Corona-Innenstadtsterben: Palmer schreibt Brandbrief an Altmaier

Boris Palmer (Bild: shutterstock.com/Von Markus Wissmann)

Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer wendet sich „in großer Sorge um Deutschlands Innenstädte“ via Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Palmer appelliert an Merkels Wirtschaftsminister, die Innenstädte vor der Verödung zu bewahren und die vom Lockdown beschlossenen Geschäfte zu retten. „Ohne Handel wären unsere Städte nicht wiederzuerkennen. Wie leer und öde es dann aussieht, ist derzeit unmittelbar spürbar, da die meisten Ladentüren geschlossen bleiben. Ob diese Schließungen weiterhin erforderlich sind, ist strittig.“

Mit Verweis auf die Schweiz zeigt der Grüne in Schreiben laut der Bild auf, dass man sich dort gegen ein Handelsverbot in den Städten entschieden habe. Die Corona-bedingten Schließungen hätten zudem den „Trend zum Onlinehandel dramatisch verstärkt wird und die Kunden nachher nicht wiederkommen“.

Als Beispiel für die verheerenden Lockdown-Folgen führt Palmer Tübingens größten Einzelhändler, die Firma Zinser – eine mittelständische Modekette mit Jahresumsatz 87 Millionen Euro im Jahr 2019 an. Das Unternehmen werde im laufenden Geschäftsjahr wegen des Lockdowns bis Ende Februar 35 Millionen Umsatzverlust erleiden – mehr als ein Drittel. Trotz Kurzarbeit und Abbau von Arbeitsplätzen müsse Zinser weiter knapp 40 Prozent Fixkosten zahlen. An Altmaier gewandt, der mutmaßlich keinen Hauch Ahnung davon hat, was da anmahnt wird, schreibt Palmer: „Die Winterware liegt nun unverkäuflich im Geschäft. Der Einkaufswert von 8 Millionen Euro ist verloren.“ Die Frühlingsware sei bereits bestellt und müsse ebenfalls bezahlt werden. Zinser verliere durch die bisher geplanten Schließungen Geld im Umfang von zehn Jahresgewinnen!“. Nach Einschätzung der Geschäftsführung von Zinser sind viele Betriebe in der Bekleidungsbranche in einer ähnlichen oder gar schlimmeren Situation, das Geld reiche noch für vier bis sechs Wochen.“ Die Betreiberin eines weiteren Modegeschäft aus der Tübinger Altstadt stehe nun vor der Wahl, sich mit 100 000 Euro zu verschulden oder den Betrieb aufzugeben, weil sie keine Unterstützung bekomme.

Es sei „offenkundig“, dass viele Mittelständler solch einen Vernichtungsfeldzug nicht durchstehen würden. Die sogenannte Corona-Hilfe komme bei vielen nicht an. Im Fall Zinsers zeige sich die massive Benachteiligung von Mittelständlern. Zinser könne die staatlichen Corona-Hilfe nicht in Anspruch nehmen, weil das Unternehmen selbst Eigentümer seiner Geschäfte sei.

Palmer fordert Altmaier auf, die Geldschleusen noch weiter aufzureißen. Auch solche Unternehmen müssen künftig von Coronahilfen profitieren, so der Grüne. Zudem müsse die Deckelung auf 500.000 Euro Hilfe monatlich fallen, das Geld fließen, solange der Lockdown gelte: Zu Merkels angerichteten, in seinen Dimensionen nicht absehbaren Schaden für dieses Land und kommende Generationen schreibt Palmer laut Bild wörtlich: „Mir ist bewusst, dass die Belastung des Bundeshaushaltes dadurch erheblich ansteigen wird. Aber das ist dann der Preis der Schließungspolitik. Wir sollten nach der Pandemie nicht gezwungen sein, in die Schweiz zu fahren, um lebendige Innenstädte zu sehen.“ (SB)