Rein gar nichts funktioniert: Die Impfstoff-Lieferengpässe sind die Schuld Merkels und der EU

Immer Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer (über dts Nachrichtenagentur)

Ausgiebig berichten die deutsche Presse sowie der öffentlich-rechtliche Staatsfunk über die Wutausbrüche der Gesundheitsminister aus den Bundesländern gegenüber Jens Spahn, dass die EU nun sogar noch weitaus weniger Biontech/Pfizer-Impfstoff erhält als geplant. Pfizer muss zuerst die Produktionskapazitäten für die viel zu spät nachbestellten Impfdosen aufbauen. Was die blauäugigen Deutschen (die immer noch die Mär glauben, sie seien bei dieser Bundesregierung „in guten Händen“) nicht erfahren: Schuld daran ist niemand anderes als die EU – und letztlich die Kanzlerin, die die Impfstofversorgung in deren Hände legte.

Hätte nämlich die EU-Kommission unter ihrer Präsidentin Ursula von der Leyen – die schon als deutsche Verteidigungsministerin in Beschaffungsfragen fulminant gescheitert war – ihre Hausaufgaben gemacht und hätte sich frühzeitig große Kontingente des Biotech-Impfstoffs gesichert (die von dem Mainzer Unternehmens ja großzügig angeboten worden waren!), dann hätte der Biontech-Pharmapartner Pfizer seine europäische Produktion frühzeitig darauf ausrichten können. Weil die EU jedoch monatelang auf den französischen Rohrkrepierer und Konkurrenzanbieter Sanofi setzte und die Merkel-Regierung (im angeblichen Vertrauen auf Verantwortungsbewusstsein und Organisationskompetenz der EU) zugleich keinerlei separate Bestellungen für Deutschland veranlasste, planten Pfizer/Biontech ihre Kapazitäten nach dem bestellten Bedarf.

Als dann im Dezember der abenteuerliche Flop von der Leyens – und Merkels gewissenlose Leichtsinnigkeit, die zentrale Aufgabe der Impfstoffversorgung nach Brüssel zu delegieren – ans Licht kamen, beeilte sich die EU quasi „wie alte Fasenacht“, so schnell wie möglich noch Biontech-Serum im großen Stil nachzuordern. Das Ergebnis waren absehbare Verzögerung und reduzierte Kontingente, die gleichwohl seit drei Wochen – nämlich seit Anlaufen der deutschen Impfkampagne – von Merkel und Spahn als Erfolg verkauft werden, als Resultat kluger, besonnener und nicht-„impfnationalistischer“ Planung.

Grundloser Optimismus

Von dieser verlogenen Frechheit ganz abgesehen, versprachen sie außerdem der Bevölkerung (und den Gesundheitsbehörden der Bundesländer) zumindest bescheidene Lieferzahlen, auf die diese zumindest für die kommenden Monate ihre Impfpläne ausrichten könnten. Zwar reichten diese selbst im besten Fall nur an Bruchwerte der Impfzahlen anderer westlicher Staaten heran, deren Regierende sich pflichtgemäß um die Versorgung ihrer eigenen Bürger gekümmert hatten – etwa Trumps USA, Johnsons Großbritanniens oder Netanyahus Israel. Doch – so schien es und so versicherte es Spahn – mit einiger Verzögerung kam die Durchimpfung nach Prioritätsgruppen immerhin langsam in Gang.

Jetzt stellt sich heraus: Auch das war vorschnell und grundlos optimistisch. Spahn hatte in seinen versprochenen Impfdosenlieferungen nämlich die bestellten Kontingente zugrundegelegt, ohne sich offenbar rückzuversichern, ob diese überhaupt lieferbar seien. Das war nicht der Fall. Die gesamte EU bekommt von Biontech und Pfizer in den nächsten Wochen weniger Impfstoff als bislang angekündigt, weil zuerst Umstellungen im Produktionsprozess eines Werkes des Herstellers Pfizer vorgenommen werden müssten. Spahn berichtete kleinlaut, der EU-Kommission von Pfizer sei mitgeteilt worden, zuerst müsse das Werk im belgischen Puurs so umgebaut werden, dass es ab Februar mehr produzieren kann.

Kommissionspräsidentin von der Leyen versuchte die Hiobsbotschaft damit schönzureden, Pfizer habe ihr jedoch „versichert„, die Lieferzusagen für das erste Quartal könnten auch im ersten Quartal noch eingehalten werden. Die Landesgesundheitsminister und ihre untergeordneten Ämter sind fassungslos – sie müssen diverse regionale Impfpläne canceln, viele Impftermine müssen gestrichen werden. Eine Zumutung für die betreffenden Patienten. „Das ist ein echter Schlag ins Kontor„, zitiert „dts Nachrichtenagentur“ einen Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums.

„Schlag ins Kontor“

Biontech und Pfizer hätten zunächst noch keine konkreten Angaben dazu machen können, in welchem Umfang die Lieferungen geringer ausfallen. Laut Medienberichten soll es für Deutschland um bis zu 2,6 Millionen Dosen gehen, die in den nächsten vier bis sechs Wochen weniger ankommen – und die dann angeblich bis zum Quartalsende nachgeliefert werden. „Schon die ursprünglich für Niedersachsen angekündigten rund 60.000 Impfdosen pro Woche waren zu knapp, um alle impfberechtigten Personen mit der höchsten Priorität in unserem Bundesland zügig impfen zu können und nun könnte es noch länger dauern„, erklärt Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann.

Die für kommenden Montag zugesagten Impfstoff-Lieferungen sollen noch wie geplant ablaufen, danach ist erst einmal Schluss. Da das parallel in Deutschland geplante Marburger Pharmawerk, das das Pfizer/Biontech-Vakzin ebenfalls produzieren soll, frühestens in fünf bis sechs Wochen an den Start gehen wird, breitet sich nun das Totalversagen Merkels in seiner gesamten Pracht und für jedermann sichtbar aus. Wäre die Impfskepsis und -zurückhaltung (gegen die die Bundesregierung mit Steuermillionen ja fleißig anwirbt) nicht so groß, würde sich der selbstverschuldete Engpass noch viel tragischer auswirken.

In anderen EU-Ländern sowie auch in Norwegen sieht es nicht besser aus – dort stehen jetzt ebenfalls Versorgungslücken an. Mehrere Gesundheitsminister aus den EU-Staaten wandten sich deshalb mit einem geharnischten Brandbrief an von der Leyen und beschwerten sich über die famos verbockte Impfstoffbeschaffung – natürlich war Jens Spahn nicht unter ihnen; seine Ex-Kabinettskollegin anzugreifen schien ihm wohl nicht angebracht. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. (DM)