Abt. Mimimi: Die alberne Hysterie- und Katastrophenrepublik

Gut und gerne leben in Deutschland - Foto: Imago

Möglicherweise nicht alles im Leben unter Kontrolle zu haben, scheint der schlimmste Albtraum für heutige „die Menschen“ in Deutschland geworden zu sein. Die Lässigkeit einer lakonischen Einstellung zum Leben, wie sie sich früher in dem resignierenden Stoßseufzer „Der Mensch denkt und Gott lenkt“ äußerte, scheint endgültig Vergangenheit geworden zu sein. Das Resultat ist eine Gesellschaft, die in anderen Ländern mitleidig belächelt wird. Die „German Angst“ ist in der englischsprachigen Welt schon lange ein feststehender Begriff. „Kindergarten“ übrigens auch. Eine Betrachtung.

von Max Erdinger

Eine Kindheit auf dem Dorf in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bedeutete kurze Hosen im Sommer, Barfüßigkeit in Sandalen, Baden gehen in sumpfigen Fischweihern und Radfahren lernen mit dem Material, das eben da gewesen ist. Nicht jedes Kind hatte ein Kinderfahrrad. Zwar hätten alle Kinder gerne ein Kinderfahrrad gehabt, aber wo es eben keines gab, da lernten sie das Radfahren auch auf einem alten und rostigen Damenrad. Auf den Pedalen stehend, weil der Sattel zu hoch gewesen ist, drehte so manches Kind seine ersten Runden. Auch wenn die Stempelbremse fürs Vorderrad keinen Gummibelag mehr hatte. Stürze waren normal und nach jedem Sturz war das Kind wieder ein bißchen schlauer geworden, was das Radfahren anging. Verschrammte Knie waren nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Ich erinnere mich genau. Ein Kinderheld war der Siebenjährige, der auf losem Untergrund so vehement in die Rücktrittbremse trat, daß das Hinterrad blockierte und in einem spektakulären Winkel nach der Seite wegrutschte, und der dabei die Füße auf den Pedalen lassen konnte, um kurz vor dem völligen Stillstand wieder zu beschleunigen. Andere Helden sprangen vom Fahrrad ab, ohne dabei hinzufallen. Wir Kinder haben damals viele Hinterreifen so glatt geschliffen, daß die Leinwand durchschaute. Wir tummelten uns auf den Heuböden in den Scheunen, oft zwei oder drei „Stockwerke“ übereinander. „Bandenchef“ war, wer sich vom dritten Heuboden in den großen Heuhaufen auf dem Scheunenboden zu springen getraute. Unser Revier hatte einen Radius von fünf Kilometern um das Dorf herum, wir kletterten in Obstbäumen und in den Steilwänden aufgelassener Sandsteinbrüche, wo jeder Absturz fatal gewesen wäre. Es stürzte nie einer ab. Wir bauten Hütten, hantierten mit Hämmern und Nägeln – und hin und wieder hatte jemand eine oder zwei Overstolz-Zigaretten dabei, die er seinem Opa aus der Packung entnommen hatte. Streichhölzer hatten wir sowieso immer dabei. Zum „Gebetläuten“ mussten wir zuhause sein. Bis dahin waren die Nachmittage ganz die unseren, es gab keine Handys, wir waren uns selbst überlassen.

Eine Kindheit im Städtchen des Jahres 2020: „Ob wir unserem Malte-Torben zu seinem dritten Geburtstag wohl eines dieser Kinderfahrrädchen schenken sollten, das noch keine Pedale hat, so daß er mit seinen kurzen Beinchen nebenher laufen kann?“ – „Das ist doch viel zu gefährlich! Wenn überhaupt, dann müssen wir ihm auch noch ein Helmchen schenken, am besten Knieschützer dazu und ein kleines Warnwestchen. Außerdem müssen wir eine hohe, flexible Stange an seinem Laufrädchen befestigen, mit einem orangefarbenen Wimpel oben dran, damit ihn keiner dieser gewissenlosen Autofahrer übersieht, wenn er auf dem Gehsteig neben der Straße in unserem Wohngebiet hinter uns herradelt.“ – „Was das wieder kostet. Aber für unseren kleinen Malte-Torben kaufen wir alles, stimmt´s?“ – „Ja, nicht auszudenken, er könnte sich wehtun. Er wäre traumatisiert und würde nie wieder ein Fahrrad besteigen wollen, weshalb wir ihn dann zum Kinderpsychiater bringen müssten, damit er später nicht bei jeder Gelegenheit das umweltschädliche Auto benützt.“ – „Genau. Und so ein Kinderpsychiater ist ja auch nicht gerade billig.“ – „Kinder kosten Geld. Die muß man sich erst einmal leisten können. Gottseidank können wir.“ – „Ja, wird sind ja auch nicht so verantwortungslos wie die Leute in anderen Ländern, wo die Kinder einfach so zur Welt kommen, obwohl man sich dort noch nicht einmal ein Kinderhelmchen und Knieschützer leisten kann“. – „Ja, wie gut, daß wir hochzivilisiert sind.“ – Pfeifendeckel. Dieses Elternpaar ist nicht hochzivilisiert, sondern hochinfantil. Es hatte seine eigene Kindheit nicht in den Sechziger Jahren, sondern schon in den Neunzigern. Es hat selbst keine Ahnung mehr von Freiheit und Eigenverantwortlichkeit oder den nützlichen Schmerzen des Klügerwerdens. Versuch und Irrtum bieten ihrem Verständnis nach keine Chancen, sondern bedeuten Gefahr, Unwägbarkeit, Planungsunsicherheit. Erst einmal müssen alle Eventualitäten bedacht sein, alles muß nach Plan laufen. Sie müssen jederzeit alles unter Kontrolle haben. Absolut alles. Ihr Kind, ihre Karriereplanung, ihre Finanzplanung, ihre Lebensplanung. Der Horror: Es läuft etwas nicht nach Plan. Es passiert etwas Unvorhergesehenes. Die Abweichung vom Plan ist ein schwerer Schicksalsschlag.

Kontrolle und Sicherheit

Daß „wir“ heute von einer absoluten Killerpandemie bedroht sind in einem kollabierenden Weltklima, ist weniger eine Frage danach, ob das wirklich so ist, sondern eine danach, ob es jemand glaubt. Wer in den Sechziger Jahren auf einem Bauerndorf seine Kindheit verbracht hat, versucht selbst, zu verifizieren, was ihm an Behauptungen dazu präsentiert wird. Sein Mißtrauen ist bereits geweckt, wenn er feststellt, daß es so, wie es ihm präsentiert wird, auf gar keinen Fall sein kann. Das reicht, um ihn sagen zu lassen: „Nichts für mich.“ Er fragt sich dann auch nicht, wie das mit dieser Killerpandemie und dem Weltklima tatsächlich ist, sondern er fragt sich, warum ihm wer aus welchen Gründen Geschichten präsentiert, die so auf gar keinen Fall sein können. Das macht er deswegen so, weil er eine realistische Einschätzung seinen eigenen Möglichkeiten gegenüber pflegt. Weder ist er Virologe noch Epidemiologe, noch ist er Klimaforscher. Er müsste sich immer auf etwas verlassen, das ein Anderer behauptet. Wenn er zum Fenster hinausschaut, dann sieht er, wie das Wetter ist, nicht, wie das Klima ist. Aber er weiß, daß Grönland deswegen Grönland heißt, weil es zu Zeiten seiner Entdeckung grün gewesen ist. Er kennt die schriftlichen Aufzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert, er weiß um das Katastrophenjahr 1541, mitten in der „kleinen Eiszeit“, als es über zehn Monate lang nicht geregnet hat und die Wälder sich im Sommer selbst entzündeten, weil es so heiß gewesen ist. Er weiß, daß es den Klimawandel gibt – und daß es ihn immer gegeben hat. Er muß ihn nicht unter Kontrolle haben. Er weiß, wie das bayerische Voralpenland, diese Moränenlandschaft entstanden ist, und daß sich die Alpengletscher einmal bis nach München erstreckt haben. Er weiß vom sogenannten Chiemgau-Einschlag, als es über den Köpfen der Kelten einen in die Erdatmosphäre eingedrungenen Asteroiden zerriß, dessen glühende Teile auf den Chiemgau herniederregneten – und daß es wahrscheinlich diese Geschichte ist, derentwegen Asterix & Obelix nichts so sehr fürchteten wie einen Himmel, der ihnen auf den Kopf fallen könnte. Er hat eine Vorstellung von der Selbstverständlichkeit, mit der die Römer an ihrem letzten Tag in Herculaneum und in Pompeji in der Früh aufgestanden sind, um Stunden später völlig unerwartet und meterdick unter der Lava des Vesus zu verschwinden. Er glaubt nicht, daß er alles unter Kontrolle haben kann und daß es irgendeine Garantie dafür gibt, daß er morgen noch lebt. Es schreckt ihn aber auch nicht. Er lebt einfach damit.

Linkes Phänomen

Es braucht einen fruchtbaren Boden, damit aufgeht, was man sät. Furcht und Verzagtheit sind immer ein fruchtbarer Boden für den absichtsvollen Sämann. Das ist der Linksboden. Haben sich Linke früher noch Übelständen gewidmet, die tatsächlich jeder sehen konnte, so widmen sie sich heute Übelständen, an deren Existenz man glauben müsste, weil man sie eben nicht sehen kann, es sei denn, man hielte die Ausschnitte aus der Realität, wie sie einem präsentiert werden, für die ganze Realität. Die Botschaft ist heute immer dieselbe: „Ihr könnt es zwar nicht in seinem ganzen Umfang sehen, aber wir sagen euch, ihr habt allen Grund, euch zu fürchten. Ihr habt aber auch Glück im Unglück, weil es uns gibt, die Linke. Wir regeln das für euch. Wir überblicken das Ganze, glaubt uns. Vertraut uns einfach. Wir können alles: Weltklima, Viren, Gerechtigkeit, Globalmenschlichkeit und Paradies auf Erden. So fähig sind wir. Macht lieber mit. Vorsorglich weisen wir darauf hin, daß wir leider jeden zum Feind erklären müssen, der sein Leben lieber nicht von uns regeln lassen will. Was bildet sich ein solcher auch ein?“ – Es wird ein Regime installiert, in dem Linke ihre „Mitmenschen“ behandeln, als seien sie Kleinkinder, die ohne die linke Expertise nicht überlebensfähig sind. Linke können machen, daß selbst 101-Jährige nicht „am Virus sterben“ müssen. Dabei müssen alle sie unterstützen, weil das „solidarisch“ ist. Und weil zu sterben sowieso der größte aller Schicksalsschläge ist. Wenn man´s vermeiden kann, dann vermeidet man es doch, oder?
Was zählt schon das Leben, wenn man es für die Sicherheit eines Überlebens in der Lebensfeindlichkeit eintauschen kann?

Zurück aufs Dorf

Sterben war so normal wie das Geborenwerden. Darauf angelegt hat es deswegen keiner. Von ganz alleine nicht. Die verstorbenen Alten wurden mit den Füßen voraus zum Haus hinaus – und zum Friedhof getragen. Niemand war fröhlich dabei, aber alle akzeptierten es so, wie sie ihre Freude über ein Neugeborenes akzeptierten. Den Hinterbliebenen wurde mit dem Hut in der Hand und gesenktem Blick kondoliert, die junge Familie wurde besucht und dem Neugeborenen wurde ein Geschenk mitgebracht. Ein Schnäpschen gab es bei der einen wie bei der anderen Gelegenheit. Nur für die Erwachsenen. Die Kinder wollten unbedingt erwachsen werden, wenn man schon erwachsen sein mußte, um aus klitzekleinen Kindergläsern offenbar Köstliches trinken zu dürfen. Auf dem Dorf gab es den Kreislauf des Lebens und alle haben ihn jederzeit beobachten können. Am Sonntag trafen sich alle in der Kirche, um ihr Wissen darum aufzufrischen, wer sie sind, was in ihrer Macht steht und daß der Mensch denkt, Gott aber lenkt. Niemand brauchte einen Linken, der ihm das Paradies auf Erden und die Erlösung von allem Übel bereits zu Lebzeiten versprochen hätte. Es gab das Schicksal, das manchmal erbarmungslos zuschlug, ohne daß deswegen jemand langfristig verzweifelt wäre. Man kam darüber hinweg, weil man einfach darüber hinweg kommen mußte. Andreas war acht Jahre alt, als er sich auf das Abendessen freute, während er ins Futtersilo hineinkrabbelte. Sein und mein gmeinsamer Freund war neun, als er hinterherkrabbelte. Es gab zwei tote Kinder. Wäre ich dabei gewesen, wären es drei geworden. Es gab keinen Linken, der irgendjemanden deswegen eine schicksalslose Zukunft per „gutes Futtersilo-Kinder-Gesetz“ andrehen wollte. Und hätte es einer versucht, hätte er auf´s Maul bekommen für seinen lebensfremden Schwachsinn.

Freiheit oder Sicherheit

Wer seine Freiheit für die Sicherheit aufgibt, wird letztlich beides verlieren. Sinngemäß soll das Benjamin Franklin so festgestellt haben. Die Tendenz, Freiheit für Sicherheit einzutauschen, ist in Deutschland schon immer ausgeprägt gewesen. Was heutzutage ganz fatal dazukommt, ist, daß es im Rahmen des demokratischen Mehrheitsfetisches – und in Kombination mit der Überzeugung von der absoluten Gleichberechtigung der eigenen mit jeder anderen Meinung – eine Mehrheit gibt, die das nicht nur für „vernünftig“ hält, sondern sogar für „moralisch geboten“. In Wahrheit geht es aber um etwas anderes. Die eigene Verzagtheit in „Vernunft“ umzudeuten, bringt erstens die Möglichkeit mit sich, den Unverzagten „Unvernunft“ zu unterstellen, besser noch: „asoziale Unvernunft“. Sie stellen ihre Freiheit über die eigene „Vernunft“. Zweitens ermöglicht es dem „Vernünftigen“, sich seiner eigenen Verzagtheit nicht stellen zu müssen. Das wäre aber seine Verantwortung als freier Mensch. Und zivilisiert wäre ein gerüttelt Maß an Selbstreflexion ebenfalls. Daß das unterbleibt, resp. daß es daran fehlt, ist ursächlich dafür, daß der neue Totalitarismus wieder ganz auf den alten Füßen läuft. Und einreden lassen hat sich das Volk die alte Illusion von der Möglichkeit der totalen Sicherheit in Freiheit erneut von linken Ideologen, den selbsternannten Weltverbesserern, die es freilich noch nie geschafft haben, irgendwo auf der Welt irgendetwas zu verbessern. Daß dem so ist, das könnte sogar der verzagteste unter den deutschen Hasenfüßen erkennen. Wenn er denn wollte. Er will aber selbst das lieber nicht, weil es geeignet wäre, seine unbegründete Hoffnung auf ein ewiges Leben auf Erden zunichte zu machen. Er glaubt an „die Wissenschaft“. Bevor er stirbt, glaubt er an sonst gar nichts mehr. Vor ihm liegt ein tiefes, schwarzes Nichts. Das ist sein Horror. Der diktiert ihm alles. Und die Linke weiß das für sich zu nutzen. Der deutsche Hasenfuß, der vor einem kollabierenden Weltklima und einem Virus zittert, ist das Ergebnis eines uneinlösbaren Heilsversprechens linker Atheisten. Es ist schwer vorstellbar, daß es heute noch jemanden geben könnte in Deutschland, der sich voll Gottvertrauen auf den Mond schießen läßt, so lange er nicht weiß, ob der Mann im Mond corona-negativ ist. Er könnte sich anstecken. Und die Letalitätsrate der mit Sars-Cov-2 Infizierten liegt immerhin bei fast schon einem horrormäßigen Drittel Prozent. Zu riskant für ein Leben in Freiheit. Was ist das alles? – Kulturelle Degeneration ist das. Und was sind die kulturell Degenierten? – Zum Verlieren verdammt sind sie. Sie verlieren ihr Leben bereits zu Lebzeiten. Endstation Linksstaat. Blöder geht´s nicht mehr.