Vereinsamt und virenfrei: Der Schlüssel zum ewigen Leben

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Für die einen ist das gänzliche Verschwinden der saisonalen Grippe in der laufenden Saison bei gleichzeitiger Explosion von Corona ein Hinweis darauf, dass es sich letztlich bei beidem um ein und dasselbe Phänomen handelt. Und dass die übliche Grippe – die im Sommer zurückgeht und im Winter zunimmt, ganz ohne menschliches Zutun – seit 2020 eben einfach „Corona-Pandemie“ genannt wird. Für die anderen hat beides nichts miteinander zu tun – und sie erklären das Verschwinden der Grippe mit der Wirksamkeit der Corona-Schutzmaßnahmen.

Hätten Letztere damit recht, dann wären allerdings gleich zweierlei schlagende Beweise erbracht. Erstens: Die Corona-Maßnahmen werden tatsächlich korrekt befolgt bzw. die übergroße Menge der Bürger verhält sich eben nicht undiszipliniert – sonst müsste es seit Monaten ja auch Influenza & Co. geben. Zweitens: Die Corona-Maßnahmen sind zwar gegen Grippe wirksam – aber sicher nicht gegen Corona.

Anscheinend die bloße Möglichkeit, dass Lockdown, Maskenzwang und Kontaktverbote ja wenigstens die „normale“ Grippe in der Wintersaison 2020/21 zurückgedrängt oder komplett zum Erliegen gebracht hätten, genügt manch einem schon als gutes Argument, diese Zwangs-Schutzmaßnahmen auf ewig beizubehalten. Obwohl sie dafür gar nicht erlassen wurden (bzw. es sie dann umgekehrt hätte ja schon immer geben müssen)-, scheint der Nebeneffekt der Pandemiebekämpfung – präziser: ihr offenbar einziger Effekt -, nämlich die Abwehr natürlicher und allgegenwärtiger Erkältungskrankheiten, für alle Zukunft die Schikanen also zu rechtfertigen – weit über Corona hinaus.

Vereinzelung. Obsessives Abstandhalten. Panische Verdammung von Nähe, von Berührungen und Händeschütteln. Die allgegenwärtige Maske. All dies hat jetzt schon tiefe, ungesunde Spuren in unserem Sozialverhalten hinterlassen, und es kommt nicht von ungefähr, dass die Politiker, die von diesem Repertoire nicht genug bekommen können, selbst überwiegend eigenbrötlerische Soziopathen sind. Karl Lauterbach taugt auch hier wieder zur Idealreferenz.

Fatale Dressur von falschen Instinkten

Wir zucken zusammen, wenn uns jemand ohne Maske begegnet. Instinktiv vermeiden wir es, auf der Treppe zu nah nebeneinander vorbeizulaufen. Alte Menschen halten beim Einkaufen Abstand vom Nebenmann, als sei dieser akut leprös. Man ertappt sich dabei, es befremdlich zu finden, in vor 2020 abgedrehten Filmen und Fernsehsendungen größere Menschenansammlungen zu sehen; die Konditionierung lässt uns bei Bildern von vollen Stadien, Konzertarenen, überfüllten Aufzügen und belebten Discos unwillkürlich zusammenzucken: Achtung, Super-Spreader-Event! Wie konnten wir bloß all die Jahre so leichtsinnig sein.

Wenn uns als Erwachsenen das schon so geht, dann mag man sich gar nicht ausmalen, welche Folgen die Gehirnwäsche bei den Jüngeren und Jüngsten hat, die noch präg- und formbar sind und irreparable Schäden in ihrer Sozialisation erleiden – ganz abgesehen von Nebeneffekten des Hygienewahns wie Allergien und Autoimmunkrankheiten, durch Übersensibilierung und ausgebliebene Trainierung der körpereigenen Abwehr, die in der Wachstumsphase auf stetige Konfrontation mit möglichst vielen Keimen und Erregern angewiesen ist.

Diese Entwicklung ist alarmierend und hochgefährlich. Das alles ist nicht normal, es ist grundfalsch. Und nein: Es ist kein Zeichen von „Gesundheit“, wenn wir alle auf einmal keinen Schnupfen mehr bekommen und niemand mehr erkältet ist – um den Preis von Gesichtsbedeckung, Isolation, Verhaltensstörungen. Es ist ein Zeichen von Krankheit, vor allem von geistiger Krankheit. So sieht die ultimative Schreckensvision eines pathologischen Gesundheitswahns aus: Gesund und vereinsamt, statt erkältet und glücklich. (DM)