Deutschland macht dicht

Deutschland, von außen betrachtet (Foto: Von Sergio Foto/Shutterstock)

Bekanntlich haben Viren die Eigenschaft, ständig zu mutieren – und alle reagieren darauf panisch, aber natürlich immer viel zu spät.

Und weil sie viel zu langsam und träge sind, lieber diskutieren statt handeln wollen, können unsere Politiker nur mit Verboten und immer neuen Drangsalierungen reagieren. Leiden muss eh nur der Untertan.

Jetzt, wo ein neuer „Schnupfen“ unterwegs ist und sich mit Sicherheit auch nicht aufhalten wird, macht Deutschland die Schotten dicht. Erstmal betrifft das nur einige Länder, aber da die Viren keine Grenzen kennen und sich bereits überall – egal wie mutiert – verbreitet haben, wird es wohl bald keinen einzigen Grenzverkehr mehr geben:

Der Reiseverkehr aus Ländern, in denen Corona-Mutationen auftreten, nach Deutschland wird von der Bundesregierung offenbar ab Samstag drastisch eingeschränkt. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Demnach soll die Einreise aus Brasilien, Südafrika, Großbritannien, Irland oder Portugal ab Samstag weitgehend verboten sein.

Die Kabinettsmitglieder hätten die entsprechende „Verordnung zum Schutz vor einreisebedingten Infektionsgefahren in Bezug auf neuartige Mutationen des Coronavirus SARS-CoV-2“ am Freitagnachmittag unterzeichnet. Betroffen davon seien alle Personen, die aus den fünf genannten Ländern kommend nach Deutschland einreisen. Die Verordnung soll bis zum 17. Februar gelten und soll von Fluggesellschaften und Bahnen umgesetzt werden.

Ausnahmen sollen für deutsche Staatsbürger, Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland, Frachttransporte, Ambulanzflüge sowie Reisen aus dringenden humanitären Gründen gelten, ebenso sei die Rückführung von Flugzeugen, Schiffen und Crews weiterhin erlaubt.

Stichwort: Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland – das ist natürlich ganz wichtig. Aber wie sieht das mit Ausländer mit Arbeitsplatz in Deutschland aus? Was machen jetzt die vielen Flüchtlinge, die es immer noch ins Paradies treibt?

Von den Grünen kommt dann auch gleich Kritik – verpackt in scheinheiligen Argumenten:

Die europapolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Franziska Brantner, hat die weitreichende Einreisesperre aus Corona-Mutationsgebieten, die Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vorangetrieben hatte, scharf kritisiert. „Seehofer torpediert die europäische Einigung auf eine doppelte Test- und Isolationspflicht für Reisende aus dunkelroten Zonen, da er allein den schärferen Weg der Einreiseverbote geht. Genau die will die EU mit der neuen Regelung vermeiden“, sagte Brantner der „Rheinischen Post“ (Samstagausgabe).

„Damit düpiert er mal wieder seine europäischen Kollegen, anstatt endlich sicherzustellen, dass Testen und Isolation auch wirklich umgesetzt und kontrolliert werden“, sagte die Grünen-Politikerin. Zugleich mahnte Brantner an, aus den Fehlern während der ersten Corona-Welle zu lernen. „Wir dürfen jetzt nicht die gleichen Fehler wie im Frühjahr machen. Pendler und Familien in den Grenzgebieten müssen auch weiterhin die Grenzen passieren dürfen“, sagte sie. Wirksamer wäre es, europaweit massiv mehr zu testen und zu sequenzieren, um die Mutante lokal einhegen zu können, so Brantner. Der Deutsche Reiseverband (DRV) begrüßte die Entscheidung zu einer weitreichenden Einreisesperre hingegen.

„Schutzmaßnahmen vor Virusmutationen sind sinnvoll“, sagte eine Verbandssprecherin dem „Handelsblatt“ (Montagausgabe). „Die Reisewirtschaft unterstützt daher Anstrengungen, um die weitere Ausbreitung von Virusvarianten zu verhindern.“ Zugleich erinnerte die Sprecherin daran, dass der Reiseverkehr zwischenzeitlich fast vollständig zum Erliegen gekommen sei.

Perspektivisch werde es daher umso wichtiger, „dass die Politik zeitnah auch Konzepte vorlegt, wie eine verantwortungsvolle, schrittweise Öffnung nach dem Abklingen der zweiten Welle gelingen kann“, sagte sie. „Entscheidend ist neben den Impfungen eine funktionierende Teststrategie, denn Verbote bringen uns langfristig nicht weiter und pauschale Reiseverbote sind keine sinnvolle Lösung.“

Impfen, testen, Verbote – All das wird das Virus nicht aufhalten. Und jetzt singen wir alle mal wieder „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“. (Mit Material von dts)