Antigen-Schnelltests: Ob Cola oder Abstrich, Hauptsache positiv…

Corona-Schnelltest (Foto:Imago/EibnerEuropa)

Für großes Aufsehen sorgte vor knapp zwei Monaten der österreichische FPÖ-Abgeordnete Michael Schnedlitz, als er im Wiener Parlament auf dem Rednerpult demonstrierte, wie ein von ihm mitgebrachter, zugelassener und zertifizierter Antigen-Schnelltest auf Cola reagierte, das er vor dem versammelten Plenum auf den Teststreifen träufelte: Kaum war Schnedlitz‘ Redezeit vorbei, war der Test positiv. Der Fall bewies, wie extrem unsicherheitsbehaftet das Verfahren ist.

Was eigentlich ein handfester Skandal sein sollte, der obligat eine sofortige Verfeinerung oder Nachbesserung des Antigen-Schnelltestverfahrens nach sich ziehen müsste, wurde geflissentlich totgeschwiegen und ins Lächerliche gezogen, als angebliche populistische Show des FPÖ-Politikers. Schlimmer noch: Selbst in Fachmedien und Webplattformen wird die abenteuerliche Unzuverlässigkeit eines Tests, der auf ein paar Tropfen Cola positiv ausschlägt, noch als völlig normales Phänomen verharmlost. „Cola verfälscht Ergebnis von Antigentest: Die Erklärung dahinter ist einfache Chemie„, erklärt jetzt etwa „Fitbook.de„. Das Fitness- und Gesundheitsportal führt weiter aus: „Und sie erschließt sich auch dem Laien, wenn er die Wirkweise von Antigen- im Gegensatz zu der von PCR-Tests kennt. Anders als die im Labor durchgeführten PCR-Tests, die auf das Erbmaterial des Erregers SARS-CoV-2 ausschlagen, spüren Antigentests dessen Eiweißstrukturen auf. Der Test gilt als positiv – und eine Infektion somit als zumindest wahrscheinlich –, wenn im Abstrich entsprechende Eiweißstrukturen enthalten sind.

Also alles ganz normal? Natürlich nicht. Denn noch nie wurden von Testergebnissen so weitreichende Freiheitseinschränkungen abhängig gemacht. Und wenn diese Test dann unpräziser sind als Bauernweisheiten oder Experimente eines Chemiebaukastens für Vorschüler, dann ist der Zeitpunkt gekommen, das gesamte System der Testungen und Pandemieprävention in Frage zu stellen. Erst recht, weil das Schnelltestverfahren in den kommenden Monaten nicht nur auf tagtäglich millionenfache Nutzung weiter ausgeweitet werden soll, sondern von ihm bekanntlich die Rückgewinnung einer zumindest bescheidenen Normalität für „Negative“ abhängen soll.

Hokuspokus mit zweifelhafter Aussagekraft?

Da vor allem in Kliniken und Seniorenheimen Besucher und Mitarbeiter regelmäßig den Antigentests unterzogen werden, bevor sie Einlass erhalten, wäre allerdings eine hinreichende Testgenauigkeit das A und O; alleine schon zum unbedingten Schutz der Hochbetagten und Vorerkrankten. Die Verpaarung von Aktionismus und Leichtsinn macht hier wieder einmal sprachlos – gerade im Umgang mit denen, deren Leben in dieser Pandemie doch angeblich so viel zählt, dass die Komplettabwürgung ganzer Volkswirtschaften inklusive Inkaufnahme unabsehbarer gesundheitlicher Kollateralschaden kein zu hoher Preis dafür sei.

Schlimmer noch: Jeder positive Schnelltest führt derzeit – jedenfalls in Deutschland und auch Österreich – zwingend zu einem PCR-Nachtest. Indem die Antigentests nun ihrer bisherigen Ärztebindung enthoben wurden und Jens Spahn per Verordnung den Weg zu deren völlig ungehinderten, freien Handel ebnete (einhergehend mit der vielmillionenfachen Ausweitung der Anwendungen im Alltag), wird zwangsläufig ein Anstieg der Fallzahlen und somit „Neuinfektionen“ einhergehen – womit die „Inzidenzschwellen“ als Voraussetzung der Lockdown-Beendigung in immer weitere Ferne rücken werden. (DM)