Der Großmeister der Verunsicherung: Scharlatan Drosten?

Ob´s wohl stimmt? (Foto:Imago/Heinrich)

Der mächtigste Verbündete der Pandemie-Politiker und ihrer virologischen Stichwortgeber im Hintergrund ist die Vergesslichkeit der Menschen. Die Angst blockiert sehr wirksam das Langzeitgedächtnis. So kommt es, dass bei jeder neuerlichen Panikmeldung oder Horrorprognose keinem mehr auffällt, wie sehr sie im Widerspruch zu früheren Behauptungen steht. Es wäre Aufgabe kritischer Medien, diese Widersprüche herauszustellen und die Urheber zur Rede zu stellen – was jedoch, aus guten Gründen, gänzlich unterbleibt.

Die größten Profiteure dieser ausgeprägten „retrograden Amnesie“, was frühere Verlautbarungen und Einschätzungen zur Pandemie betrifft, sind ausgerechnet diejenigen wissenschaftlichen Autoritäten, auf deren Urteil die Politik hört. Allen voran Professor Christian Drosten, der seine locker aus den Lenden dahingemurmelten, allzu lauten Gedanken nicht nur dem Publikum seiner preisgekrönten pseudoaufklärerischen Podcasts offenbart, sondern eben auch den Corona-Krisengipfeln im Kanzleramt – und dort zuverlässig für Verunsicherung und hektischen Aktionismus sorgt.

Zuletzt etwa mit seinen Äußerungen zu Coronavirus-Mutationen, die nun plötzlich ein riesiges Problem darstellen – so groß, dass deswegen nicht nur der Lockdown auf unbestimmte Zeit beibehalten oder gar noch verschärft werden sollte, sondern sogar der touristische Flugverkehr dringend stillgelegt müsse (und jetzt wissen wir auch, woher Merkels Obsession rührt, den Deutschen das Reisen zu verbieten oder wenigstens zu verleiden): „Wir haben jetzt diesen speziellen Eindruck, dass von außen diese Mutanten eingeschleppt werden„, so Drosten vorgestern in den ARD-Tagesthemen. „Je mehr wir bremsen, desto wichtiger wird das, was von außen eingeschleppt wird. Wenn wir sehr viel Infektionstätigkeit im eigenen Land haben, macht das bisschen, was von außen kommt, nichts mehr aus„. Aus wissenschaftlicher Sicht seien daher Reiseverbote „sinnvoll„. Vergangenen Freitag hatte Drosten zudem die apokalyptische Vision von 100.000 Neuinfektionen im Frühjahr und Sommer als Folge der Mutanten entworfen.

Derselbe Drosten hatte jedoch vor nicht einmal 10 Tagen getwittert:

(Screenshot:Twitter)

 

Kein Grund zur Sorge“ also noch am 18. Januar – und wenig später droht uns nun die dritte Megawelle, so heftig, dass an Lockerungen nicht zu denken sein wird? Dass ausgerechnet der Sommer eine massive Steigerung der Fälle gegenüber jetzt zur Folge hat, ist übrigens durch nichts belegt. Im Gegenteil zeigt die Fallzahlentwicklung ausgewählter Länder, in denen derzeit gerade Hochsommer ist, dass die aktuelle globale Covid-Ausbreitung völlig unabhängig von der Jahreszeit erfolgt:

Fallzahlenentwicklung auf den Sri Lanka (Quelle:Johns-Hopkins-University)

 

Fallzahlenentwicklung in Südafrika (Quelle:Johns-Hopkins-University)
Fallzahlenentwicklung auf den Seychellen (Quelle:Johns-Hopkins-University)

War ursprünglich vermutet worden, das Virus folge den saisonalen Grippeverläufen und würde in der trockenen und heißen Jahreszeit von selbst schwinden, so zeigen die Charts der weltweiten Fallzahlen eine saisonal komplett unabhängige Entwicklung: Weltweit stiegen die Zahlen infolge der zweiten Welle, mit zuletzt wieder leicht abnehmender Tendenz. Somit ist durch rein nichts nachgewiesen, dass sich die Anstiege ausgerechnet im kalendarischen Sommer erhöhen sollten. Es gibt demnach auch keinen Grund, Politik und Bevölkerung perspektivisch die Notwendigkeit monatelanger weiterer Lockdowns und Beschränkungen einzureden. da sich Drosten mittlerweile jedoch als „ZeroCovid“-Sympathisant geoutet hat, liegen die Motive seiner neuerlichen Schwarzseherei vermutlich eher hier: „Wenn man sich vielleicht auch etwas naiv vorstellt, dass man dann all diese Maßnahmen einfach beendet, dann werden wir sicherlich erleben, dass das Virus sich wieder ganz stark vermehrt. Dann werden wir wieder in diese medizinischen Probleme kommen„. Wir verstehen: Die Maßnahmen dürfen keinesfalls enden. Nur darum geht es.

Auch auf die Frage nach möglichen Lockerungen infolge der ersten Impfungen antwortete Drosten Sonderbares: „An dieser Stelle ist wieder eine Frage der Geschwindigkeit. Wir werden zu irgendeinem Zeitpunkt so viele Menschen geimpft haben, dass das Virus sich nicht mehr von selbst verbreitet und dabei so hochkocht – also diese typische exponentielle Vermehrung.“ Welche exponentielle Entwicklung, bitte? Eine solche gibt es seit Monaten nicht, auch ganz ohne Impfung. Selbst nach den letzten Lockerungen im Mai waren sie, entgegen aller Befürchtungen, ebenfalls ausgeblieben.

Und nicht einmal in Irland, das von der Bundesregierung als vermeintlich abschreckendes Beispiel für das „Wüten“ der ach so schrecklichen Mutante B117 ins Feld geführt wird, bewahrheiteten sich die Unkenrufe der explodierenden Fallzahlen; die „Kurve des Schreckens“, die es in Deutschland unbedingt zu vermeiden gelte, hat sich dort vollends anders entwickelt als von Drosten & Co. vorhergesagt:

(Screenshot:Twitter)

Auch hier greift wieder der Effekt des dominanten Kurzzeitgedächtnisses: Niemand wird stutzig über den Widerspruch zwischen den offiziellen, scheinbar fachkundigen Verlautbarungen von gestern und der Realität von heute. Solange das so bleibt und sich niemand an den unseriösen, schizoiden Tageseinschätzungen verantwortungslos daherplappernder Experten stört, gibt es wohl kein Erwachen aus diesem Alptraum. (DM)