„Habe nichts mehr zu verlieren“: Friseurin will am Montag aufsperren

Friseurladen öffnet? (Symbolbild: shutterstock.com/Von Lena Ogurtsova)

Die Friseurmeisterin Bianca Orpel aus Zinnowitz in Mecklenburg-Vorpommern will ihr Geschäft ab Montag trotz des Lockdowns wieder öffnen. Auch eine Strafe nehme sie dabei in Kauf: „Ich habe nichts mehr zu verlieren.“ Ob Orpel das Angekündigte durchzieht, oder aber – wie der Rosenheimer Maulheld Udo Siebzehnrübl einen Rückzieher macht, weil die „rechte Szene“ angeblich auf ihn aufmerksam geworden sei – bleibt abzuwarten. 

„Ich stehe vollkommen mittellos da. Ich bekomme keinen Kredit und weiß nicht mal, wie ich die nächsten Monate das Schulgeld für meinen Sohn bezahlen soll.“ Mit diesen Worten wird die Friseurmeisterin Bianca Orpel aus Zinnowitz in Mecklenburg-Vorpommern von der „Ostsee-Zeitung“ hinter der Bezahlschranke zitiert. Ihre gesamte finanzielle Existenz und die ihrer Familie stünden auf dem Spiel. Deshalb habe die seit über 20 Jahren selbstständige Friseurmeistern sich nun entschlossen, am Montag ihren Laden für Kunden aufzuschließen – trotz Corona.

Sie will sich indes nicht als „Corona-Leugnerin“ verstanden wissen. Jedoch weißt Orpel auf „Widersprüche“ hin: „Überall in den großen Geschäften, wo hunderte Menschen einkaufen, sind die Sicherheitsmaßnahmen zurückgefahren worden. Anders als im Frühjahr sehe ich kaum noch Security und die Spender für Desinfektionsmittel sind oft leer.“ In ihrer Branche habe man dagegen nicht aufgehört, auf die Einhaltung aller Maßnahmen zu achten. Trotzdem musste Bianca Orpel – wie abertausende ihrer Berufskollegen – ihren Salon schließen und teilt jetzt das Problem zahlloser Selbstständiger, die von der Merkel-Regierung um ihre Existenz gebracht wurden. Die unausgegorenen Corona-Maßnahmen sehen vor, dass die staatlichen Hilfen nur für Geschäftsausgaben genutzt werden dürfen, nicht aber für ein privates Gehalt – etwa Essen, Kleidung oder eben das Schulgeld. Wenn sie am 11. Januar ihren Friseursalon wieder aufschließen hätte dürfen, wäre „alles gut gewesen“, da das Terminbuch voll sei. Aber für alles danach habe sie keine Rücklagen mehr.

Was, wenn sie jetzt auch noch Strafe für die Öffnung zahlen muss?: „Dann lege ich den Bescheid zu den anderen Rechnungen, die ich auch nicht bezahlen kann.“ Ihr Entschluss steht fest: „Ich mache am Montag auf.“

Insofern bleibt Bianca Orpel zu wünschen, dass sie mehr Rückgrat beweist als der Dampfplauderer aus Rosenheim, Intersporthändler Udo Siebzehnrübl. Siebzehnrübl hatte medienwirksam angekündigt, ebenfalls am 11. Januar seine Läden – trotz Corona – öffnen zu wollen. Nachdem angeblich die „rechte Szene“ auf ihn aufmerksam geworden war, und seine Aktion für ihre Zwecke ausnutzen wollte, hat der Maulheld seine Aktion abgebrochen. „In dieses Fahrwasser soll Intersport nicht gezogen werden, da ist eine Grenze für mich erreicht“, so Siebzehnrübl. Er sei kein Querdenker und wolle auch in keine rechte Ecke gestellt werden, plapperte der Möchte-gern-Rebell in Richtung der Mainstreammedien. Nach seiner Ankündigung, seine Läden aufsperren zu wollen, wurde Siebzehnrübl von Intersport zurückgepfiffen. In einer Pressemitteilung teilte Intersport regierungskonform mit: „Hier geht es um gesellschaftliche Verantwortung und die haben wir alle zu tragen“. Zwar würden auch der Verbund und seine Geschäfte vor große wirtschaftliche Herausforderungen gestellt, die Beschlüsse von Bund und Ländern trage man aber mit, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. (SB)

Im Facebook-Kommentarbereich der Ostsee-Zeitung scheint man hinter der Friseurmeisterin aus Zinnowitz zu stehen: