Entscheiden unseriöse Billig-Schnelltests über Leben und Tod in Heimen?

Corona-Schnelltest (Foto:Imago/EibnerEuropa)

Die Mehrheit der Coronavirus-Schnelltests in Deutschland sind offenbar nicht unabhängig geprüft geschweige denn neutral zertifiziert – und damit gar nicht praxistauglich. Und das, obwohl davon unmittelbar Menschenleben abhängen. Schließlich kommen die Tests bekanntlich zum Einsatz bei Mitarbeitern oder Besuchern von Alten- und Pflegeheimen und teilweise auch Kliniken. Ein Unding.

Wer sich wundert, wie so etwas in einem Land möglich ist, wo jeder Krötentunnel und jede Dachrinne behördlich abgenommen und TÜV-geprüft sein muss, der bleibt ebenso ratlos zurück wie bei den unzähligen anderen Fragen rund um diese Pandemie des Irrsinns – die uns vor allem eines gezeigt hat: Die Populisten hatten nicht nur recht, sie untertrieben stets, als sie stets darüber wetterten, von welchen plan- wie ahnungslosen Dilettanten dieses Land regiert wird.

Der „Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber, dass ein Großteil der in Deutschland angebotenen Schnelltests auf Sars-CoV-2 bisher gar nicht neutral und unvoreingenommen geprüft wurde. Zwar werden beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mehr als 300 solcher Tests geführt – doch gerade mal 25 Tests seien vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) unabhängig kontrolliert worden. Um auf die BfArM-Liste zu kommen, dürfen Hersteller ihre Produkte selbst zertifizieren, ohne externe Kontrollen. Soll ein Test auf die PEI-Liste kommen, muss er zur Evaluierung angemeldet werden. Das tun jedoch nur vergleichsweise wenige Anbieter.

Problematische Lage beanstandet

Verstörend: Fünf geprüfte Tests sind dabei bereits durchgefallen – sie stehen auch nicht mehr auf der Liste, alle gescheiterten Anbieter befinden sich im Rechtsbehelfsverfahren. „Wir sehen den aktuellen Zustand als sehr problematisch an„, sagte die Leiterin der klinischen Tropenmedizin an der Universität Heidelberg, Claudia Denkinger. „Das aktuelle Vorgehen führt dazu, dass möglicherweise schlechte Tests auf den Markt kommen und Menschen dadurch das Vertrauen verlieren.“

Da ein positiver Antigen-Schnelltests zumeist der Anlass für einen nachfolgenden PCR-Coronatest ist, speist sich eine unbekannte, aber nicht unbeträchtliche Anzahl der wöchentlich nach dem „Zufallsprinzip“, wahllos durchgeführten 1,2 bis 1,3 Millionen Tests aus dieser „Verdachtsquelle“. Und da die PcR-Tests ihrerseits nur eine beschränkte Aussagekraft haben, wurzelt zumindest ein Teil der hohen „Inzidenzwerte“ in den oftmals schon falsch-positiver Antigen-Schnelltests. (DM)