausland noch in Deutschland dann überhaupt keinen Effekt auf die Ausbreitung des Virus mehr haben, weil die herbeigetesteten Fallzahlen überall gleich hoch sind – mit oder ohne Lockdown.

Schlimmer geht immer

Allein dieser Umstand sollte kritischen Journalisten zu denken geben, die ja im Prinzip, ebenso wie auch Richter, das Verhältnismäßigkeitsgebot und absolute Sparsamkeitsprinzip jeglicher Maßnahmen zur Freiheitsreduktion stets im Sinn haben müssten: Erlaubt darf nur soviel sein wie maximal und unbedingt nötig, und prinzipiell darf auch nur auf belastbarer wissenschaftlicher Grundlage eingegriffen und dies klar befristet werden. Das Gegenteil ist der Fall. Auch dass eigentlich nie die Lockerungen, sondern alleine die Auflagen begründet werden müssen, spielt keine Rolle mehr. Und jetzt wird auch noch zur Verteidigung der Zumutungen der Vergleich mit Staaten bemüht, die es noch wilder treiben: Sehr her, wie gut wir es doch haben! Mit derselben Argumentation könnte man auch China, verglichen mit Nordkorea, als Paradies der Meinungsfreiheit loben.

Warum es etwa gerade 15 Kilometer Bewegungsradius sein sollen und nicht 30 oder 10, scheint aus Sicht deutscher Corona-Durchhaltemedien ebenso unwichtig zu sein wie die nur noch schwachsinnig zu nennenden, nun nochmals verschärften Kontaktregeln, die in folgendem Schaubild sinnig illustriert werden:

(Quelle:Netzfund)

Beim „Stern“ wird selbst die absurdeste Absurdität durch Gewöhnungseffekte zum unhinterfragungsbedürftigen Regelfall gezimmert: „Zu Beginn der Coronakrise wirkte manch strenge Vorgabe womöglich wie ein Scherz. Spazier-Radius oder gleich gar nicht vor die Tür – unfassbar. Mittlerweile hat man sich in vielen Ländern daran gewöhnt„, schreibt das Revolverblatt. Gewöhnen kann man sich an alles; wenn die Regierung demnächst noch Bewegungssensoren und elektronische Fußfesseln einführen sollte, wird der „Stern“ uns bestimmt auch das noch als erträgliche und sinnvolle Maßnahme zurechtframen, anstatt das sinnlose Regierungs-Gefuhrwerke auch nur vorsichtig zu hinterfragen. (DM)