Deutsches Liedgut als Corona-Treiber: Das völkische Virus?

Symbolfoto: Von Pack-Shot/Shutterstock

Wird jetzt Corona auch noch als Instrument der weiteren Traditions- und Identitätszersetzung missbraucht? Nicht genug, dass das Sprechen im öffentlichen Raum  – trotz Maske! – mancherorts bereits verpönt ist und als „Ansteckungsrisiko“ gilt, wird jetzt auch noch das deutsche Liedgut als Pandemietreiber identifiziert: Vor allem deutsche Lieder sollen laut einer absurden Studie aus Japan ein hohes Risiko bergen, beim Singen besonders viele Erreger freizusetzen. Die antideutsche Konsensgemeinschaft der Eliten dürfte diese Erkenntnisse mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen.

In einem Staat, wo geflochtene Zöpfe, normal gekleidete, pünktliche, höfliche und fleißige biodeutsche Kinder in Kitas ihre Erzieher und Lehrer bereits Anlass zu erhöhter Wachsamkeit geben sollen, weil all diese Hinweise den Anfangsverdacht „völkischer“ oder „rechtsextremer“ Gesinnung des Elternhauses begründen könnten, wird natürlich jede Gelegenheit dankbar aufgegriffen, auch die letzten Ausprägungen des reichen kulturellen Erbes schleifen und abschaffen zu können. Während dies im soziokulturellen Raum bereits durch Cancel-Culture und eine immer aggressivere Identitätspolitik per Zweckmigration erfolgt, bietet nun auch noch Corona einen zusätzlichen Vorwand, deutsches Kulturgut weiter zu schmälern und zum No-Go zu erklären.

Für eine von der Japan Association of Classical Music Presenters (JACMP) in Auftrag gegebene Studie, über die das Portal „futurezone“ berichtet, wurde in einem Covid-19-sicheren Labor der Luft- und Aerosolausstoß von vier männlichen Tenöre und vier weiblichen Soprane gemessen. Die Testinterpreten sangen jeweils kurze Soli auf Japanisch, Deutsch und Italienisch vor: Auszüge aus einem japanischen Kinderlied, aus Beethovens „Ode an die Freude“ (übrigens zugleich die Europahymne) sowie aus Verdis „La Traviata„. Speziell untersucht wurde dabei die Virusbelastung, die zu einer Corona-Ansteckung führen könnte.

Wohl eher Frage der Aufführungspraxis, nicht der Sprache

Wie das Portal unter Berufung auf die Studie berichtet, habe dabei Beethovens Klassiker („Freude schöner Götterfunken“) für einen Ausstoß von 1.302 Teilchen pro Minute gesorgt –  mehr als doppelt so vielen Teilchen wie bei dem japanischen Kinderlied. Bei „La Traviata“ waren es 1.166 Teilchen pro Minute. Hieraus folgerten die Wissenschaftler, dass die Sprache Deutsch besonders „virulent“ ist. Näher eingegangen wurde hierbei anscheinend nicht auf das Thema der Stücke und die von Emotionalität und Temperament her völlig unterschiedliche jeweilige Aufführungspraxis; die legendäre Beethoven-Hymne wird traditionell laut und leidenschaftlich geschmettert, während ein Kinderlied eher fröhlich und verhalten dahinplätschert. Der Grad des „Virenschleuderns“ ist also wohl eher eine Folge unterschiedlichen  Atemausstoßes und Schalldrucks beim Singen als der verwendeten Sprache.

Dennoch führte die Studie bereits zu Vorgaben für die Interpreten: Masakazu Umeda, Generalsekretär der Japan Choral Association, erklärt: „Wenn wir auf Deutsch singen, raten wir unseren Mitgliedern, mit maximalem Abstand zueinander zu stehen„. Ein sonderbarer Aktionismus, der einmal mehr von übertriebener Panik zeigt – zumal der Direktor des studienführenden JACMP, Toru Niwa, selbst einräumt, dass es in Japans professionellen Chören bislang noch kein einziges Ereignis einer Gemeinschaftsübertragung gegeben habe – unabhängig von der gesungenen Sprache. Es wäre jedenfalls nicht verwunderlich, wenn man hier in Deutschland bald die Devise „Deutsches Liedgut ist gesundheitsschädlich“ die Repertoires von einheimischen Stücken säubert – diesmal dann nicht, um chauvinistische kulturelle Überheblichkeit und mangelnde Diversität zu kompensieren, sondern um „Leben zu schützen“. (DM)