Linke Cancel-Culture kennt kein Halten mehr: Immer mehr Säuberungs-Opfer

Cancel-Culture, Eliminierungswahn und Stimmschaltung von „Meinungsgefährdern“ haben weltweit Konjunktur. Es begann mit dem „woken“ Säuberungswahn im Gefolge des „Black-Lives-Matter“-Hypes und erreiche seinen vorläufigen Höhepunkt im De-Platforming des US-Präsidenten (und in seinem Gefolge zehntausender missliebiger weiterer Account, zumeist auf Verlangen und Denunziation eines anonymen linken Scherbengerichts hin). Seitdem gibt es kein Halten mehr – im freien Westen lebt jeder gefährlich, der das Falsche sagt oder denkt.

Zwischen Überzeugungsbekenntnissen und harmlosen Ausrutschern oder Versprechern wird dabei nicht mehr unterschieden; was immer sich – und sei es noch aus dem Kontext gerissen – als Munition gegen in der öffentlichkeit stehende Sünder verwenden lässt, wird gnadenlos ins Rampenlicht gezerrt, medial verstärkt und zum Anklagepunkt erhoben, solange bis der Bezichtigte entweder reumütig widerruft oder das Handtuch wirft. Doch immer öfter wird den Delinquenten nicht einmal mehr diese Gelegenheit mehr gegeben, ihre „Nullifikation“ durch Abräumen erfolgt geräuschlos.

In den USA traf es jetzt den Country-Megastar Morgan Wallen, der mit seinem Album „Dangerous – The Double Album“ seit vier Wochen ununterbrochen auf Platz 1 steht. Weil er privat zuhause – in unklarem Kontext – das Wort „Nigger“ benutzte, während er schwer alkoholisiert war, und ihn ein Nachbar dabei (verbotenerweise) gefilmt hatte, setzte gegen Wallen eine gnadenlose Hexenjagd der BLM-Heuchler ein. In vorauseilendem Vollzug – und um nicht selbst als Sympathisanten oder gar Kollaborateure eines „Rassisten“ gebrandmarkt zu werden – beschlossen daraufhin 400 US-Radiosender einen Totalboykott des Künstlers. In diesem Fall half Wallen nicht einmal die öffentliche Abbitte: „Mir ist das peinlich und es tut mir leid. (…) Für diese Art von Sprache kann es keine Entschuldigung geben„, sagte er laut „Spiegel„. Das nahm der neuerwachte McCarthyismus der „antirassistischen“ Moralwächter natürlich wörtlich: Auf Gnade hoffte Wallen vergeblich, er bleibt gebannt.

Jede dieser öffentlichen Aburteilung von rassistischen oder wenig kultursensiblen Missetätern führt zur Vergrößerung der Verunsicherung bei jenen, die als nächste befürchten, am Pranger zu stehen. In den USA gehen deshalb nun schon selbst mächtigste Vertreter der Unterhaltungsindustrie präventiv in die Knie – und starten eine beispiellose Selbstzensur. So hat der ideologische Diversitätszwangs nun auch die Disney-Firmenpolitik gekapert: „Disney hat es sich zum Ziel gesetzt, Geschichten mit inspirierenden und zukunftsweisenden Botschaften zu erzählen, in denen die große Vielfalt der Menschen rund um den Globus berücksichtigt wird und niemand diskriminiert wird„, heißt es da. Der Unterhaltungsriese warnt nun ganz öffentlich vor seinen eigenen Filmklassikern, die „negative Darstellungen und/oder nicht korrekte Behandlung von Menschen und Kulturen“ beinhalteten.

Diese Stereotype waren damals falsch und sind es noch heute„, heißt es in einem warnenden Einblender, der den betreffenden selbstindizierten Disney-Kultfilmen ab sofort vorangestellt wird, sobald man sie auf dem konzerneigenen Streamingportal „Disney+“ aufruft. Im „Kinder-Modus“ sind die betreffenden Filme sogar gar nicht mehr zu sehen, wie „Bild“ schreibt – und das, obwohl es sich eigentlich um ausgewiesene Kinderfilme handelt, mit denen ganze Generationen aufgewachsen sind: So werden nun etwa bei „Dumbo“ aus dem Jahr 1941 die singende Krähen als „Hommage an rassistische Minnesängershows“ gewertet, und bei „Peter Pan“ distanziert sich Disney von „gewissen Darstellungen„, in denen „Ureinwohner wiederholt als Rothäute“ bezeichnet und „stereotyp dargestellt“ würden – etwa indem der Titelheld in „verspottender Weise“ deren Kopfschmuck trage.

Ganz so schlimme Auswüchse zeitigt die Cancel-Culture in Deutschland zwar bislang noch nicht – obwohl Bilderstürme und -schändungen von kulturmarxistischen Barbaren oder auch hierzulande stattfinden und Debatten über die Komplettbeseitigung von Denkmälern (etwa Bismarck in Hamburg), Forderungen nach De-Kanonisierung von im 2020er-Zeitgeist entarteter Kultur und Literatur (etwa Goethes „Faust“ wegen Sexismus) sowie Umbenennung von Straßen und Plätzen tendenziell zunehmen. Weiter ist man allerdings schon bei der Entfernung missliebiger politischer Meinungsführer – und jener, denen lediglich „Kontaktschuld“ durch mangelnde Distanzeritis vorgehalten wird. Bezeichnend ist hierfür das Beispiel des Chefs der hessischen Filmförderung, Hans-Joachim Mendig, der im Herbst 2019 von einer Meute Kulturschaffender aus dem Amt gemobbt wurde, nachdem er bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Jörg Meuthen und PR-Profi Moritz Hunzinger in Frankfurt fotografiert worden war.

In Corona-Zeiten verlagerte sich der Vernichtungswille auf die Dissidenten und Protestführer der immer autoritäreren Pandemiepolitik, vor allem im Umfeld der Querdenker-Bewegung; neben Klimaleugnern und angebliche Rechtssympathisanten wurde hier eine dritte Deliktgruppe ausgerufen, für die das Prinzip „schuldig bei Verdacht“ Anwendung fand – eine verhängnisvolle Entwicklung, die bis heute anhält. Wie etwa der „Querdenken“-Rechtsanwalt Markus Haintz dauerverleumdet und alltagsdiskriminiert wird, das erinnert an dunklere Kapitel der deutschen Geschichte:

(Screenshot:Twitter)

Und wie ansonsten manche „hippen“ Meinungsmacher in diesem Land mit Quer- und Andersdenkenden am liebsten verfahren würden, das zeigt eine irre „originelle“, sogenannte Out-of-home-Kampagne des Berliner Agentur-Startups „Brain’nDead“ – hier ist der Name wohl Programm -, die angeblich der Förderung der Pro-Covid-Impfbereitschaft dienen soll: Die Macher setzten den Slogan „Alle müssen sterben – aber nicht an Corona“ in morbiden Bezug zur angeblichen „Querdenker“-Ignoranz; dahinter steckt entweder gewollte Hinterfotzigkeit – oder weitgehende Ahnungslosigkeit, da „Querdenken“ (eine überwiegend von linken und grünen Sympathisanten getragene Bewegung übrigens) in erster Linie gegen die Grundrechtsbeschränkungen auf die Barrikaden gehen und nur kleine Teile davon eine impfskeptische Haltung einnehmen. Das hinderte die hirntoten „Kreativen“ nicht, folgendes Kampagnenmotiv zu entwickeln:

(Screenshot:Twitter)

Interessant hierbei, wer diesen hinter einer verunglückten Pointe kaum kaschierten unterschwelligen Mordaufruf ganz dufte findet und unterstützt, wie ein Blick auf die „Referenzen“ zeigt. Besonders aufschlussreich: das Bundesbildungsministerium sowie die FDP-nahe „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Paqué. In dem Maß, wie die Toleranz für alles Zweideutige, Missverständliche und Kompromittierungsfähige bei Äußerungen über Schwarze, kulturelle Minderheiten oder Diverse gegen Null geht, geht sie ins unendliche für den Hass der „Guten“. Die linke Narrenfreiheit ist fast vollkommen. (DM)