Luxus-Spahn: Wird jetzt Kasse gemacht?

Der Mann mit dem goldenen Finger (Foto:Imago/Heinrich)

Sollte hier etwa ganz ungeniert die Ernte eingefahren werden? Wohl durch eine Unachtsamkeit erschien kürzlich die pikante Immobilienanzeige einer Vermittlungsseite kurzzeitig im Netz –  obwohl sie wohl gar nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht war. Kein Wunder: Darin bot CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn seine luxuriöse Wohnung in Berlin-Schöneberg für rund 1,6 Millionen Euro online zum Kauf an. Die braucht er jetzt nicht mehr – nach dem Kauf einer 4,2-Millionen-Villa im Dahlemer Nobelviertel inmitten der Pandemie.

Zwar verschwand die Annonce wenig später schon wieder aus dem Netz – doch sie war lange genug drin, um bemerkt zu werden, etwa vom Portal „Business Insider„, das prompt über den Fall berichtete – auch wenn sich Spahns Anwalt sogleich beeilte zu erklären, die Veröffentlichung der Anzeige samt Fotos sei „weder beauftragt noch gewollt gewesen„. Kein Wunder, dass dem Minister zuviel Öffentlichkeit hier nicht in den Kram passt: Bei der angebotenen Wohnung handelt es sich um dieselbe, die erst vor knapp dreieinhalb Jahren zum Schnäppchenpreis von 980.000 Euro erworben hatte. Ihr aufgerufener Wiederverkaufspreis von 1.585.000 Euro ist da schon deutlich marktgerechter. Der damalige Kaufpreis sei „ein Witz“ gewesen, „vielleicht die Hälfte des wirklichen Wertes“, erklärte gegenüber Jouwatch ein Berliner Makler, der anonym bleiben möchte.

Wie der Zufall jedenfalls so spielt, machte Spahn 2019 ausgerechnet den Verkäufer der Wohnung, Markus Leyck Dieken (ein alter Bekannter aus den Pharmalobby-Zeiten des CDU-Politikers), zum Alleingeschäftsführer der – zuvor auf sein Betreiben hin vom Bund übernommenen – Gematik GmbH; keine zwei Jahre also, nachdem er ihm die Luxus-Bude zu Dumping-Konditionen abgekauft hatte. Anscheinend hatte Leyck Dieken so einen guten Eindruck beim Minister hinterlassen, dass dieser ihm gleichmal das Gehalt annähernd verdoppelte –  auf rund 300.000 Euro jährlich.

Ehrliche Haut trifft auf ehrliche Haut

Doch es kann Entwarnung gegeben werden: Sowohl der Minister als auch sein der so großzügig bedachte Leyck Dieken bestreiten, dass der Wohnungs-Deal oder „persönliche Kontakte“ eine Rolle beim damaligen Schnäppchen-Verkauf wie auch bei der Postenbesetzung gespielt hätten. Das bedeutet: Leyck Dieken erhielt also nicht einen Teil des Kaufpreises in Form seines späteren Traumjobs vergütet (und damit auf Kosten von Gematik bzw. letztlich des Steuerzahlers). Er verzichtete einfach freiwillig auf einige Hunderttausend Euro. Spahn ist ein Glückskind.

Und deshalb ist es natürlich auch vollkommen abwegig zu glauben, dass der Minister jetzt mit dem Verkauf der 195 Quadratmeter großen „repräsentativen 5-Raum-Wohnung in stilvollem Altbau“ (so die geleakte Immobilienbeschreibung) die damals eingesparte Differenz kapitalisieren würde! Der Mann ist nicht nur Deutschlands beliebtester Politiker, sondern auch der ehrlichste. So erklärt sich auch, warum in Deutschlands kritischen Mainstreammedien bis heute so gut wie nichts über den Vorgang berichteten. Alles ist in bester Ordnung. (DM)