Schlepper sagen Danke: Gutmenschen-PR im Deutschlandfunk

Lager Kara Tepe auf Lesbos (Foto:Imago/ZUMAWire)

Die Buschtrommeln der empörten Gutmenschen dürfen in den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht verstummen. So berichtet wieder einmal der „Deutschlandfunk“ – bemerkenswerterweise in seiner Rubrik „Kultur“ – über die Lage der sogenannten Flüchtlinge auf der griechischen Insel: Ein Rührstück voller Phrasen aus dem Setzkasten der Betroffenheitsfloskeln und Framing-Narrative, das eher wie ein Spendenaufruf für „ProAsyl“ oder „Mission Sealife“ wirkt, als eine Reportage.

Unter der Überschrift „Das Elend der Geflüchteten auf Lesbos“ wird hier wieder einmal ganz dick aufgetragen: „Ohne Heizung und warmes Wasser, weggesperrt hinter Stacheldraht: 7500 Menschen leben im Lager Kara Tepe auf Lesbos, darunter 37 Prozent Kinder. Sie leiden am meisten unter der Situation.“ Die folgenden Einzelfallschilderungen lesen sich wie Kapitel einer einzigen Anklageschrift: „Ein Afghane lebt seit eineinhalb Jahren mit seinen beiden Kleinkindern und seiner Frau auf Lesbos… zum ersten Mal seit Wochen durfte er das Lager verlassen, um die 60-jährige Afghanin neben ihm ins städtische Krankenhaus zu begleiten. Wie einen Schatz presst sie die Plastiktüte mit dem frischen Fladen aus der Bäckerei an ihren Tschador. Seit der Coronakrise können die meisten Geflüchteten nur noch mit einem Termin das Lager verlassen… Die Frau leidet unter Diabetes, Inkontinenz und Schmerzen in Rücken und Knie. Mitten im Winter teilt sie sich mit acht anderen Frauen ein Zelt. Wir waschen uns im Korridor unseres Zeltes mit kaltem Wasser. Wir haben keine Heizung. Deshalb sind wir die ganze Nacht wach. Es gibt keinen Strom, nur einen Generator, den wir eine Stunde pro Tag benutzen.“

Doch die verbale Elendspornographie, die nun auch für Kara Tepe (dem Ersatzlager für das abgefackelte Moria) fast wortgleich ausgerollt wird, nutzt sich allmählich ab. Deshalb setzen die Flüchtlingsaktivisten – und ihre PR-Agenten beim Deutschlandfunk – neuerdings auf weitaus ergreifendere Befunde, um die akute Notlage zu akzentuieren. So erfährt man hier, dass – einer Studie des „International Rescue Commitees“ (IRC) vom Dezember zufolge – die Zahl der „Flüchtlingspatienten mit Psychosen auf den griechischen Inseln“ in den letzten zwei Jahren „von 14 auf 24 Prozent“ gestiegen sei. Zudem litten „derzeit fast zwei Drittel unter Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung PTBS„, und bei 15 statt im Jahr 2018 noch 9 Prozent der Menschen soll es zu Selbstverletzungen gekommen sein.

Neuerdings auch dramatische Kranken- und Missbrauchsgeschichten

Wie hier die Anamnese, die Bewertungskriterien für solche Diagnosen aussieht, bleibt im Dunkeln. Handelte es sich um qualifizierte, ärztliche Untersuchungen – oder um Stichprobenbefragungen à la „Are you traumatized? – Yes, i am very traumatized„?. Unklar ist auch, wie die Behauptung zustande kommt, 50 Kinder auf Moria hätten vergangenes Jahr Selbstmordversuche verübt (erfolgreich war anscheinend keiner). Solche Meldungen schockieren natürlich das deutsche Linksbürgertum der DLF-Hauptzielgruppe – und zwar so sehr, dass sich keiner die weitaus naheliegendere Frage stellt, wieso dieser öffentlich-rechtliche Informationssender eigentlich mit keinen Zahlen zum Selbstmordgeschehen im eigenen Land aufwarten kann, das während der Corona-Pandemie – als Folge ruinöser Lockdowns – massiv zugenommen hat sind. Vor allem – nicht uninteressant eigentlich für „DLF Kultur“ – auch unter den Künstlern und Kulturschaffenden.

Dafür wird in der Lesbos-Berichterstattung jetzt auch noch die finale Stufe der Emotionalisierung gezündet: Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. „Eine Dreijährige soll in Kara Tepe brutal vergewaltigt worden sein. Was so klingt, als sei es ein Einzelfall, ist laut der Kinderpsychologin eher die Regel„, so der DLF. Wenn dies stimmt, dann schließt die Forderung nach Evakuierung der Kara-Tepe-Flüchtlinge fortan also zwingend auch die Aufnahme von Kinderschändern und Gewaltverbrechern mit ein. Auch hier gilt vermutlich jedoch: Wir schaffen das.

Alte Schule der Refugees-Welcome-PR 

Beim DLF kommt natürlich wieder einmal keiner der Einheimischen von Lesbos zu Wort, keiner derer, die durch eine Dauer-Invasion von Wirtschaftsmigranten – und wer 5.000 Dollar oder mehr für seine „Flucht“ nach Europa zahlen kann, IST ein Wirtschaftsmigrant! –  ihre Insel seit Jahren nicht wiedererkennen; die ständig mit Vandalismus, Sachbeschädigungen oder Gewaltakten konfrontiert werden. Auch kein Polizei- oder Behördenvertreter findet hier Gehör, der die Renitenz und Aggressivität der überwiegend jungen Männer beklagt. Ebenso keiner der beim Feuer im Lager Moria vor fünf Monaten eingesetzten Feuerwehrleute. Und kein Wort natürlich auch über die Tatsache, dass dieser Brand von den Insassen selbst gelegt wurde, um ihre Verbringung nach Mitteleuropa (also Deutschland) zu erzwingen – mutmaßlich in einer konzertierten Aktion mit NGO’s übrigens, die „just in time“ am Vorabend mit der Aufstellung von 13.000 Stühlen vor dem Berliner Reichstag die sofortige Evakuierung des Lager gefordert hatten.

Stattdessen wieder die immerselben subtilen Vorhaltungen ans deutsche Publikum, das da dekadent über den harmlosen Lockdown jammert, während es anderen doch noch soviel dreckiger geht. Dass Deutschland seit 2015 zwar schon weit über 2,5 Millionen „Geflüchtete“ aufgenommen hat und und sogar mitten in der Coronakrise, bei Massenarbeitslosigkeit und akut laufender Vernichtung unserer eigenen Wirtschaft weiterhin „Minderjährige“ aus Lesbos einfliegen lässt, wird hier unterschlagen. Für gebührenfinanzierte Moralkeulenschwinger mit erhobenem Zeigefinger ist es prinzipiell immer „zu wenig“: Die Schande Europa besteht, solange nicht die vielen hundert Millionen Menschen hier „angekommen“ sind, die schon heute alles stehen und liegen lassen würden für die Chance, ins gelobte Land zu gelangen. (DM)