Total verimpft: Wenn „Bevölkerungsschutz“ zur Farce wird

Impfzentrum (Symbolbild:Imago/Boethling)

Es wird immer bizarrer, was sich rund ums Thema Impfen in Europa und speziell Deutschland abspielt. Vor dem Hintergrund, dass die Impfstoffversorgung – laut Politik – die einzige Fahrkarte aus dem nicht enden wollenden Dilemma sein soll, wurde von ebendieser Politik praktisch alles falsch gemacht, was nur falschzumachen war; und jeden Tag wird der Chronik des Versagens, des Dilettierens und allgemeinen Verschaukelns ein weiteres Kapitel hinzugefügt.

Aus dem Saarland sorgte gestern eine Meldung für Furore, die eigentlich das Zeug zum Aprilscherz hätte, die aber – buchstäblich – todernst war: Das Landesgesundheitsministerium in Saarbrücken fand einen wahrlich „kreativen“ Ansatz, dem hausgemachten Impfstoffmangel zu begegnen – und verloste kurzerhand 2.520 Impftermine unter den impfberechtigten Risikopatienten. Nachdem die Menschen also monatelang durch Fürchtemacherei und Impf-Indoktrination der Durchhaltemedien eingetrichtert bekamen, nur der rettende Pieks sichere ihr Überleben, müssen verunsicherte und verzweifelte Senioren jetzt miterleben, wie der Staat mit ihrer Gesundheit Russisches Roulette spielt. Manches kann man sich nicht ausdenken.

Schlimmer noch: Die Behörden entblödeten sich nicht zu versichern, die  „Reihenfolge der aktuellen Impfliste“ sei „unter notarieller Aufsicht durchmischt“ worden; soviel deutsche Ordnung muss also noch sein. Die makabere Verlosung betraf Impftermine für den Zeitraum vom 4. bis  zum 13. Februar; es sind weitere ähnliche Aktionen geplant, um den von Merkel und Spahn verzapften Impfstoffmangel quasi von Fortuna managen zu lassen. Unglaublich, dass angesichts solcher Zustände die Zustimmungswerte für die Corona-Politik der Bundesregierung noch immer phantastisch ist: Bis zu zwei Drittel der Deutschen tragen diese – glaubt man den Umfragen – mit. Vermutlich sind sogar noch die meisten jener, die bei der perversen saarländischen Impf-Tombola leer ausgingen, der Kanzlerin zutiefst dankbar für die Chance ihrer Teilnahme.

Für eine Blamage ganz anderer Art rund ums Impfen sorgte die Berliner SPD-Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci: Mit stolzgeschwellter Brust verkündete sie vorgestern vor dem Abgeordnetenhaus und auf Twitter vollmundig, in Berlin werde in Zukunft an vorderster Front Impfstoff produziert, um dem Mangel abzuhelfen: „Gute Nachricht: Berlin steht bereit, bei der Impfstoffproduktion mitzuhelfen. Wir sind im Gespräch mit Berlin-Chemie, die sich dazu bereit erklärt haben.“ Gestern dann die peinliche Schlappe: Eine Sprecherin von Kalaycis eigener Senatsverwaltung musste klarstellen, dass in Berlin gar kein Impfstoff hergestellt werden wird; bestenfalls werde dort welcher abgefüllt, doch dies auch erst dann, „wenn er zur Verfügung steht„, so die Sprecherin. Also wieder einmal: Danke für nichts! „Berlin hat offenbar eine Gesundheitsministerin, die zwischen der Produktion eines Impfstoffs und dessen Abfüllung in kleine Flaschen nicht so genau zu unterscheiden vermag, oder vielleicht auch nur darauf spekulierte, dass das Publikum dies nicht kann„, ätzte „Tichy’s Einblick“ über Kalayci. Und Berlin-Chemie, das für die Endbefüllung der Dosen vorgesehene Unternehmen, enthielt sich bezeichnenderweise jeglicher Stellungnahme.

Peinliche Etappenberichte von der Impf-Front

Derweil liegt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weiter im Clinch mit Astrazeneca. Nun versucht sie, die im (mittlerweile offengelegten) Vertrag mit dem schwedisch-britischen Hersteller enthaltenen Zahlen als „verbindliche Liefermengen“ zu interpretieren – obwohl es sich dabei um Best-Effort-Ziele und somit pure Absichtserklärungen handelt. Bei ihren mainstream-medialen Vasallen darf von der Leyen hierbei auf wohlwollende Schützenhilfe hoffen – weil deren Redakteure von den Prozessen des Marktes, freier Wirtschaft und Vertragsrecht mindestens ebenso wenig Ahnung haben wie Berufspolitiker und die Brüsseler Eurokraten.

Und schon zeichnet sich das nächste Fiasko ab: In Kürze steht der – im Vergleich zu den Präparaten von Biontech/Pfizer und Astrazeneca äußerst vielversprechende – Impfstoff des US-Herstellers Novavax namens NVX-CoV2373 in den Startlöchern. Er wird gemeinsam mit dem Pharmariesen Emergent BioSolutions derzeit bereits in großen Mengen produziert. Auch hier wieder dasselbe Trauerspiel: Während die US-Regierung unter Donald Trump bereits im Juli große Kontingente geordert hatte und Großbritannien im August nachzog, hatte von der Leyens Katastrophen-Kommission natürlich auch bei diesem Anbieter auf rechtzeitige Bestellung verzichtet und orderte erst jetzt – viel zu spät – mit zwangsläufigen Lieferverzögerungen nach.

Übrigens gab Trump ein vorbildliches Beispiel ab, wie eine verantwortungsbewusste politische Führung handelt: Mit 1,6 Milliarden Dollar Zuschuss hatte er die Entwicklung von Novavax im Sommer aktiv gefördert – und sich dafür dann, selbstverständlich und legitimerweise, ausreichend Dosen für die eigene Bevölkerung gesichert. In Merkeldeutschland hingegen fördert die Bundesregierung BionTec mit 375 Millionen Euro Steuergeldern – ohne sich dann zumindest eine bevorzugte Versorgung mit dem Impfstoff garantieren zu lassen. Als Ergebnis dürfen sich jetzt die Deutschen (wie der Rest der EU-Bürger) auch bei diesem Impfstoff hinten anstellen – und abwarten, bis die Staaten bedient wurden, die von verantwortungsvollen und kompetenten Regierungen geführt werden. Kein Wunder, dass britische Zeitungen diese Woche mit Blick auf den Brexit und das europäische Impf-Chaos jubelten: „Thank God we’re out!“ („zum Glück sind wir draußen!“).

Wie wirksam sind die Impfstoffe?

Um die peinlichen Engpässe bei der Belieferung durch Astrazeneca und ihre Folgen für Merkels – damit wohl geplatztes – „Impfangebot für jeden Deutschen bis Ende des Sommers“ zu kaschieren, wurde in Deutschland dann kurzerhand Astrazeneca für die eigentliche primäre Impfzielgruppe der ab 65-jährigen als nicht hinreichend wirksam eingestuft – und schon wird aus dem Mangel eine Vorsichtsmaßnahme. Es ist dasselbe Manöver wie einst bei den Masken – die solange wissenschaftlich wirkungslos waren, wie nicht genug von ihnen verfügbar waren, und die dann schlagartig für unverzichtbar-nutzbringend erklärt wurden, sobald die ausreichende Versorgung sichergestellt war. Wer kauft vor diesem Hintergrund der Ständigen Impfkommission diese politische Gefälligkeitsbewertung zu Astrazeneca ernsthaft ab?

Viel berechtigter wäre dabei die dringende Hinterfragung der Wirksamkeit des so hochgelobten Pfizer/Biontech-Impfstoffs, der in Deutschland bereits zwei Millionen Mal zum Einsatz kam: Was das RKI-Bulletin vom 14. Januar dieses Jahres zu diesem angeblich so segensreichen mRNA-Serum öffentlich dokumentiert, ist nämlich alles andere als beruhigend. Die Tatsache, dass die deutschen Leitmedien darüber nichts berichten, hat wohl weniger mit Ignoranz oder Desinteresse als mit vorsätzlichem Verschweigen zu tun.

Laut Biontech-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit des Impfstoffs hatten 21.000 Personen den Impfstoff erhalten, und ebenso viele ein Placebo. In der Placebogruppe starb keiner an Covid-19; lediglich vier Personen erkrankten schwer, entsprechend 0,02 Prozent (S. 27 Bulletin). Schon hier stellt sich die Frage, wieso bei dieser extrem niedrigen Prävalenz dann zur Zeit – und global – eine flächendeckende Durchimpfung ganzer Bevölkerungen erfolgt. Von den 21.000 im Rahmen der Studie tatsächlich mit dem Wirkstoff geimpften Personen erlitten nun vier eine „schwere impfstoffbezogene Nebenwirkung„, darunter war eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung. Dies bedeutet also: OHNE Impfung, in der Placebogruppe, erkrankten 0,02 Prozent der Probanden schwer an Covid-19; MIT Impfung erkrankten exakt ebenso viele an einer impfstoffbezogenen Nebenwirkung (Bulletin, S.31).

Doch es kommt noch schlimmer: Explizit bezeichnet das RKI im Bulletin (S.33) die Qualität des tatsächlichen Nachweises – und damit die Potenz des Impfstoffs von BionTec (und übrigens auch desjenigen von Moderna), eine schwere Covid-19-Erkrankung zu verhindern – als „sehr gering„. Auch hier stellt sich wieder die Preisfrage: Wieso wird dann überhaupt durchgekämpft? Spahn und Wieler gingen auf diese Thematik nicht ein – obwohl es sich dabei doch um die fachliche Einschätzung der eigenen Fachleute des RKI handelt. Stattdessen warnen beide lieber in täglich immer schrilleren Tönen vor ständig neuen „Mutanten“. Was wiederum die Frage aufwirft: Wenn die verfügbaren Impfstoffe schon jetzt einen zweifelhaften Nutzen aufweisen, wer kann dann eigentlich garantieren, dass selbige gegen die ständig neuen Variationen von Sars-CoV2 wirksam sind? Vor dem Hintergrund derart begründeter Zweifel muss man wohl beinahe froh sein, wenn die Impfstoffversorgung durch politische Unfähigkeit bei uns nur so stockend läuft. (DM)