Zahlenspiele und eine beratungsresistente Kanzlerin- neue Nachrichten aus der geschlossenen Corona-Anstalt

Foto: Corona-Hinweis (über dts Nachrichtenagentur)

Diese ganze Corona-Angelegenheit ist eine Frage der Interessen. Wer profitiert, wer verdient am meisten mit der Angst?

Hier die neuesten Nachrichten aus der geschlossenen Corona-Anstalt, die eigentlich für sich selbst sprechen:

Intensivmediziner pocht auf Senkung der Infektionszahlen

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) pocht auf eine schnelle Senkung der Infektionszahlen, um die Kapazitäten der Intensivstationen zu entlasten. „Aktuell sind wir bei knapp unter 5.000 Intensivpatienten in Deutschland – da müssen wir noch deutlich runter. Es geht auch darum, wieder aufnahmebereit zu sein, falls die Virus-Mutation sich in Deutschland trotz aller Maßnahmen verbreitet und zu mehr Infektionen und damit auch mehr Intensivpatienten führt“, sagte DIVI-Präsident Gernot Marx der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe).

Um den Jahreswechsel habe sich die Intensivmedizin in Deutschland „in der kritischsten Situation“ seit ihrem Bestehen befunden. „Der Peak ist zwar vorerst überschritten, aber wir sind noch weit weg von einer Situation, in der man von einer Entspannung sprechen kann“, so Marx. Mit Blick auf die Virus-Mutationen warnte der DIVI-Präsident davor, dass sich die Lage in Deutschland weiter verschärfe.

„Das Entscheidende aus Sicht der Intensivmedizin ist, dass wir weniger Neuinfektionen – und damit weniger Intensivpatienten – haben. Um das zu erreichen, müssen wir noch mehr all unsere Kontakte reduzieren.“ Der Intensivmediziner verwies dabei auch auf die Lage in anderen Ländern.

„Wir haben die absolute Krisensituation in Großbritannien vor Augen. Wir müssen jetzt unbedingt Maßnahmen etablieren, um eine solche Situation in Deutschland zu verhindern“, so Marx.

Gibt es schon irgendwelche Belege, dass diese – ganz normale – Mutation tatsächlich gefährlicher ist?

Weltärztepräsident bemängelt Homeoffice-Angebote der Unternehmen

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat die Arbeitgeber in der Phase der zweiten Infektionswelle kritisiert und die Beschlüsse von Bund und Ländern für mehr Homeoffice begrüßt. „Es ist gut, dass die Arbeitgeber jetzt per Verordnung zu mehr Homeoffice-Angeboten gebracht werden sollen“, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe). In dieser zweiten Welle seien noch viel zu viele Büros offengelassen worden.

„Es gab sogar Unabkömmlichkeitserklärungen, die an Arbeitnehmer verschickt wurden, obwohl dies nicht unbedingt nötig gewesen wäre“, kritisierte der Weltärztepräsident. „Die Arbeitgeber hatten einen Anteil daran, dass die Infektionszahlen noch einmal so stark steigen konnten“, so Montgomery. Er begrüßte den Beschluss, die gemeinsame Öffnungsstrategie klug vorzubereiten, „damit die Länder nicht irgendwann wieder in voreilige, unabgestimmte Lockerungen verfallen und wir einen weiteren Lockdown riskieren“, so der Mediziner.

Kommunen nehmen Bundeswehr-Hilfe in Pflegeheimen kaum an

Trotz eines Appells des Kanzleramts nehmen die Kommunen nur zögerlich das Angebot wahr, Soldaten der Bundeswehr für die Durchführung von Corona-Schnelltests in Alten- und Pflegeheimen anzufordern. Bislang sind laut eines Berichts der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben) nur 219 Soldaten in sechs Landkreisen im Einsatz. Die Zahl solcher Amtshilfe-Anträge ist sogar von 18 auf 13 gesunken, nachdem Differenzen zwischen Deutschem Städtetag und Bund öffentlich geworden waren.

Beide Seiten streiten über die Haftung und Qualifikation des Testpersonals. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hatte am Freitag in einem Schreiben an die Kommunen appelliert, eine dreiwöchige Starthilfe der Bundeswehr anzunehmen und Freiwillige anzuwerben, um die Soldaten danach als Testpersonal abzulösen. Es gibt in Deutschland schätzungsweise über 15.000 Alten- und Pflegeheime.

Laut Städtetag ist ungeklärt, wer bei fehlerhaft durchgeführten Tests und daraus folgenden falsch negativen Ergebnissen haftet. Offen sei auch, ob eine Schnellschulung durch das Rote Kreuz ausreiche und ob die Freiwilligen ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegen müssten.

Hausärzte fordern Testpflicht für jeden in Seniorenheimen

Der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hat Bund und Länder schwere Versäumnisse vorgeworfen und die Regierungen aufgefordert, beim Schutz der Senioren stärker mit den Alten- und Pflegeheimen zusammenzuarbeiten. „Spätestens im Sommer hätte sich die Politik konkrete Maßnahmen überlegen müssen. Es wurde zu wenig getan“, sagte er der „Bild“ (Mittwochausgabe).

Es werde viel zu wenig hingeschaut und nach Gründen geforscht. „Bei den täglich kommunizierten Zahlen handelt es sich nicht nur um `infizierte Fälle`, sondern um Menschen.“ Der Verbandschef sprach sich eindringlich für eine Testpflicht in Seniorenheimen aus.

„Meiner Meinung nach müsste jeder, der ein Heim betritt, ob Besucher oder Mitarbeiter, zunächst getestet werden und das am besten täglich“, sagte Weigeldt der „Bild“.

Über ein Drittel der privaten Hochschulen hat Corona-Einbußen

40 Prozent der privaten Hochschulen haben in der Pandemie finanzielle Einbußen erlitten, allerdings fast ausschließlich die kleineren mit weniger als 5.000 Studierenden. Für das Wintersemester 2020/21 erwartet mehr als ein Drittel Einkommenseinbußen, zeigt eine Umfrage des Stifterverbandes, über die das „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe) vorab berichtet. Ursache sei vor allem das Ausbleiben ausländischer Studenten und weniger Fördermittel von Unternehmen und Stiftungen, sagte Studien-Autorin Julia Krume der Zeitung.

Es gibt aber auch Gewinner: Fast drei von zehn privaten Hochschulen gaben an, ihre Situation habe sich sogar verbessert – etwa weil die Zahl der Fernstudierenden in der Pandemie stark gestiegen ist. Weit mehr als die staatlichen sehen die privaten Hochschulen die Pandemie als Chance für die digitale Lehre. Dort seien sie – auch durch den hohen Anteil an Teilzeit und Fern-Studenten – schon zuvor wesentlich besser aufgestellt gewesen, so der Stifterverband.

Künftig wollten sie diesen Marktvorteil weiter ausbauen. Die Umfrage fand im September 2020 statt, wurde im November ergänzt und es nahmen 37 Prozent der privaten Hochschulen teil. 2018 studierten 8,5 Prozent aller Studierenden an einer privaten Hochschule, deren Gebühren in der Regel zwischen 1.000 und 8.000 Euro im Bachelor pro Semester liegen, berichtet die Zeitung.

Wissing wirft Merkel Einseitigkeit bei Corona-Beratern vor

FDP-Generalsekretär Volker Wissing wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, sich in der Coronapandemie zu einseitig beraten zu lassen. „Der Expertenkreis ist von der Bundeskanzlerin selbst ausgewählt. Es gibt neben diesen Experten aber auch andere, die eine fachliche Expertise haben und ihre Meinung äußern“, sagte Wissing der „Bild“.

Es gebe „keineswegs eine wissenschaftliche Einheit“. Die Regierung würde einen Strategiewechsel vornehmen, ohne diesen ausreichend zu begründen, kritisierte der Liberale. „Die Maßnahmen haben nicht zum gewünschten Effekt geführt.“

Er sei dafür, dass man Alternativen zu den jetzigen Strategien evaluiere. „Dann sollte man auch mal mit anderen Virologen überlegen, welche Konzepte es noch gibt.“ Man bräuchte jetzt eine Perspektive für die Menschen. (Mit Material von dts)