Geheule wegen „Überlastung“ zahlt sich aus: Schon 13 Milliarden Euro für deutsche Kliniken dank Corona

Der Dauer-Ohrwurm der systemischen Dauerüberlastung deutscher Kliniken und Krankenhaus begleitet uns seit Monaten ebenso zuverlässig und monoton wie die tägliche Vermeidung der aktuellen „Corona-Charts“. Bald kein Tag, an dem nicht Ärztefunktionäre, Klinikverantwortliche und in Stellung gebrachtes Pflegepersonal medienwirksam klagen, so schlimm sei es noch nie gewesen und es sei kein Licht am Ende des Tunnels erkennbar.

Zu einem nicht unerheblichen Teil handelt es sich dabei tatsächlich eher um ein taktisches Gejammer – das es übrigens auch schon lange vor Corona gab, damals allerdings weder öffentliches Interesse noch Nachrichtenwert hatte (so wie auch Belegungszahlen der Intensivstationen oder Grippe-, MRNA- oder Lungenentzündungstodesfälle in Krankenhäusern). Schon Jahre vor der Corona-Krise gehörten die Überlastungsszenarien des Klinik- und Pflegepersonals zum Grundrauschen einer öffentlich kaum beachteten Gesundheitsdebatte – etwa galt ein Drittel der Pfleger schon 2014 als „Burn-Out-“ gefährdet.

Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man die Klagen und Erlebnisschilderungen der Intensivpfleger hört. Nichts gegen ihren unbestreitbaren und dankenswerten Einsatz; doch hätte man sie vor Corona in den belebungsintensiveren Wintermonaten interviewt, hätte sich ihre drastische Lagebewertung wohl keinen Deut anders angehört. Und tatsächlich lag hier wohl soviel im Argen, dass es den betreffenden Berufsgruppen die Pandemie verständlicherweise wie gerufen kam, auf ihren Unmut aufmerksam zu machen – auch wenn dies um den Preis geschieht, dass Corona auch hier wieder dramatisiert und als gefährlicher verkauft wird, als es tatsächlich ist, damit der Öffentlichkeit lang bekannte Missstände als Krise infolge der Pandemie vermittelt werden können.

Die wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser, die längst als Profit-Center geführt werden und zum kostendeckenden Wirtschaften angewiesen sind, was (zumal angesichts klammer Kassen der oft kommunalen Träger) mit Spardruck und notorischer Mittelknappheit einhergeht, dürfte bei der Corona-Situationseinschätzung der Kliniken ebenfalls nicht ausgeblendet werden – weil diese kaum objektiv ist. Hohe Freihaltepauschalen für Corona-Betten und diverse sonstige Fehlanreize, die etwa zur vermehrten Verlegung auch überhaupt nicht intensivpflichtiger Patienten auf die ITS führten, hätten von Beginn an bei der Betrachtung der hospitalisierten Fälle berücksichtigt werden müssen, statt sie unkritisch als Alarmzeichen einer angeblichen Giga-Krise zu gewichten, die, trotz punktueller Belastungsspitzen, objektiv schlicht gar nicht existierte bzw. existiert.

„Goldgräberstimmung“ muss aufrechterhalten werden 

Das Motiv für diese zusätzliche Aufbauschung der Krise ist, wie so oft, materieller Natur und man kann es den Kliniken nicht einmal verdenken. Welche riesigen Summen der deutsche Staat seit Beginn der Pandemie, in gerade einmal rund 10 Monaten, an die Krankenhäuser im Land überwiesen hat, legte jetzt der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen offen: Knapp 13 Milliarden Euro flossen hier sein März 2020, um Betten für die Behandlung von Covid-19-Erkrankten frei zu halten und die „Folgen der Pandemie abzufedern„.

In seinem Magazin „90 Prozent“ schreibt der Verband laut „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, elf Milliarden Euro seien für Freihaltepauschalen aus dem Bundeshaushalt an die Kliniken geflossen (entsprechend rund einer Milliarde Euro pro Monat); aus Mitteln der Krankenversicherung seien zudem 685 Millionen Euro für die Schaffung neuer Intensivbetten zur Verfügung gestellt worden, und weitere 1,3 Milliarden Euro hätten die Kassen seit Herbst 2020 als Ausgleich für entgangene Einnahmen an die Krankenhäuser gezahlt.

Macht einen Gesamtbetrag von 12,985 Milliarden Euro – und diese astronomische Summe erklärt die „Goldgräberstimmung“ der Kliniken, die zur Aufrechterhaltung von Panik und damit öffentlichem Geldregen weiterhin kräftig ins Horn der Katastrophenbeschwörung stoßen. Dazu gehört auch die regelmäßige Klage von Klinikverwaltungen wie auch -belegschaften über angeblich „zu geringe Unterstützung“ in der Zeit der Pandemie. Die letzten Tage übrigens wieder besonders laut – was nicht überrascht: Heute tagt erneut der Expertenbeirat des Bundesgesundheitsministeriums, der sich mit Corona-Finanzhilfen für die Kliniken beschäftigt. Es stehen wieder neue Ausschüttungen an. (DM)