Irreführend und aussagelos: Wertlose RKI-Zahlen zu Corona-Toten als Lockdown-Grundlage

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Auch wenn der Mega-Lockdown in seiner befürchteten schärfsten Form jetzt doch nicht mit Ausgangsperren herkommt, was ja bei den meisten Deutschen schon zu Gefühlen der Dankbarkeit und Erleichterung führt: Die Tatsache, dass wir nun schon zum vierten Mal in die Verlängerung gehen (es wird nicht die letzte gewesen sein), haben wir einer Hysterie auf Grundlage praktisch wertloser und irreführender Zahlen zu verdanken. Hauptverantwortlich für diese bewusste Dauertäuschung: wieder einmal das Robert-Koch-Institut (RKI).

Da die allen Lockdown-Maßnahmen zum Trotz seit Anfang November auf hohem Niveau verharrenden Fallzahlen zur Einschüchterung der Bevölkerung wenig taugen, setzten die politischen Scharfmacher, allen voran Bayerns Markus Söder, zunehmend auf die Todeszahlen: Abgestürzte-Flugzeuge-Vergleiche, krepierende Großeltern und die Gleichsetzung von Corona mit der mittelalterlichen Pest: nichts ist „Södolf“ zu übertrieben, um die Angstpropaganda – und damit den Dauernotstand – aufrechtzuerhalten. Auch die Medien zelebrieren, seit Erreichen der durchschnittlichen täglichen „Vierstelligkeit“, geradezu die angeblichen Covid-Toten.

Zu besonderer Bekanntheit hat es, neben der Floskel „an oder in Verbindung mit„, dabei die Phrase „innerhalb der vergangenen 24 Stunden“ gebracht: Der scheinbaren Tagesmortalität vorgestellt, wird sie zur Verkündung der angeblich gerade aktuell zu beklagenden Todesopfer gebraucht. Ein Riesen-Schmu, wie nun herauskommt: Tatsächlich sind die Todeszahlen regelmäßig falsch, veraltet und damit völlig nichtssagend.

Der Leiter des unabhängigen Berliner Gesundheitsforschungs-Instituts IGES, der Mediziner und Soziologe Bertram Häussler, legte gestern in einem denkwürdigen „Welt„-Interview dar, dass es sich tatsächlich bei den vom RKI vermeldeten Zahlen, die wir aktuell zu Verstorbenen erhalten, um Todesfälle zu Beginn der Weihnachtsfeiertage handelt – und damit um eine (zudem fragwürdige und vage) Abbildung der Situation, die vor knapp einem Monat bestand. Grund sind haarsträubende Meldeverzögerungen bei den Ländern, aber auch die bürokratischen Abläufe zu jedem Sterbefall: Jeder Todesfall muss einem Verdachtsfall zugeordnet werden, den zuvor ein Arzt gemeldet hat, ebenso wie einem zuvor erfolgten positiven Laborbefund.

Haarsträubende Meldeverzögerungen

Erst wenn beides vorliegt, kann die verstorbene Person nach dem Infektionsschutzgesetz als Covid-Toter an das RKI übermittelt werden„, erklärt Häussler. Nun sind allerdings die mit der Zuordnung von Covid-Toten zu vorherigen Verdachtsfällen betrauten Gesundheitsämter schon durch die Sysiphusarbeit der Kontaktnachverfolgung positiv Getesteter so heillos überfordert, dass es hier zu einem Melderückstau ans RKI kommt. Je nach Bundesland führt dieser dazu dann, dass etwa nach einem halben Monat weniger als ein Drittel der Toten (Hamburg) oder nur die Hälfte (Sachsen-Anhalt, Berlin) übermittelt worden sind.

Häussler entrüstet: „Die Zahlen, die das RKI jeden Morgen veröffentlicht, sind im Durchschnitt über drei Wochen alt. Die reflektieren nicht den gestrigen Tag, wie es oft über die Medien kommuniziert wird, sondern die vergangenen Wochen.“ Das RKI müsse auf seinen Internetseiten „mit Großbuchstaben darauf hinweisen“, dass sich die veröffentlichten Sterbezahlen weit in der Vergangenheit abgespielt haben. Das eigentliche Problem ist, dass sowohl das RKI in seiner Interpretation der Todeszahlen als auch die Politik, die daraus Entscheidungen ableitet, noch immer davon ausgeht, dass die jeweils berichteten Sterbezahlen tatsächlich die vergangenen 24 Stunden darstellen.

Fake-News von offizieller Regierungsstelle

Wie grotesk der Unterschied zwischen der von Mainstream-Medien vermeldeten „offiziellen“ Todeszahlen und der Realität wird, zeigt folgendes Beispiel: Am 15. Januar wurden für den Vortag (14.1.) „1.113 neue Todesfälle“ vom RKI gemeldet – was prompt wieder die üblichen Schlagzeilen vom „traurigen Rekord“ und den „Horror-Zahlen“ triggerte und betroffene Mienen in die Gesichter der ARD- und ZDF-Nachrichtensprecher beim Verlesen der Zahlen malte. Tatsächlich waren am 14. Januar, so Häussler, von diesen 1.113 Menschen gerade einmal 20 (!) verstorben – der Rest waren weit zurückliegende Fälle.

Uns droht ein Mega-Lockdown auf Basis unbrauchbarer Zahlen„, so der Experte zur „Welt“ – freilich noch vor Abschluss des Merkelschen Bund-Länder-Gipfels. Auch wenn ein extrem verschärfter Lockdown nun, auch wegen zuletzt moderat gesunkener Infektionszahlen, vorerst abgewendet wurde (das, was bis ultimo weiterläuft, ist schlimm genug): Eine ehrliche Aufklärung der Bevölkerung erfolgt weiterhin nicht. Wir lernen: Mit unseriösen und schlichtweg unaktuellen Zahlen arbeitet das RKI also weiterhin nicht nur bei wahllosen Tests, bzw. bei der Gleichsetzung von positiv Getesteten mit „Infizierten“, sondern auch beim Sterbegeschehen. Ein riesiger Skandal – angesichts der damit begründeten Grundrechtsaushebelungen und Wirtschaftszerstörungen. (DM)