Klapse Deutschland: Jetzt sind auch Thomas Gottschalk und Janine Kunze „Alltagsrassisten“

Buntland ahoi (Symbolbild: shutterstock.com/Von Anatoliy Karlyuk)

Der immer penetranter ausgreifende Gesinnungsterror ebnet hierzulande sogar die Veteranen der deutschen Unterhaltungskultur ein: Inzwischen wird schon ein völlig banaler Meinungsaustausch in einer WDR-Plauderrunde über gesellschaftliche Streitthemen aufgebauscht zum Skandal, nur weil dauerscharfgeschaltete Wächter der „woken“ Political Correctness darin vermeintliche No-Gos und „Ausfälle“ detektiert haben wollen. Jetzt traf es neben Janine Kunze sogar den Show-Dinosaurier Thomas Gottschalk.

Diskussionen, in denen sich der gesunde Menschenverstand noch artikulieren darf, ohne dass sich die Teilnehmer andauernd auf die Zunge beißen und die „Schere im Kopf“ beachten müssen, damit ihnen ja nicht kompromittierte Begriffe über die Lippen gehen,   die noch vor wenigen Jahren niemanden aufgeregt und gestört hätten: Heutzutage sind sie kaum noch denkbar. Und wenn sich dann doch einmal jemand – und sei es nur aus einer emotionalen Situation oder einem selbstbewusstem Trotz heraus – unbefangen äußert und so in jenes Minenfeld begibt, wo das Gesagte nicht länger das Gemeinte sein darf, sondern stets und zwingend nur das von neuen Sprachinquisitoren Hineininterpretierte, dann ist Feuer unterm Dach.

Im Fall des „Alltagsrassismus“-Wahns verschieben sich die puritanischen Maßstäbe anscheinend derart schnell, dass nun schon zwei Monate für eine Neubewertung im Echo der Dauerempörten genügen: Diese kurze Zeitspanne nämlich lag zwischen der Erstausstrahlung der WDR-Fernsehsendung „Die letzte Instanz“ vom 30. November 2020 und ihrer Wiederholung am letzten Freitag. In der von Steffen Hallaschka moderierten Talkrunde hatten neben Thomas Gottschalk auch Giganten des „neuen deutschen Seichttums“ wie Micky Beisenherz, Janine Kunze oder Jürgen Milski über gesellschaftlichen Bewusstseinswandel diskutiert – unter anderem auch existenzielle Fragen wie diese: „Das Ende der Zigeunersauce: Ein notwendiger Schritt?„.

Anders als Ende November, als die social-media-basierten Vertreter der Salon-Migrantifa hieran noch keinen Anstoß genommen hatten, ergoss sich diesmal, nach der nochmaligen Ausstrahlung, ein hysterischer Shitstorm. Am Pranger standen vor allem Kunze und Beisenherz – für ihre absolut harmlose, legitime und urnormale Sicht, dass man in den überlieferten Sprachgebrauch etwa im Fall der Zigeunersauce eben nicht soviel hineininterpretieren sollte (die übrigens nicht nur von Millionen Menschen ohne irgendwelche diskriminierenden Hintergedanken geteilt wird, sondern von vielen als geradezu wohltuende und überfällige Abgrenzung von Denkverboten sowie ehrenrührigen Dauerunterstellungen goutiert wurde).

Eifrige Kulturbolschewisten

Doch prompt brach sich der Ungeist eines zunehmend linksradikalen neo-rotgardistischen Scherbengerichts in den Sozialen Medien Bahn, nachdem er sich gerade noch über „Rassismus“-Skandale im Fußball wie etwa eine unbeherrschte Scheiß-Afghane„-Äußerung auf dem Platz oder Marcel Reifs launigen Soupcon von „Jungtürken“ ereifert hatte, und machte seine hochneurotische Empörung nunmehr nicht nur am Umstand fest, dass in Hallaschkas WDR-Runde „ausschließlich weiße Gäste“ eingeladen waren,  sondern vor allem an deren als „rassistisch“ vermaledeiten Äußerungen.

Zu anonymen kulturbolschewistischen Anklägern aus den Tiefen des Netzes und bunten Naserümpfern der profilierungsgeilen Haltungsfraktion wie Aminata Touré, Düzen Tekkal oder Sarah Bosetti gesellten sich an vorderster sogleich Front jene, die schon im letzten Sommer die weltweite Plündern- und Zerstörungsorgien nach dem ungeklärten Tod eines schwarzen Kriminellen in Minneapolis als antirassistische Götterdämmerung gefeiert hatten – etwa Vertreter der „Seebrücke“ oder auch die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken, die auf Twitter mit geheucheltem Entsetzen kommentierte: Ihr fehlten die Worte, das sei „nur noch zum Schämen„.

Und auch der beliebteste Entertainer der Republik fand sich am Pranger wieder: Dass Gottschalk launig bekannte, auf einer Kostümparty in L.A. einst als Jimi Hendrix aufgetreten zu sein und sich so „wie ein Schwarzer gefühlt“ zu haben, wird nun – in Ermangelung realer Beispiele für definitionsgemäßen „Rassismus“ – zum Beweis für „Alltagsrassismus“ hingebogen. Projektion und Übertragung in Reinstform. Es ist ein Fest für Psychologen.

„Selbstkritik“ und Blitzscham

Der paranoide Shitstorm auf Twitter und Facebook ist dabei noch nicht einmal das Problem: in einer gesunden, meinungspluralen und toleranten Gesellschaft dürfte dieser ebensowenig Beachtung finden die primitiven Reaktionen auf Reifs oben erwähnte Äußerungen bei Sport 1 vor zwei Wochen, als selbiger von geistigen Gesinnungshooligans als „rassistisches Kackschwein“ tituliert worden war.

Neu ist jedoch seit Black Lives Matter die prompte Bereitschaft der Medien wie auch der Socialmedia-Portale, sich dem jakobinischen Antifa-Antira-Terror zu beugen – ob durch komplettes De-Platform schädlicher Zeitgenossen (selbst wenn es sich um den US-Präsidenten handelt) oder durch tätige Reue und Mea-Culpa-Gesten. So „entschuldigte“ sich der WDR – wie damals auch Sport 1 –  prompt auf Twitter und schrieb über die inkriminierte Sendung: „Bei so einem sensiblen Thema hätten unbedingt auch Menschen mitdiskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und/oder direkt betroffen sind„. Laut „Bild“ erklärte eine WDR-Sprecherin gegenüber der dpa: „Daraus haben wir in jedem Fall gelernt.

Und noch eilfertiger ist die unsouveräne Einschüchterung der vermeintlich überführten Angeklagten, sofort zu Kreuze zu kriechen und Mea Culpa zu rufen – Asche auf unser Haupt, wir bekennen und bereuen! Anders als Gottschalk (der sich soviel Rückgrat positionell und altersbedingt erlauben kann) knickten Kunze und Beisenherz prompt ein.  Wohl um einem drohenden De-Facto-Berufsverbot oder künstlerischem Auftragsentzug durch das Wächterkartell vorzubeugen, bot Kunze auf Instagram sogleich eine servile „Entschuldigung“ für ihre Wortwahl dar.

Tätige Reue der Angeklagten

Sie schrieb dort: „Ich habe den ganzen Tag darüber nachgedacht, die richtigen Worte zu finden in Bezug auf das, was ich in der Sendung gesagt habe und wie sich diejenigen fühlen, die ich damit verletzt habe. Es tut mir unendlich leid und ich habe festgestellt, dass ich nicht ausreichend aufgeklärt bin. Mir ist klar geworden, dass ich Menschen, insbesondere die der Sinti und Roma Community, mit meinen unbedachten Äußerungen zutiefst verletzt, als auch diskriminiert habe und dafür möchte ich mich nochmals aufrichtig entschuldigen.“ Sie werde „künftig ihre Wortwahl überdenken„. Wenig später widerrief auch Beisenherz und schämte sich öffentlich, dass er bei „problematischen Aussagen“ nicht vehementer reagiert hätte: „Das habe ich verstanden und das nehme ich mit fürs nächste Mal.

Um toxische Meinungsverbrecher zur Selbstkorrektur zu bewegen und ihren Geist zu brechen, waren in früheren Menschheitsparadiesen noch Folter und ein paar Jahre Umerziehungslager notwendig. Im besten Deutschland aller Zeiten folgt die tätige Reue ganz von selbst und wie aus der Pistole geschossen; wegen Zigeunerschnitzel und Zigeunersauce, wohlgemerkt. Peinlich oder besorgniserregend war zu keinem Zeitpunkt, was Kunze und Beisenherz in der Sendung sagten. Peinlich hingegen ist ihr reflexartiger Kniefall vor dem unerbittlichen Zeitgeist.

Und wer da allen Ernstes glaubt, es ginge hier tatsächlich um soziokulturelle Abgründe eines neuen „Rassismus“, und nicht um Sprech- und Denkverbote einer zunehmend totalitäreren Cancel-Culture: Wir hören uns wieder, wenn beim nächsten Mal von „Scheißdeutschen“, „Almans“, „Kartoffeln“ und „alten weißen Männern“ die Rede ist – in den Feuilletons der „taz“, bei Demonstrationen unter Grünen-Beteiligung, auf der Kölner Domplatte oder in „Tatort“-Episoden. Dann natürlich ganz ohne veröffentlichte Empörung mit anschließenden Entschuldigungsorgien, Canossagängen und reuiger Selbstkritik im Büßergewand, versteht sich. (DM)