Stiller Protest wächst: Immer mehr Bürger missachten unsinnige Corona-Regeln

Es gibt im Prinzip nur zwei denkbare Szenarien, wie sich das Land irgendwann aus dem Würgegriff erweislich wirkungsloser Lockdowns und willkürlicher Beschränkungen befreien kann – nachdem nun zweifelsfrei feststeht, dass von der Politik eine Beendigung des Spuks nicht zu erwarten ist: Entweder, es kommt zum Totalzusammenbruch der Wirtschaft oder die Auswirkungen sind anderweitig so schwerwiegend, dass eine kritische Masse an Bürgern in ihrem Nahbereich auf existenzgefährdende Weise durch die Maßnahmen berührt werden. Davon sind wir noch weit entfernt. Oder, die Bürger beginnen langsam aber sicher, die Corona-Auflagen und Restriktionen nicht mehr ernstzunehmen.

Es scheint tatsächlich auf das letztere Szenario hinauszulaufen. Es ist übrigens die Reaktion, die auch in der Schlussphase der DDR etliche Bürger an den Tag legten: Auch wenn sie offiziell Loyalität zum Regime bekundeten, so nahmen sie im Privatbereich dennoch dessen Vorschriften immer weniger ernst. Aus Resignation erwächst Gleichgültigkeit, die irgendwann schnell in Wut umschwenken kann – wenn nämlich der Eindruck überhand nimmt, schlimmer als jetzt könnte es ohnehin nicht werden. Die Folge ist der Mut der Verzweiflung.

Dass in manchen Regionen Deutschlands so etwas wie ein stiller Protest längst eingesetzt hat, lässt sich kaum leugnen: Vor allem dort, wo die staatliche Beschlüssen jeglichen Sinns und nachvollziehbarer Logik entbehren und eine autoritäre Willkür atmen, die strikte Regelbefolgung um ihrer selbst Willen einfordert, zeigt sich eine wachsende Renitenz: Etwa am Wochenende in den Wintersportgebieten , wo sich Familien zum Rodeln oder teilweise zum Skifahren im Wald trafen. Oder auch bei „Zusammenrottungen“ von Personen in der Öffentlichkeit, die sich den strikten Kontaktregeln (maximal zwei Haushalte) demonstrativ widersetzten. Viele Menschen fragen sich, was in Deutschland anders sein sollte als etwa in Schweden, wo Winterfreuden ungetrübt ausgelebt werden dürfen.

Aus Resignation wird Wut

Interessant ist, dass bei den Konfrontationen mit der jeweils sogleich martialisch aufmarschierenden Staatsmacht etwa in Bayern oder im Harz eine bislang unbekannte Konfliktbereitschaft zu beobachten ist, die man von unpolitischen Bürgern jenseits der Corona-Demonstranten und Querdenker-Bewegung bislang nicht kannte. Nein, es sind völlig harmlose, zivile Durchschnittdeutsche, die hier wider den Stachel löcken und ihre Grenzen in Frage stellen. Die Nerven liegen blank und die Konfrontationen nehmen an Schärfe zu – vor allem mit Ordnungshütern, die ihre Aufgabe in stoischer Befehlsausübung hundertfünfzigprozentig ernst nehmen. Die Politik wäre gut beraten, diese gefährliche Entwicklung ernstzunehmen; vor allem die seit Wochenbeginn anwendbare und von den Hardliner-Regierungen in Erfurt, Schwerin und München bereits in Kraft gesetzten 15-km-Radiusbeschränkung könnte sich hier als Bumerang erweisen.

Welche irren Ideen die Verwaltungen entwickeln, um dem Run auf die winterlichen Ausflugsorte Einhalt zu gebieten, zeigt das Beispiel des pfälzischen Donnersbergkreises: Weil sich zu viele mit dem Auto auf den Donnersberg fuhren und die dortigen Parkplätze belegten, erließ der Kreis ein Zufahrtsverbot – und setzte stattdessen Shuttlebusse im Pendelverkehr. Anscheinend wurden hier Abstandsregeln von Personen mit jenen von Blechkarossen verwechselt… Mit der Folge, dass die bislang oder familienintern in ihren Autos geschützten Ausflügler fortan dicht zusammengepfercht im Bus fahren dürfen, wo sie sich erst recht infizieren können. (DM)