Horrordrehbuch für den Lockdown: Seehofer spannte Wissenschaftler für Angstpropaganda ein

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Knapp ein Jahr nach dem ersten Lockdown kommt nun nach und nach ans Licht, welche fragwürdigen und manipulativen Tricks die Bundesregierung für ihre Propaganda zur Rechtfertigung nie dagewesener Freiheitseingriffe angewandt hat. Horst Seehofers Bundesinnenministerium zeigte sich besonders erfinderisch und einfallsreich, als es darum ging, möglichst angsteinflößende Horrorszenarien unters Volk zu streuen. Hierfür wurde sogar Druck auf Wissenschaftler ausgeübt, um das gewünschte Ergebnis zu liefern.

Dieses bestand schließlich in einem möglichst drastisch formulierten „Geheimpapier“, in dem ein Pandemieverlauf ausgemalt wurde, der dem Drehbuch eines Hollywood-Seuchenschockers gleicht: Mit Millionen von Toten, apokalyptischen Szenen in Kliniken und Behelfslazeretten und einem drohenden Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung. Dieses Worst-Case-Szenario wurde explizit für den Fall als möglich oder sogar höchst wahrscheinlich entworfen, dass das Alltagsleben so weiterliefe wie bisher – ohne Lockdown, ohne Maßnahmen.

Wie die „Welt am Sonntag“ heute enthüllt, spannte das Bundesinnenministerium in der ersten Welle der Corona-Pandemie Anfang März 2020 namhafte Wissenschaftler von Forschungsinstituten und Hochschulen für seine politische Zwecke ein – und beauftragte zudem die Forscher von Robert-Koch-Institut und anderen Einrichtungen mit der Erstellung eines Rechenmodells, das dann zur Legitimationgrundlage der massiven Grundrechtseinschränkungen werden und die harten Corona-Maßnahmen rechtfertigen sollte.

Das geht aus einem über 200 Seiten starken Mailverkehr zwischen Ministerium und Wissenschaftlern hervor, den eine Reihe von Juristen in monatelangen Prozessen mit dem Robert-Koch-Institut erstritten haben – und die nun der „Welt“ vorliegen. Ausdrücklich wird darin dokumentiert, wie etwa Seehofers Staatssekretär Markus Kerber die angeschriebenen Forscher auffordert, ein „Modell“ zu erarbeiten, auf dessen Basis „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“ geplant werden könnten.

Ein manipulatives Meisterstück

Auf Grundlage der so eingesammelten Grusel-Planspiele entstand dann unter anderem das im April – auf dem Höhepunkt des ersten Lockdowns vor Ostern – „geleakte“ Geheimpapier, das von einem Beamten Seehofers – eigentlich nur für den internen Dienstgebrauch –  als Arbeitspapier für eine Art gezielte „Angsthypnose“ von Medien und Öffentlichkeit verfasst wurde und für großen Wirbel sorgte (und für Disziplinarmaßnahmen gegen den verantwortlichen Whistleblower im Innenressort). Mit dem Wissen um diese lupenreinen Regierungspropaganda muteten die durchs Land wabernden Bilder von den Bergamo-Toten schon damals wie wie ein manipulativen Meisterstück an, doch der Mehrheit der Deutschen war zu diesem Zeitpunkt schon der irrationale Dauerschreck vom millionenfachen Ersticken unterm Intubationsschlauch durch alle Glieder gefahren, was sie für Skepsis und Zweifel unempfänglich machte.

Jetzt, ein Jahr später, stehen die Corona-Maßnahmen in noch groteskerem Missverhältnis zur tatsächlichen Bedrohung des Virus für die breite Bevölkerung wie damals – obwohl dieselben Regierenden und Wissenschaftler von damals nicht müde werden, ihren monotonen Alarmismus herunterzubeten. Nachdem sich der Horror des Begriffs „Corona“ abgenutzt hat, wird er nun über die „Mutanten“ verbreitet. Die Wissenschaftler dieses Landes erweisen sich als willfährige und dienstbare Sprachrohre der Politik – eine Folge ihrer fatalen Abhängigkeit von politischen Gunstbezeigungen und staatlichen finanziellen Zuwendungen; Fehleinreize, die sie dazu verleiten oder gar subtil nötigen, die von der Regierung jeweils gewünschten Ergebnisse vorzulegen.

Die damaligen phantasievollen Ausmalungen der Katastrophe aus Seehofers Behörde haben indes ihre nachhaltigste Wirkung wohl vor allem bei den Politikern selbst entfaltet – denn ihre überschießenden Maßnahmen richten sich seit dem ersten Tag der Pandemie (und bis heute) nicht an der Wirklichkeit aus, die bei weitem harmloser und glimpflicher verlief aus prophezeit, sondern an den pessimistischsten Untergangsprognosen von damals. (DM)