Erbschaftsfragen in der „Zeit“: Zu viel verkehrter Reichtum in Deutschland

Neulich beim Pharmakonzern - Foto: Von alphaspirit.it/Shutterstock

Im Zentralorgan für linksintellektuelle Hirnerweichung, der in Hamburg erscheinenden „Zeit“, macht man sich wieder einmal Gedanken über das Geld der Anderen. Vorläufiges Zwischenergebnis: Erbschaften machen Vermögende in Deutschland noch reicher. Ist es die Möglichkeit? – Die Korrektur.

von Max Erdinger

Neid ist gar kein schöner Charakterzug. Als typisch deutsch gelten allerdings die immer wieder einmal losgetretenen Neiddebatten. Wozu die gut sein sollen, weiß vielleicht der Kuckuck. Sonst weiß es keiner.

Rund die Hälfte des vererbten Geldes geht an die reichsten zehn Prozent der Begünstigten. Damit verschärft sich Vermögensungleichheit.„, heißt es recht verschärft im „Zeit“- Blatt. Andererseits heißt es aber auch immer, Deutschland sei ein reiches Land. Wo aber das Land reich ist statt der Masse jener „die Menschen“, die in einem solchen Land wohnen, wird logischerweise auch nichts unerfreulich dadurch, daß in diesem Land die einen mehr Geld haben als die anderen, weil: Land. Es bleibt ja alles da. Im Land. Das ist direkt wundervoll, weil das Land dadurch reich bleibt. Wo also „Deutschland ist ein reiches Land“ als hochmoralisches Argument dafür angeführt wird, daß der Spitzensteuersatz schon beim 1,5-fachen eines Durchschnittseinkommens des „Landlers“ greift, während er vor fünfzig Jahren erst beim Sechzehnfachen (!) gegriffen hat, – und wenn das Argument vom reichen Land gut genug ist, um das Verschleudern von Milliarden und Abermilliarden an Steuereuros in andere Länder zu rechtfertigen, obwohl diese Euros in der Masse von denen fiskalisch konfisiziert worden sind, die beim Erben am ungünstigen Ende der „Vermögensungleichheit“ angesiedelt sind, dann zeigt ein „Zeit“-Artikel wie der gegenständliche hauptsächlich eines: Daß es den „Zeitlern“, die solche Artikel goutieren, mitnichten um eine ihrer zahlreichen „Gerechtigkeiten“ geht, sondern darum, zum Neid in einem „reichen Land“ anzustacheln, obwohl doch „reiches Land“ sonst immer bedeutet, daß es an der Kleptokratie des fetten Staats überhaupt nichts zu bekritteln gibt.

Das Geld der Anderen

Das Geld der Anderen ist ein Lieblingsthema der Linken. Das Leben der Anderen auch. Überhaupt stecken Linke gern ihre Nasen in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. In aller Regel sind Erbschaften das, was nach Abzug aller Steuern am Lebensende des Erblassers übrig geblieben ist. Das ist sein Vermögen. Mit dem kann er machen, was er will. Er könnte es verbrennen oder vererben, ganz egal. Es geht niemanden etwas an. Dennoch findet es der Linke „gerecht“, den Tod des Erblassers erneut zu besteuern, einfach deswegen, weil sein hinterlassenes Vermögen jemand erbt. Obwohl es doch trotzdem in jenem reichen Land bleibt, in dem schon alles in Butter ist, weil es eben reich ist. Auch wenn die Medianvermögen der „die Menschen“ im „reichen Land“ unter aller Sau sind.

So sehr interessiert man sich bei der „Zeit“ für die Ungleichheit, daß es sogar noch eine Kolumne von Marcel Fratzscher zum Thema gibt. Mit „Das Glück der Wenigen“ ist sie betitelt. Gemeint ist auch hier nicht das Glück weiger Feministinnen, die gut aussehen. Fratzscher: „Eine Erbschaft kann ein großes Glück sein, aber sie verschärft auch die Ungleichheit bei Vermögen und Chancen. Daher benötigen wir eine sachliche Diskussion zu diesem wichtigen Thema und keine Neiddebatte.

Sie hängt einem allmählich zum Hals heraus, diese linke Manie, ein „ich will“, „ich fordere“, „ich finde“ und ähnliches dauernd recht pseudoaltruistisch zu verkleiden als kollektives Bedürfnis. „Wir brauchen“, „wir müssen“, „wir dürfen nicht“ – oder eben „Wir benötigen“. Mit dem notorischen „wir“ lädt sich der Linke ständig selbst zu einer Party ein, auf der er eigentlich höchst unwillkommen ist. Er ist der Linke, nicht alle anderen. Von wegen „wir“. Dieser impertinente Partygast nervt außerdem mit seiner Unart, das,  was er wirklich will, dadurch zu bestreiten, daß er es einfach anders bezeichnet. Natürlich will Marcel Fratzscher eine Neiddebatte anstoßen. Weil er aber selbst genau weiß, welches Gerüchlein eine „Neiddebatte“ verströmt, nervt er jeden anderen Partygast mit der unhaltbaren Behauptung, es ginge ihm um eine „sachliche Diskussion“. Im gegenständlichen Fall hat er sogar noch die Chuzpe, weiter oben von „privaten Vermögen“ zu reden: „Ein großer Teil des gesamten privaten Vermögens in Deutschland ist nicht mit der eigenen Hände Arbeit erzielt worden, sondern durch Erbschaften oder Schenkungen zustande gekommen.“ – und überführt sich damit selbst der Unterbelichtung. Entweder weiß er nicht, was „privat“ heißt, oder er kann sich keine fünf Minuten merken, wovon er selbst geredet hat. Daß das Private politisch sei, ist nämlich selbst nichts weiter, als ein völlig willkürliches, linkes Postulat der Qualitätsklasse „Gott ist ein Grüner“. Nichts weiter, als eine präferenzutilitaristische Behauptung aus dem Blauen heraus. Privat ist privat, ganz egal, wozu es ein Linker verbiegen will.

Geld minus Leben

Was ein richtiger Ketzer ist, der könnte sogar argumentieren, daß, obwohl ein Vermögender durch eine Erbschaft „noch reicher“ wird, insgesamt dennoch von einem Minusgeschäft zu reden ist, welches im „reichen Land“ intern stattfindet, weil der Erblasser durch den Tod nicht nur sein Vermögen, sondern auch noch das Leben verliert. Die Rechnung geht so: Vermögen minus Leben ist weniger, als Vermögen plus Leben. Erblasser plus Erbe sind zwei „die Menschen“-Leben. Wenn nur das Vermögen transferiert wird, ein Leben aber verloren geht, steht unter dem Strich ein Verlust.

Man muß sich wundern, daß noch kein Linker, der von der staatlichen Allmacht überzeugt- und an der sozialen unter seinen Gerechtigkeiten besonders interessiert ist, auf die Idee gekommen ist, den Erben für den Verlust des geliebten Erblasserlebens aus der Staatskasse zu entschädigen, indem er zu jeder Erbschaft obendrein auch noch für eine materielle Kompensation aus der Staatskasse „kämpft“, die den summarischen Status Quo vor dem Erbfall wenigstens einigermaßen wieder herstellt im „reichen Land“. Eine solche Subvention ließe sich als „gutes Erbtrauer- Entschädigungsgeldgesetz“ todsicher gewinnbringend in Wählerstimmen verwandeln. Vielleicht auch nicht. Seit der Coronakrise wissen „wir“ schließlich, daß das Urteilsvermögen der zu Beerbenden arg begrenzt ist.

Aber gut, die „Zeit“ hat sich den Erbschmarren auch nicht selber ausgedacht, sondern sie wurde – wie sagt man da in linken Kreisen? – „inspiriert“ durch eine Studie des „Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung“ (DIW). Wahrscheinlich ist bei der „Zeit“ noch niemandem aufgefallen, daß diese Einrichtung längst „Deutsches Institut für Planwirtschaftsforschung“ (DIPW) heißen müsste. Immerhin ist aber die Studie noch jeder Umfrage unter den zu Beerbenden vorzuziehen. Wegen der Wissenschaftlichkeit in der Forschung.

Nach der Studie des DIW, der Universität Vechta und des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) haben in den vergangenen 15 Jahren rund zehn Prozent aller Erwachsenen geerbt oder eine größere Schenkung erhalten.“ – was wohl „zentrale Altersfragen“ sind? „Wo ist die Brille abgeblieben, die ich bräuchte, um meine Zähne wiederzufinden?“ – Fragen der Art vielleicht? – Na egal. Jedenfalls erhärtet sich der Verdacht, daß zehn Prozent Erbenglück relativ wenig sein könnten in einem „reichen Land“, weswegen besonders sterbeunwillige Alte, in den Wirtschaftswunderjahren bei asozialen Steuerquoten zu vererbungsfähigem Vermögen gekommen, bei den Impfungen gegen das Hirnvirus bevorzugt bedient werden sollen. In einer Gesellschaft von „die Menschen“, die als überaltert gilt, sollte sich die sozial besteuerungsfähige Zahl vermögender Erben, die sonst noch reicher werden würden, per Impfung der alten Erbgeldsäcke zügig von zehn auf fünfzig Prozent erhöhen lassen, damit die Linke ihre globalmenschlichen Wohltaten bequem auch künftig finanzieren kann, etwa, indem sie Radfahrkurse für lesbische Tutsiwitwen in Ruanda subventioniert und Kursleiter:innen dort hinschickt. Eine signifikante Erhöhung der Entwicklungshilfe an China ist auch schon längst überfällig. Von den 630 Millionen, die seit Jahr und Tag dorthin verschenkt werden, wird heute kein armer Kommunist mehr fett.

Meinereiner hat sich – zugegeben aus rein persönlicher Geldgier in einem schwachen Moment – auch schon überlegt, ob er Steuergelder abgreifen könnte, wenn er eine „Bürger:innen-Initiative zur Einfärbung von Windrädern in feminismus-lila“ gründen würde, hat den Gedanken aber wieder verworfen, als ihm klar wurde, daß er mehr dialektischer Idealist, als dialektischer Materialist ist.

Das Durchschnittserbe

Im Schnitt belief sich das Erbe pro Person auf rund 85.000 Euro„, weiß man bei der „Zeit“. Ja, da kommt man ins Grübeln in einem reichen Land. Es ist nämlich so: Wenn diese 85.000 Euro bei einem Erben landen, dann ist das schlecht, weil man mit 85.000 Euro auch einen ganzen Bundestagsabgeordneten für ein halbes Jahr bezahlen könnte, damit der sich überlegt, ob durch Erbschaften nicht die Vermögenden viel zu reich werden. Man könnte staatlicherseits auch einen großen Behälter mit Tränengas für die Wasserwerfer einkaufen, welche man zur Aufrechterhaltung der linksstaatlichen Ordnung so dringend braucht. Wenn man alle durchschnittlichen Erben fiskalisch enterbt, könnte man Tränengas sogar ins befreundete Ausland verschenken, damit die wiederum ihre eigene staatliche Ordnung sichern können. Ja, ich muß zugeben, auch mir kommen Zweifel, ob 85.000 vererbte Euros wirklich in die richtigen Hände kommen. Man liefe tatsächlich Gefahr, daß sich der Erbe einen gebrauchten SUV der Oberklasse damit kauft, obwohl er persönlich doch mit 85.000 Euro noch gar nicht zur linken Oberklasse gehört und tatsächlich keinen SUV braucht, um zur Jagdhütte des Bundestagsabgeordneten zu kommen. Da könnte tatsächlich etwas aus dem Ruder laufen. Als „Zeit“-Linker hat man doch lieber alles unter Kontrolle. Als zentraler Planwirtschaftsforscher sowieso.

Sagenhaft: Die Planwirtschaftsforschung

Die „Zeit“ zitiert den Planwissenschaftsforscher Markus Grabka von einem der Zentren, Altersfragen oder Planwirtschaft, egal jetzt. Jedenfalls ein kluger Kopf. Er hat herausgefunden: „Doch gleichzeitig wird der Abstand beim Vermögen zwischen denen, die erben, und denen, die leer ausgehen, immer größer.“ – das ist zugegenermaßen schwer nachvollziehen. Fangen „wir“ also mit einer kleinen Summe an und stellen uns eine Rechenaufgabe: Wenn Fritz und Ndugu jeweils Null Euro haben, jemand dem Fritz aber fünf Euro vererbt, was ist das dann? – Nein, Rassismus ist die falsche Antwort. Das ist materielle Ungleichheit zwischen einem weißen Vermögenden, der „noch reicher“ wird, und einem nicht so weißen Armen mit großen Nasenlöchern. Wie groß ist aber der Vermögensabstand zwischen Fritz und Ndugu? Das ist ja die eigentliche Frage! – Genau: Fünf Euro.

Das rechnen „wir“ jetzt hoch auf eine richtige Durchschnittserbschaft von 85.000 Euro, die schon wieder der Ndugu nicht bekommt. Um wieviele Euros ist Fritz der Kolonialist reicher als der Ausgebeutete? – Um die Höhe seiner Durchschnittserbschaft ist er reicher, genau 85.000 Euro. Ist das gerecht? – „Wir“ fragen bei einer linken Feministin nach, weil es keine anderen Feministinnen gibt. Antwort: Das ist absolut gerecht, weil der Ndugu sein geerbtes Geld nicht mit seiner, sondern mit anderen Frauen durchbringt und 25 außereheliche Kinder zeugt, anstatt sein theoretisches Durchschnittserbe brav bei seiner lieben Frau abzuliefern. Na ja, linke Feministinnen sind ja auch bekannt für ihre geschlechterrassistischen Vorurteile. Was aber nichts macht, weil trotzdem immer stimmt, was sie sagen. Genau genommen haben die, um jeder Ungleicheit vorzubeugen, genauso recht wie die Expert:innen von der zentralen Planwirtschaftsforschung.

Entwarnung

So, jetzt haben „wir“ wieder viel Zeit mit einem „Zeit“-Artikel verschwendet, in dem es – wie üblich – um nichts von Relevanz gegangen ist. Weil linke Gerechtigkeits-Befindlichkeiten einfach keine Relevanz mehr haben in einer Gesellschaft fiskalisch ausgeplünderter „die Menschen“. Da ist der soziale Gerechtigkeitskäse nämlich längst gegessen. Deshalb lehnen „wir“ uns einfach entspannt zurück, gießen noch etwas heißes Wasser über unsere selbstgepflückten Brennesseln in der Tasse, und murmeln glücklich, weil uns der Ökostrom für den Wasserkocher noch nicht abgestellt worden ist: „Deutschland ist ein reiches Land. Alles in Butter“.