Einreiseverbot für FC Liverpool, aber Flüchtlingsaufnahme läuft ungebrochen: So verhöhnt uns die Bundesregierung

Keine Gnade: Klopp muss nach Ungarn ausweichen (Foto:Imago/ GonzalesPhoto)

Sozusagen unter dem Brennglas machten zwei Nachrichten der letzten Tage komprimiert deutlich, wie verdreht, kaputt und desorientiert dieses „beste Deutschland aller Zeiten“ mittlerweile tickt und funktioniert: Die Mannschaft des FC Liverpool darf für die am 16. Februar geplante Champions-League-Party gegen den RB Leipzig nicht einreisen – doch 42 griechische Inselflüchtlinge werden zur selben Zeit problemlos nach Deutschland eingeflogen.

Unter Berufung auf die zum neuen Panik-Feature erkorene „britische Mutation“, deretwegen die gesamte Insel zum Risikogebiet erklärt wurde, verweigert Horst Seehofers Bundespolizei strikt jede Ausnahmeerlaubnis – und das, obwohl Liverpool nicht nur ein professionelles Test- und Hygienekonzept unter striktesten, extrem kostenaufwändigen medizinisch-infektiologischen Sicherheitsvorkehrungen garantiert hätte, sondern sich der britische Kader nur wenige Stunden, im kontrollierten Rahmen, in Deutschland aufgehalten hätte.

Für die am Mittwoch in Hannover gelandeten Flüchtlinge hingegen ist die Reise nach Deutschland ein One-Way-Trip: Sie kommen nicht für einen Abend, sondern für ein Leben. Denn auch inmitten der schwersten Existenzkrise der Bundesrepublik gilt, trotz Pandemie: „Wir haben Platz“. Der formalbürokratische, scheinheilige Vorwand, Griechenland sei eben kein Risikogebiet, und die Tatsache, dass sie ja vor der Reise negativ getestet wurden, genügt also bei mittellosen, auf direktem Weg in die Sozialsysteme einwandernden „Schutzsuchenden“, nicht jedoch bei Profifußballern. Hier gibt sich der Staat unerbittlich, auch – oder gerade weil – es bei der Champions League um Millionen an Wirtschaftsleistung geht; ganz nebenbei übrigens auch um die Fußballbegeisterung der im Dauerlockdown zermürbten Deutschen, für die jede Live-Partie im eigenen Land nicht nur Zerstreuung, sondern ein wenig Hoffnung auf Normalität bedeutet.

Was Spaß macht und Linderung verheißt, wird verboten

Was immer der Wirtschaft und der Moral der entnervten Nation minimale Linderung verschaffen könnte, wird gnadenlos untersagt. Ausnahmen sind nicht vorgesehen  – dabei stellt Angela Merkels gesamte Flüchtlingspolitik seit 2015, erst recht aber die deutsche Zusage von vor einem Jahr zur Aufnahme eines Kontingents von 1.553 Flüchtlingen aus dem (erfolgreich selbstabgefackelten) Lager Moria, inmitten der Corona-Krise, einen einzigen fortgesetzten Ausnahmetatbestand dar; handelt es sich dabei doch um grundgesetzlich bzw. rechtlich nicht gedeckte politische Himmelfahrtsentscheidungen derselben Regierung, die jetzt für einen Spitzenclub im wichtigsten europäischen Turnier kein Auge zudrücken will machen will. Hier zeigt sich die pervertierte Prioritätensetzung einer auf allen Ebenen unverhältnismäßigen, grundsätzlich und gezielt den Interessen der eigenen Bevölkerung zuwiderlaufenden Politik.

Dass die Partie jetzt in Budapest stattfindet, bedeutet eine ebenso umständliche (mehr Kosten und Testaufwand bei Ein- und Ausreise), klimaschädliche (Flug- und Transportaufwand) wie epidemiologisch nicht minder riskante Ausweichlösung (es kommt zu denselben Kontakten zwischen Leipziger und Liverpooler Kickern, wie wenn das Spiel in Deutschland stattfinden würde). Hauptsache, die Regierung hat „verantwortungsvoll“ ihre eigenen Corona-Verordnungen penibel befolgt – während sie es mit Asylgesetzen nicht so genau nimmt. Und seit 2020 auch nicht mehr mit den Grundrechten. (DM)