Neue Nachrichten aus der Corona-Hölle

Foto: Impfzentrum (über dts Nachrichtenagentur)

Nach dem Lockdown ist vor dem Lockdown. Die Pandemie wird künstlich in die Länge gezogen, bis auch der letzte Mittelständler, Selbstständige, Künstler und Gastronom in die Knie gezwungen wurde, die Gesellschaft zerfallen und die Psyche unsere Kinder „nachhaltig“ zerstört ist.

Hier wieder die neuesten Meldungen aus der Corona-Hölle:

Curevac-Gründer: Guter Wirkstoff muss ohne starke Kühlung auskommen

Curevac-Gründer Ingmar Hoerr hat den Fokus auf eine einfachere Lagerung als Grund dafür genannt, warum sein Unternehmen bei der Impfstoff-Entwicklung länger gebraucht hat als andere. „Was Curevac auszeichnet, ist, dass in der präklinischen Entwicklung ein ganz großer Wert auf die Temperaturstabilität gelegt wurde. Für diese Forschung ging natürlich Zeit ins Land“, sagte er dem „Mannheimer Morgen“ (Freitagausgabe).

Man müsse hinterfragen: „Ein bei minus 80 Grad gelagerter Impfstoff, der mag für die westliche Welt funktionieren. Aber das ist ein Unding für Entwicklungsländer.“ Curevac hat laut Hoerr durch die Kooperation mit der Bill und Melinda Gates Stiftung ein großes Bewusstsein für die Probleme in den ärmeren Ländern.

„Deshalb wurde in der Impfstoff-Entwicklung nicht nur Wert auf die Temperaturstabilität, sondern auch auf geringe Kosten durch eine möglichst niedrige Dosierung geachtet.“

Reiseauflagen lassen Zahl der Flugpassagiere weiter einbrechen

Wegen der verschärften Reiseauflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Fluggäste weiter deutlich reduziert. Im Januar ist die Zahl von 509.308 in den ersten Woche auf unter 318.873 in der letzten Woche des Monats gesunken, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben) unter Berufung auf den Flughafenverband ADV. Insgesamt brach das Passagieraufkommen gegenüber dem Vorjahr demnach um mehr als 90 Prozent ein. „Die Flughäfen verlieren jeden Tag mehr als zehn Millionen Euro“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel den Funke-Zeitungen.

Die Lage sei dramatisch und für viele Standorte existenzbedrohlich. Jeder vierte der rund 180.000 Arbeitsplätze an den deutschen Flughäfen sei bedroht, warnte er. Es gebe „keinerlei Anzeichen für eine Erholung“.

Auch für die kommenden Wochen breche die Reisenachfrage ein, weil die Airlines gezwungen seien, Angebote einzustellen, so Beisel. „Ohne staatliche Unterstützung werden die ersten Standorte das Winterhalbjahr nicht überstehen“, warnte der Hauptgeschäftsführer. Die Entwicklung übertreffe „die schlimmsten Befürchtungen“.

Die Flughäfen seien auf das Niveau der später 80er Jahre zurückgeworfen. Eine Trendwende sei erst in Sicht, wenn die restriktiven Reise- und Quarantäneregelungen durch praktikable Teststrategien ersetzt würden. Die Flughäfen fordern, dass Staatshilfen als nicht-rückzahlbare Zuschüsse gewährt werden.

„Nur so können irreparable Strukturbrüche bei den durch die Pandemie bereits hoch verschuldeten Flughäfen aufgehalten werden“, sagte Beisel. Gestiegen ist im Januar den Angaben zufolge das Frachtaufkommen, in der letzten Januarwoche sogar um über 30 Prozent. Allerdings profitieren davon laut Verband nur einige Standorte. Vor allem sei der „Wachstumssprung“ auf das geringe Vergleichsniveau im Jahr 2020 zurückzuführen. Damals fiel das chinesische Neujahrsfest, das 14 Tage andauert, auf den Januar. Dann geht der Frachttransport zurück. 2021 steht das Neujahrsfest Mitte Februar an.

Johnson & Johnson beantragt Impfstoff-Zulassung in den USA

Das US-Pharmaunternehmen Johnson & Johnson hat eine Zulassung seines Corona-Impfstoffs in den USA beantragt. Das wurde am Donnerstagabend (Ortszeit) bekannt. Der Antrag sei über die Tochtergesellschaft Janssen Biotech gestellt worden.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Unternehmen bekannt gemacht, dass das Mittel eine Wirksamkeit von 66 Prozent haben soll. Das sei in einer weltweiten Phase-3-Studie ermittelt worden. Bei den Testpersonen in den USA wurde 28 Tage nach den Impfungen gar eine Wirksamkeit von 72 Prozent gemessen.

Wenn man die Verhinderung einer schweren Corona-Erkrankung und von Todesfällen mitberücksichtigt, betrage die Wirksamkeit 85 Prozent. Auch gegen die in Südafrika zuerst entdeckte Variante sei der Impfstoff wirksam, so der Hersteller. Im Gegensatz zu den bislang in der EU zugelassenen Impfstoffen muss der Wirkstoff von Johnson & Johnson nur einmal gespritzt werden.

Die EU hat bereits einen Vertrag über die Lieferung abgeschlossen.

Habeck: EU-Pandemiestelle muss Pharmafirmen Risikokapital geben

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat gefordert, dass die geplante EU-Koordinationsstelle für Pandemien auch Risikokapital an forschende Pharmaunternehmen verteilen müsse, um die Entwicklung von Nothilfe-Impfstoffen und -Medikamenten voranzutreiben. „Dass die USA bei der Produktion und Beschaffung des Impfstoffs so viel besser sind als Europa, liegt maßgeblich an der Barda“, sagte Habeck dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagausgaben) mit Blick auf die US-Behörde für Biomedizinische Forschung und Entwicklung. Der maßgebliche Erfolg der Barda bestehe darin, dort einzugreifen, wo der Markt das Risiko scheut.

„Amerikanische Konzerne konnten dadurch zu einem Zeitpunkt in Produktionsstätten investieren, als noch nicht klar war, ob die Herstellung eines wirksamen Vakzins gelingen würde.“ Weil Pandemien und andere Notfälle eher selten seien, seien Medikamenten und Therapien für große Pharmaunternehmen oft keine profitable Investition. Auch die von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geplante Nothilfe-Koordinierungsstelle Hera könne hier als Risikokapitalgeber auftreten.

„Wir brauchen eine organisierte Schnittstelle in diesem Bereich der Gesundheitsvorsorge“, so Habeck. Von der Leyen müsse die Koordinierungsstelle nun schnell etablieren und dafür sorgen, dass sie finanziell ausreichend ausgestattet sei.

Söder ist offen für russischen Impfstoff Sputnik V

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat unter dem Vorbehalt ausreichender Prüfung keine Bedenken gegen den russischen Impfstoff Sputnik V. Auf die Frage, ob Sputnik V ein auch in Deutschland anwendbarer Impfstoff sein könnte, sagte Söder am Donnerstag in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“: „Wenn die Europäische Medizinagentur sagt, das ist zuverlässig, natürlich.“ Er höre sogar, das russische Mittel solle besser sein als manche jetzt verimpfte Stoffe, sagte Söder, fügte aber hinzu: „Aber da muss ich ehrlich sagen: Das können nur die Fachleute beurteilen.“

Bund plant Milliardenprogramm zur Rettung der Flughäfen

Die durch die Coronakrise stark in Turbulenzen geratenen deutschen Flughäfen können auf ein Milliarden-Rettungspaket von Bund und Ländern hoffen. Ein Spitzengespräch am kommenden Mittwoch soll den Durchbruch und die Rettung der Airports bringen, berichtet die „Welt“ (Freitagausgabe) unter Berufung auf die Einladung des Verkehrsressorts. Vertreter von Verkehrs-, Finanz- und Wirtschaftsministerium sollen dabei mit Abgeordneten der Koalitionsfraktionen die „Positionierung des Bundes besprechen“, wie es in der Einladung heißt.

Im Bundesverkehrs- und Bundesfinanzministerium gibt es laut Zeitung unterschiedliche Ansätze zum weiteren Vorgehen bei dem geplanten Rettungsschirm. Im Kern geht es demnach um die Frage, welchen Flughäfen geholfen werden soll und ob auch kleinere, schon länger defizitäre Flugplätze Hilfsmittel erhalten sollten. „Dass den Flughäfen geholfen werden muss, steht fest. Die Frage ist, wie eine Beteiligung von Bund und Ländern konkret aussieht und welche Flughäfen unterstützt werden sollen beziehungsweise inwieweit Airports der kleineren Kategorie von dem geplanten Milliardenpaket profitieren“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete und Verkehrspolitiker Arno Klare der „Welt“. Unionsfraktions-Vize Ulrich Lange (CSU) macht der Koalition Druck: Vor wenigen Tagen hätten die Bundesländer erklärt, sich an der Rettung der Flughäfen zu beteiligen. „Jetzt kann das von Verkehrsminister Scheuer vorgeschlagene Hilfspaket konkretisiert werden. Dazu erwarte ich, dass die zuständigen Ministerien kurzfristig ein entsprechendes Konzept vorgelegen und mit den Ländern abstimmen“, sagte Lange. „Das sollte angesichts der Situation der Flughäfen eine Frage von Tagen und Wochen und nicht von Monaten sein.“

Beauftragte beklagen Attacken auf Datenschutz in der Pandemie

Mit einem „Brandbrief“ gegen die ihrer Meinung nach in der Corona-Pandemie zunehmenden Attacken auf den Datenschutz haben sich Maja Smoltczyk und Dieter Kugelmann, die Berliner und der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte, an die Öffentlichkeit gewandt. Die Pandemie habe „einmal mehr gezeigt, wie der Datenschutz als Sündenbock herhalten muss, wenn Dinge außer Kontrolle geraten sind“, schreiben die beiden in einem Beitrag, über den der „Tagesspiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitagausgaben) berichten. Kein Tag vergehe, an dem nicht Politiker „unterschiedlicher Couleur“ oder vermeintliche Experten behaupten, die Pandemie sei leicht in den Griff zu bekommen, wenn man nur den Datenschutz zurechtstutzen würde.

Nach einem Terroranschlag, oder wenn ein Kinderporno-Ring ausgehoben wird – immer erschalle der Ruf: „Datenschutz ist Täterschutz. Datenschutz gefährdet Menschenleben“, schreiben Smoltczyk und Kugelmann. Allerdings: „Nichts davon ist richtig.“

Auch der Schutz der Daten schütze Menschen. Wer das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung einschränken wolle, müsse „überzeugende Argumente dafür liefern, damit eine solche Abwägung stattfinden kann“. Die Corona-App sei auch deshalb mehr als 25 Millionen Mal herunter geladen worden, weil die Nutzer sich darauf verlassen könnten, „dass ihre Daten nicht zu unvorhersehbaren Zwecken missbraucht werden“.

Ähnlich sehe es bei der nun anstehenden Digitalisierung der Schulen aus, die keine „Digitalisierung um jeden Preis“ sein dürfe. Sie müsse geschützte Räume schaffen, in denen Schüler und Lehrkräfte sicher sein könnten, dass ihre Daten nicht missbraucht und irgendwann gegen sie verwendet würden. „Der Datenschutz ist kein Verhinderer, sondern ein wichtiger Regulator und Steuerungsfaktor“, schreiben Smoltczyk und Kugelmann.

Menschen ließen sich eher auf neue Technologien ein, „wenn sie Vertrauen haben, dass ihre Rechte und Freiheiten gewahrt bleiben“. Deshalb dürfe „ein angemessener Datenschutz nicht dem Virus zum Opfer fallen“.

NRW-Arbeitgeberchef bemängelt Digitalisierung der Gesundheitsämter

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes NRW, Arndt Kirchhoff, hat deutliche Kritik an der Verwaltung in der Corona-Pandemie geübt. „Dass die Gesundheitsämter auch rund ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie immer noch nicht flächendeckend digitalisiert und vernetzt sind, ist bitterer Ausweis des aktuellen Standes der Digitalisierung im Öffentlichen Sektor“, sagte Kirchhoff dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitagausgabe). Die Ergänzung der Corona-App im Dezember um ein händisches Tagebuch ohne digitale Schnittstelle zu den Gesundheitsämtern sei „nahezu grotesk“.

Der Datenschutz dürfe in dieser Lage nicht vor den Gesundheitsschutz gestellt werden. Neben einer App zur Nachverfolgung der Infektionsketten forderte Kirchhoff, Inhaber eines Automobilzulieferunternehmens, baldige Lockerungen des Lockdowns. „Wir alle brauchen dringend Perspektiven. Es ist gut, dass die Politik nun endlich eine Exit-Strategie erarbeiten will“, sagte Kirchhoff der Zeitung.

Impfbereitschaft nimmt zu – Kritik am Impftempo wächst

Aktuell geben 59 Prozent (+5 Punkte im Vgl. zu Januar) der Bundesbürger an, sich auf jeden Fall impfen lassen zu wollen. Das ist das Ergebnis einer Infratest-Umfrage für den ARD-„Deutschlandtrend“. Nach wie vor stehen demnach jüngere Wahlberechtigte einer Impfung zurückhaltender gegenüber.

Der steigenden Impfbereitschaft der Deutschen steht jedoch eine gewachsene Enttäuschung zum Impftempo gegenüber: Nach 52 Prozent in der ersten Januarwoche bezeichnen aktuell zwei Drittel (68 Prozent) das Tempo der hiesigen Impfungen als zu langsam. Ein Fünftel der Bundesbürger (21 Prozent, -15 Punkte) empfindet das derzeitige Tempo als angemessen, kaum jemand (sieben Prozent, -1) als zu schnell. Bei der Beschaffung des Corona-Impfstoffs haben die EU-Länder verabredet, dass nicht jedes Land für sich die Verhandlungen mit den Impfstoffherstellern führt, sondern die EU-Länder gemeinsam den Impfstoff bestellen.

Dieser Kurs wird weiterhin von einer Mehrheit gestützt, auch wenn die Zweifel gewachsen sind (63 Prozent, -7 Punkt im Vgl. zu Januar). 33 Prozent (+8) sehen das gemeinsame Vorgehen zur Impfstoffbeschaffung nach wie vor kritisch. Vorstöße zur Aufhebung von Alltagseinschränkungen für Geimpfte finden weiterhin keinen mehrheitlichen Zuspruch: Gut zwei Drittel (68 Prozent, -5 zu Januar) sprechen sich momentan dagegen aus, 28 Prozent (+5) dafür.

Fürsprecher von Sonderrechten für Geimpfte finden sich vor allem in den Reihen der FDP (48 Prozent). Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest insgesamt 1.003 Personen am 1. und 2. Februar 2021.

Fast sechs von zehn Handwerksbetrieben melden Umsatzrückgänge

Der Corona-Lockdown trifft das deutsche Handwerk hart: So klagen aktuell 58 Prozent der Betriebe, dass ihr Umsatz in den zurückliegenden vier Wochen niedriger ausgefallen ist als im Vorjahreszeitraum. Im Dezember, vor der Verschärfung des Lockdowns, waren es 42 Prozent, zeigt eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), über die das „Handelsblatt“ (Freitagausgabe) vorab berichtet. „Längst geht es nicht mehr vor allem darum, die Schäden der Lockdown-Monate zu begrenzen, sondern es geht bei inzwischen sehr vielen Betrieben um die nackte Existenz und das Überleben“, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer dem „Handelsblatt“.

Viele Handwerker sähen nach Jahren harter Arbeit ihr Lebenswerk vor dem Ruin – „und das völlig unverschuldet“. Der durchschnittliche Umsatzausfall liegt aktuell bei 55 Prozent und ist damit deutlich höher als im Dezember mit 40 Prozent. Am stärksten betroffen sind die Handwerke für den persönlichen Bedarf, zu denen etwa die Frisöre zählen.

Hier melden neun von zehn Betrieben einen Umsatzeinbruch, der im Schnitt bei 87 Prozent liegt. Auch die Geschäfte der Handwerker in der Kfz- oder Gesundheitsbranche laufen schlecht. Bei mehr als jedem zweiten Handwerksbetrieb ist zudem das Auftragspolster im Vergleich zum Vorjahr dünner geworden, nur zwölf Prozent registrieren eine verstärkte Nachfrage.

Im Schnitt liegt der Auftragsbestand um 56 Prozent unter dem Vorjahresniveau und reicht derzeit noch für knapp sieben Wochen. An der ZDH-Erhebung nahmen vom 27. bis zum 31. Januar insgesamt 2.552 Betriebe teil.