Die Stimmung kippt: Erstmalig Mehrheit der Deutschen gegen die Corona-Politik

Corona-Demo in Berlin 2020 (Bild: shutterstock.com/Von Berit Kessler)

In der deutschen Gesellschaft brodelt es an allen Ecken und Enden, immer mehr Unmut äußert sich in der Breite. Der unorganisierte „Graswurzel-Protest“, ohne als Teil von kompromittierungsfähigen Initiativen oder Bündnissen à la „Querdenker“ oder „Ärzte für Aufklärung“ erweist sich für die Corona-Politik als deutlich bedrohlicher, weil authentische, spontane Frustrationsbekundungen konkret betroffener Bürger es zunehmend auch in die etablierten Medien schaffen.

Das Video einer verzweifelten Friseurin aus Dortmund, die nach einem Jobcenter-Gespräch auf ihre prekäre Lage aufmerksam machte, schoss vergangene Woche durch alle Kanäle und ging so schnell viral, dass sich sogar Merkels Adlatus, Kanzleramtsminister Helge Braun, zu einer Stellungnahme gezwungen sah und Mitgefühl heuchelte – womit er, der hochrote Minister und auf Steuerzahlerkosten krisenfest alimentierte Spitzenverdiener, zwar alles nur noch schlimmer machte, aber immerhin eine sublime Nervosität auch der Politik offenlegte. Bei Brauns empathieloser Dienstherrin ist diese zwar noch nicht angekommen, doch so mancher im politischen Berlin scheint zu wittern, dass bald das Ende der Fahnenstange in Sachen Zumutung erreicht sein könnte.

In Berlin machte der NHO-Arzt Dr. Josef Thoma mit einem vielbeachteten Video seinem Zorn Luft. Dem Mediziner war angesichts der fortgesetzten Lockdown-Maßnahmen, der PCR-Testpraxis und der unzulänglichen Impfstoff-Aufklärung der Kragen geplatzt. Eine Pressekonferenz der Kreishandwerkerschaft in Augsburg geriet am Freitag zu einer regelrechten Wut- und Anklagerede gegen die Corona-Politik der Bundesregierung und speziell der bayerischen Staatsregierung unter Markus Söder, als Kreishandwerksmeister Robert Höck zum Rundumschlag ausholte und schonungslos die Situation der Betriebe in seinem Bezirk offenlegte. Und selbst SAT.1-Moderatorin Marlene Lufen, eines der beliebtesten Fernsehgesichter Deutschlands mit riesiger Fanbase, lehnte sich mit einer deutlichen und ehrlichen Botschaft auf Facebook erfreulich weit aus dem Fenster, indem sie die Corona-Zahlen und „Fakten“ in Bezug setzte und so die Absurdität dieser sogenannten Pandemie auf den Punkt brachte; hoffentlich wird Lufen demnächst nicht stummgeschaltet oder – à la „Wendler-Style“ – verpixelt. Dasselbe Los könnte übrigens auch RTL-„Superhändler“ Antoine Richard („4 Räume, 1 Deal„) drohen, der sich auf Instagram und Facebook ebenfalls wiederholt als Maßnahmenkritiker und Freiheitsverfechter (Eigenschaften, die in einer Demokratie eigentlich selbstverständlich sein müssten, heute jedoch unter Generalverdacht stehen) „geoutet“ hatte.

Immer mehr Menschen verlieren die Geduld

Immer deutlicher richten auch manche „Leitmedien“ ihren Focus mittlerweile auch auf die Schicksale von Berufsgruppen, die am Ende ihrer Leidensfähigkeit angelangt sind und für die die einstige Revolutionsparole „Freiheit oder Tod“ ganz wörtlich zu verstehen ist, angesichts vieler Selbstmorde und beruflicher Existenzvernichtungen. Die „Welt“ berichtete gestern darüber, wie viele Künstler inzwischen daran denken, ihren Beruf aufzugeben. Da etliche selbstständige Künstler und Kreative durchs Corona-Hilfsnetz fallen, ist die Situation inzwischen auch bei jenen mehr als ernst, die seit Jahrzehnten in der Szene etabliert sind.

All diese Einzelstimmen und ausschnittsweisen Berichte zum Stimmungsbild der breiten Gesellschaft verdichten sich zu einem Gesamteindruck – ein Hoffnungsschimmer für die Normaldenkenden, die sich nicht von einer beispiellosen und objektiv völlig inadäquaten Angstpropaganda ins Bockshorn jagen lassen, aber äußerst explosiv und potenziell verhängnisvoll für die arroganten, selbstherrlichen Autoritäten, die unter dem Vorwand eines angemaßten Lebens- und Bevölkerungsschutzes ein ganzes Land kaputtschlagen. Bisher konnten sie sich dabei auf die Zustimmung einer komfortablen Bevölkerungsmehrheit stützen, die ihnen tapfer die Treue hielt.

Doch diese Zeiten sind neuerdings auch vorbei – auch wenn darüber von der Durchhaltepresse bzw. den öffentlich-rechtlichen Sendern bislang nichts zu lesen und hören ist: Eine nachgerade sensationelle Umfrage, die der Journalist Boris Reitschuster für sein freies Medienportal beim etablierten Meinungsforschungsinstitut INSA in Auftrag gegeben hatte, erbrachte den jetzt den Nachweis, dass die Stimmungslage der Deutschen in Sachen Corona-Politik definitiv gekippt ist: Erstmals seit März sind mehr Menschen mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung unzufrieden als zufrieden. Wie Reitschuster schreibt, wurden hierfür am Wochenende bundesweit mehr als 2.000 repräsentativ ausgewählte Menschen in allen Bundesländern per Telefon und Online befragt.

Rasanter Vertrauensverlust und ungute Dynamik

Laut INSA/Reitschuster sind demnach 42 Prozent der Befragten mit dem Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung „im Großen und Ganzen zufrieden“, doch 45 Prozent geben an, nicht zufrieden zu sein. Eine deutliche Veränderung gegenüber den Zustimmungswerten im ersten Lockdown, die bei deutlich über 60 Prozent lag und lange stabil blieb – und die Fortsetzung eines Trends seit Beginn des zweiten Lockdowns im November, der seitdem sinkende Zustimmungswerte verzeichnet. Erstmals sind mehr Deutsche unzufrieden als zufrieden mit dem Handeln der Bundesregierung, wobei auch diese Umfrage wieder die Dominanz der älteren Bevölkerungsschichten zeigt: Tendenziell sind Rentner und Hochbetagte zufriedener mit der Politik als jüngere Aktivbevölkerung.

Da es sich nur um eine Zwischenbetrachtung eines eindeutigen Bemerkenswert handelt, sollten die Corona-Führer hierzulande die Umfrage sehr, sehr ernst nehmen – zeugt sie doch von einem beispiellosen Vertrauensverlust in die politischen Eliten. Reitschuster verweist auf die Dynamik, mit der die Unzufriedenheit wächst, und rät eindringlich: „Die Regierungen sollten sich da ihre Gedanken machen.“ Es könne hier zu Prozessen kommen, die unvorhersehbar sind, und die „sehr gefährlich werden nicht nur für die Verantwortlichen, sondern auch für die Demokratie und die Gesellschaft insgesamt.“ Darauf weist auch Jouwatch schon seit längerer Zeit hin: Irgendwann wird gar die Gefahr eines Volksaufstandes real. Wenn man sich allerdings Merkels Aussagen nach dem gestrigen Impfgipfel zu Gemüte führt, scheint in der Wagenburg des Kanzleramts hierfür schlicht kein Problembewusstsein vorhanden zu sein. (DM)