„Willkommen im Brexit“: Holländische Polizisten beschlagnahmen Brote von Lastwagenfahrern

Symbolfoto:Von Yuri Kravchenko/shutterstock

Offenbar richtig Spaß haben niederländische Polizeibeamte beim Beschlagnahmen von belegten Broten. Auf die Frage des Lastwagenfahrers, ob sie ihm nicht wenigstens das Brot ohne den Belag lassen könnten, bekommt er die spöttische Antwort: „Nein, wir nehmen alles. Willkommen im Brexit“.

Seit dem Ausstieg der Briten aus der EU gelten für die Einfuhr von Lebensmitteln auf den Kontinent strenge Regeln. Fleisch, Milch und Milchprodukte wie Käse, Fisch – verboten, auch für den persönlichen Gebrauch auf der langen Heimfahrt von hungrigen Lastwagenfahrer.

Richtig Freude scheint es den niederländischen Beamten zu machen, diese seit dem 1 Januar geltenden Regeln durchzusetzen. Auf der britischen Seite hat man so gar kein Verständnis für diese Kleinlichkeit seitens der Niederländer, denn schließlich finde  Lebensmittelproduktion auf hohem Niveau statt.

„Dies ist eine kleinkarierte Bürokratie, die völlig verrückt geworden ist“, findet Mark Francois, Vorsitzender der European Research Group (ERG) Europäischen Forschungsgruppe des Parlaments. „Die EU hat sich immer Sorgen gemacht, dass ein dynamisches, frei handelndes Großbritannien außerhalb der EU irgendwann auf den Weltmärkten ihnen das Mittagessen streitig machen könnte. Jetzt revanchieren sie sich, indem sie versuchen, stattdessen das Mittagessen unseres Truckers zu stehlen! Es ist wirklich erbärmlich“, setzt der britische Konservative laut MailOnline nach.

In einem Videoclip sind niederländische Beamte zu sehen, die die neuen Vorschriften genüßlich erklären, in Fahrzeugen herumwühlen und alle Lebensmittel, die sie darin finden, hochhalten und sagen, daß sie beschlagnahmt seien.

Widerstand zwecklos: Als ein Fahrer, der von der Fähre aus Großbritannien wenigstens um das nackte Brot bittet, bekommt er stattdessen die entsprechende Antwort serviert: „Nein, alles wird beschlagnahmt – willkommen beim Brexit, Sir. Es tut mir leid“, amüsiert sich der Beamte.

Seit dem offiziellen Austritt Großbritanniens aus der EU am 1. Januar 2021 gibt es bereits Probleme bei der Lebensmittelversorgung. In den Obst- und Gemüseregalen von Supermärkten zeigen sich bereits die ersten Lücken, offensichtlich weil die Lieferungen durch die Bürokratie des Brexit in den Häfen behindert werden.

Kopfsalat, Blumenkohlpackungen, Orangen, Erdbeeren, Himbeeren und Blaubeeren gehören zu den frischen Produkten, die auf der Website der Supermarktkette Tesco als „nicht vorrätig“ aufgeführt werden.

Experten der Lebensmittelindustrie fürchten, dass die Probleme in den Häfen eskalieren könnten. Nach der Neujahrspause werde die Zahl der Lastwagen, die durch Dover und den Kanaltunnel fahren, wieder auf ein normales Niveau ansteigen und dank der Franzosen, die akribische Grenzkontrollen durchführen, wieder in kilometerlangen Staus enden.

„Das Chaos hat begonnen. Die Organisation selbst der einfachsten Ladung nach Europa ist aufgrund des am 1. Januar eingebrachten bürokratischen Aufwands zu einer fast unmöglichen Aufgabe geworden,“glaubt der Frachtexperte John Shirley.

Laut der Transportgemeinschaft Road Haulage Association (RHA) gebe es bereits Staus und die Situation werde eskalieren, wenn die Grenzkontrollen mit Frankreich dieser Tage verstärkt werden. Die RHA schätzt, dass von den 2.000 ausgehenden Lastwagen pro Tag durch Dover und den Kanaltunnel in der vergangenen Woche jeder fünfte zurückgewiesen wurde. Die Probleme würden sich weiter verschärfen, wenn diese Zahlen auf die normalen 6.000 pro Tag steigen. Fahrer werden aus verschiedenen Gründen zurückgewiesen, unter anderem weil sie keinen gültigen Covid-Test haben oder die Papiere angeblich nicht zufriedenstellend ausgefüllt worden sind. Ohne Rücksicht rächt sich hier offensichtlich die EU angesichts der Unverschämtheit des britischen Alleingangs. (MS)