Verlust & Corona: Kanzlerin verliert die Nerven

Wegweiser zum Fundbüro - Foto: Imago

Die „Neue Züricher Zeitung“ titelte vorgestern, die Kanzlerin verliere die Nerven. Das „Ding“ sei „uns entglitten“, soll sie gesagt – und auch sonst recht düster gesprochen haben. Als ob die Stimmungen der Kanzlerin „unser“ vorrangiges Problem wären. Es geht um sehr viel mehr. Die westliche Welt steht vor einer Konterkulturrevolution.

von Max Erdinger (Fundbüro)

Es gibt eine Meldung über den tansanischen Präsidenten John Mafuguli, bei deren Lektüre ich in schallendes Gelächter ausgebrochen bin. Nicht zum ersten Mal übrigens. Vergangenes Jahr hatte der Filou international bereits für große Erheiterung gesorgt, als er PCR-Tests, denen er willkürlich die Namen irgendwelcher Personen zugeordnet hatte, an ein Labor zur Auswertung schickte, um der Weltöffentlichkeit dann die Laborergebnisse samt der realen Geschichte hinter diesen Tests zu präsentieren. Erstens waren die Tests allesamt positiv, und zweitens hatte er sie an allem möglichen, außer eben an Menschen, durchführen lassen. Selbst die getesteten Papayas waren positiv. Mafagulis zweiter Streich erfolgte vergangene Woche. Von der EU soll er Millionen dafür eingestrichen haben, in Tansania nun endlich ebenfalls einen Lockdown samt Maskenzwang einzuführen. Das Geld soll Mafaguli genommen haben. Sicher ist, daß er die „Pandemie“ in Tansania unmittelbar danach für beendet erklärte.

Es ist kein Wunder, daß John Mafuguli von der Springer-Zeitung „Welt“ im August 2020 zum „Bolsonaro Afrikas“ erklärt wurde. Bolsonaro ist brasilianischer Präsident und eine der Lieblings-Haßfiguren der deutschen Presse. „Die Politik von Tansanias Präsident John Magufuli gilt als die verrückteste der Welt.„, hieß es in der „konservativen“ Tageszeitung aus Deutschland, dem verrücktesten Land der Welt. Weswegen meinemeinen auch völlig egal ist, wessen Politik im verrücktesten Land der Welt als die verrückteste „gilt“. Daß irgendetwas unwidersprochen zu gelten habe, hat meinereiner sein ganzes Leben lang ohnehin noch nie gefressen. Zuhören, merken, ggfs. „in der Zwischenablage speichern“, um später darauf zurückzugreifen – so geht man vernünftigerweise mit Informationen um, für die es keine unmittelbare Verwendung gibt. Das heißt, eigentlich gäbe es ja eine, was die Titulierung Mafagulis als „Bolsonaro Afrikas“ angeht. Sie ist wie das Teil eines Puzzles, bei dem im Verlauf seiner Fertigstellung bereits abzusehen ist, daß am Ende ein völlig irres Bild zu sehen sein wird. Setzen „wir“ also zusammen und stellen fest, daß es sich um ein deutsches Feindbild handelt, bei dem die anderen Puzzleteile Trump, Putin, Orban, Salvini, Bolsonaro usw.usf. heißen – und halten „wir“ fest, daß wir das Puzzle im verrücktesten Land der Welt zusammengesetzt haben, so verrückt, daß ausgerechnet die Kanzlerin dieses Landes als „völlig normal“ gilt.

Alsdann stellen wir eine Wahrscheinlichkeitsbetrachtung an und fragen „uns“, ob es wirklich sein kann, daß alle verrückt sind außer der Kanzlerin des verrücktesten Landes der Welt. Das verneinen „wir“ und suchen in der Zwischenablage nach weiteren Indizien, die unsere Verneinung rechtfertigen könnten. „Wir“ werden fündig. Irgendwann im Verlauf des vergangenen Jahres hatten „wir“ uns nämlich gemerkt, daß sowohl der weißrussische Diktator Lukaschenko als auch der Präsident von Madagaskar behauptet hatten, es seien ihnen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) bis zu 900 Millionen Dollar dafür angeboten worden, in ihren Ländern Lockdown und Maskenzwang zu verfügen, was beide jedoch abgelehnt hätten. Zwar kann es sein, daß Lukaschenko tatsächlich ein Diktator ist, obwohl er eigentlich Präsident sein sollte, aber „wir“ vergessen darüber nicht, daß „wir“ die Zuschreibung „Diktator“ in der Presse des verrücktesten Landes der Welt gelesen hatten, weswegen „wir“ sie auch nur unter Vorbehalt übernehmen. Ein Präsident, der lediglich ganz genau weiß, was er will und was er nicht will, muß nicht zwingend bereits ein „Diktator“ sein. Wäre es anders, wäre nämlich die Frage gerechtfertigt, ob ausgerechnet das verrückteste Land der Welt von einer „Bundeskanzlerin“ regiert wird. Wer allerdings im verrücktesten Land der Welt eine derartig unbotmäßige Frage aufwerfen würde, hätte sämtliche „Vernünftigen“ dieses Landes gegen sich. Weswegen es tatsächlich vernünftig ist, sich auf die Metaebene zu begeben, um lediglich darüber zu spekulieren, ob die Antwort auf eine solche Frage im verrücktesten Land der Welt etwas Vernünftiges transportieren könnte. Nicht zu bestreiten ist jedenfalls, daß höchste Aufmerksamkeit geboten ist, wenn es in einer „konservativen“ Tageszeitung aus dem verrücktsten Land der Welt heißt, es sei ein ganz anderes Land als das eigene, in dem die „verrückteste Politik der Welt“ stattfindet. Vor allem dann, wenn es heißt, daß das „gilt“. Denkbar ist nämlich, daß solches bloß wieder von irgendwelchen „Expert:innen“ behauptet worden ist. Im verrücktesten Land der Welt wimmelt es nämlich nur so vor lauter „Expert:innen“.

Die verlorenen Nerven der Angela Merkel

Eine „interne Schalte“ sei es gewesen, eine Videokonferenz also, in welcher offenbar wurde, daß die Kanzlerin (?) die Nerven verloren habe, hieß es in der NZZ. Und daß das ein guter Grund für einen Rücktritt sei, wenn-ja-wenn sie die Nerven nicht in einer „internen Schalte“, sondern in der Öffentlichkeit verloren hätte. Bei der NZZ scheint es inzwischen ebenfalls vor „Expert:innen“ nur so zu wimmeln. Wenn die Kanzlerin die Nerven verloren hat, und wenn das ein Rücktrittsgrund wäre, dann hinge das wohl schwerlich davon ab, wo die Kanzlerin (?) die Nerven verloren hat, sondern ausschlaggebend wäre, daß sie die Nerven verloren hat. Ja, oder nicht, „NZZ“?

Auf alle Fälle, so in der „NZZ“ weiter, sei der Ton zwischen den Politikern und der Bevölkerung deutlich ruppiger geworden. Spahn und Söder seien sogar dabei ertappt worden, wie sie sich aus der Verantwortung stehlen wollten, indem sie das „Regierungsversagen in der Krise“ auf die Bevölkerung abzuwälzten. Der Bürger habe es am rechten Verantwortungsbewußtsein mangeln lassen, sei das gemeinsame „Narrativ“ der beiden. Es scheint also nicht nur die Kanzlerin (?) zu sein, welche ihrer Nerven verlustig gegangen ist. Aber ist es wirklich deswegen so, weil der Regierung „das Ding entglitten“ ist? Allgemein ist es eher unüblich, daß man von einem entglittenen Ding redet, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. In solchen Fällen wäre einem nämlich nicht „das Ding entglitten“, sondern man hätte einfach die Kontrolle über eine Lüge oder ein ganzes Lügengebäude verloren. „Ding entglitten“ wäre dann ein wahrhaft schändlicher Euphemismus. Die Wahrheit komme früher oder später immer ans Licht, heißt es in einer alten Volksweisheit, wahlweise auch, daß an der Wahrheit kein Weg vorbei führe. Außerdem ist es eine alte Volksweisheit, daß Lügen kurze Beine haben. Wie bitte? Vor Ihrem geistigen Auge sehen Sie die Kanzlerin (?) zum Rednerpult watscheln? Mein lieber Mann, Sie haben ja Assoziationen.

Es wäre nur zu verständlich, wenn Sie oder ich für den Fall, daß wir Kanzlerin wären, die Nerven verlieren würden, wenn wir die neuesten Zahlen zur allgemeinen Mortalitätsrate im verrücktesten Land der Welt zur Kenntnis nehmen müssten, und nur, um festzustellen, daß bei alem Wüten von Virus und Regierung auch für das Jahr 2020 keine so signifikante Veränderung zu konstatieren ist, als daß sie den Ruin abertausender wirtschaftlicher Existenzen und die Einkassierung von Grundrechten rechtfertigen würde. Die Mortalitätsrate für das Jahr 2020 liegt ganz normal im langjährigen Durchschnitt. Auch das Durchschnittsalter der „an oder mit Corona“ Verstorbenen liegt gleichauf mit der durchschnittlichen Lebenserwartung laut Statistik. Wenn Ihnen oder mir aber noch während der Kenntnisnahme der neuesten Zahlen plötzlich das Wort „Verhältnismäßigkeit“ einfiele, ganz ehrlich: Würden wir dann nicht auch unsere Nerven verlieren? – Doch, würden wir. Und warum? Weil uns schlagartig die Möglichkeit vor Augen stünde, daß wir im verrücktesten Land der Welt die Allerverrücktesten sein könnten. Das allerdings nur, wenn wir von allem Anfang an die Existenz einer mordsgefährlichen Pandemie als wahr vorausgesetzt hätten. Hätten wir aber nicht. Und jede Wette: Die Kanzlerin (?) auch nicht.

Wenn wir Kanzlerin wären, würden wir die Nerven verlieren, weil uns ein ganz anderes „Ding entglitten“ wäre. Das „Ding“: Uns würde klargeworden sein, daß uns die Kontrolle über ein Instrument zur Durchsetzung einer völlig virenfremden Agenda entglitten ist. Wir würden deswegen die Nerven verloren haben, weil uns klar geworden wäre, daß uns das Instrument zur Etablierung einer Neuen Weltordnung per Great Reset kaputt gehen wird, noch bevor die Arbeit erledigt ist, zu deren Durchführung wir das Instrument dringend gebraucht hätten. Auch wir würden in unserer Verzweiflung laut „Mutation, Mutation!“ rufen und dabei hoffen, daß niemand zurückruft: „Mutationen sind bei Viren völlig normal und bedeuten keinesfalls zwingend, daß davon irgendetwas gefährlicher wird. Mutationen können auch Mutationen zur Harmlosigkeit sein!“. Und weil wir einfach Pech haben, so, wie uns „das Ding“ entgleitet, ruft pfeilgerade irgendeiner genau das. Schon sind sie futsch, unsere Nerven. Wenn wir Glück im Unglück haben, findet sich irgendwo eine Zeitung, die uns insofern beispringt, als daß sie ihren Lesern weismacht, wichtig sei nicht, daß wir die Nerven verloren haben, sondern wo wir sie verloren haben. In einer „internen Schalte“ zum Beispiel. Das wäre allerdings nur ein sehr kurzzeitiges Glück im Unglück, weil wir uns wenig später trotzdem fühlen würden, als habe uns die „Virusarmee Wenck“ im Stich gelassen.

Das Problem mit dem Größenwahnsinn

Das Problem mit den utopistischen und progressistischen Weltenzerdenkern ist, daß sie glauben, sie könnten alles tun, was sie sich zuvor ausgedacht haben. Es ist ihnen nicht klarzumachen, daß die menschlichen Grenzen nicht in dem liegen, was man sich ausdenken kann, sondern in dem, was der Mensch seiner Kreatürlichkeit nach ist. In unschöner Regelmäßigkeit führt dieser progressistische Wahnsinn – ganz besonders im verrücktesten Land der Welt – dazu, daß sich die Progressisten in Positionen versteigen, von denen sie schadlos nie wieder herunterkommen. Einem Konservativen würde so etwas nicht passieren. Der rechnet immer mit der Möglichkeit, sich zu irren – und agiert deswegen entsprechend vorsichtig. So betrachtet ist der ganze Coronahype in seiner zielgerichteten Verlogenheit nichts weiter, als die Fortsetzung des Globalmenschlichkeitsschnacks und des Weltklimarettungsschnacks vermittels eines verschärften Narrativs. Der Coronahype ist nichts weiter, als fester zugedrehte Daumenschrauben. Sind die Daumen zerquetscht, die Schrauben am Anschlag – und der Delinquent noch immer nicht geständnisbereit, dann verliert der Folterknecht eben die Nerven. Spaßeshalber kann man dann fragen, wo er sie verloren hat. Neben der Daumenschraube. Im verrücktesten Folterkeller der Welt. Warum verliert er sie? Weil er unbedingt ein Geständnis hätte abliefern müssen bei seinen Herren. Liefert er keines ab, geht es ihm selbst an den Kragen.

Wären Sie oder ich Kanzlerin (?) oder Auftragsfolterknecht, dann würden wir auch die Nerven verlieren, stimmt´s? Sind wir aber nicht. Wir werden uns eines Tages an den entnervten Folterknechten im verrücktesten Land der Welt schadlos halten und uns darüber freuen, daß die Wahrheit immer ans Licht kommt. Die Wahrheit: Keine gefährliche Pandemie – keine Kanzlerin. Deswegen „gilt“: Die Pandemie ist ein Muß. Wer die Pandemie in Frage stellt, reitet einen Angriff auf die Kanzlerschaft von Angela Merkel und muß deshalb nach Kräften diffamiert, ausgegrenzt und lächerlich gemacht werden. Für Angela Merkel, Spahn, Söder, die ganze GroKo, die formale Opposition, „die Wissenschaft“, sowie den größten Teil der Mainstream-Medien gilt da ein spezielles Merkeldiktum: „Das ist alternativlos“. Daß es alternativlos ist, dafür haben die Herrschaften alerdings selbst gesorgt. Wenn sie nicht mehr so ohne weiteres durchkommen damit, dann verlieren sie logischerweise die Nerven. Hoch lebe John Mafaguli, der tansanische Präsident.