Corona mutiert zum Schnupfen? Bei Dr. Drosten ist die Wahrheit eine Frage des Datums

Dr. Drosten beim Verkünden der "Wahrheit" (Foto:Imago/xim.gs)

Die stärksten Verbündeten der Pandemie, Angst und Vergesslichkeit, sorgen weiterhin zuverlässig dafür, dass sich kein Mensch mehr an das erinnert und für das interessiert, was ihm gestern dieselben Panikmacher erzählt haben, auf die er auch heute hört. Und so kommt es, dass niemand mehr auf dem Schirm hat, was vor wenigen Monaten dieselben Spezialisten über Corona-Mutationen zu sagen hatten, die uns heute damit den nächsten Lockdown (im Auftrag ihrer Brotgeber und Regierungsherren) als alternativlos zurechtschmücken.

Christian Drosten, Heilige Kuh der deutschen Virologie, steht ihm Ruf, führender Wissenschaftler und qualifizierter Fahrensmann in dieser Pandemie zu sein. Anfangs sorgte er mit seinem Corona-Podcast beim NDR – einem in dieser Form völlig neuartigen Medienformat – für eine Art Krisen-Infotainment, indem er die Deutschen über den wissenschaftlichen Forschungsstand scheinbar unvoreingenommen aufklärte. Doch Drosten selbst mutierte bald und in zunehmendem Tempo – und zwar vom distanziert-kritischen Zuschauer zum Player, vom Forscher zum wichtigsten Regierungsratgeber. Ruhm, Einfluss und gesellschaftlicher Status wirken auch auf den unabhängigsten Geist früher oder später korrumptiv – so dass auch Drosten bald seine Worte abwog und in zunehmendem Maß an den Erwartungen der Politik ausrichtete.

Inzwischen hat der Mann mehr von einem Kaffeesatzleser als von einem Forscher. Ernst nehmen kann ihn nur noch der, wer am besten immer schnell das vergisst, was er in der Vergangenheit zum jeweiligen Thema geäußert hat – denn es steht immer öfter in Widerspruch zu dem, was er gerade aktuell zu sagen hat. Das war beim Sinn der Masken so, bei Infektionsausbreitung in Schulen und Kitas während des ersten Lockdowns, beim angeblich letzten Sommer bevorstehenden millionenfachen Covid-Massensterben in Afrika – und interessanterweise auch bei den Corona-Mutanten, die – laut seinen jüngsten Visionen – im Sommer zu 100.000 Neuinfektionen täglich führen könnten.

Im August hörte sich das bei Drosten noch ganz anders an: Da bezeichnete er die Virusmutationen als nachgerade positiven Effekt der Adaption des Erregers an seinen Wirt und als „Chance„. In seinem 47. Podcast vom 9. Juni unter dem bezeichnenden Titel „Mutationen können auch Hoffnung bieten“ führte er aus: „Und dieses Anpassen, das kann eben durch zueinander Zufügen von unterschiedlichen Mutationen in unterschiedlichen Populationsabteilungen passieren. Und die phänotypischen Veränderungen, die dabei entstehen können, wären zum Beispiel, dass das Virus noch besser in der Nase repliziert und besser übertragen wird. Aber in der Nase werden wir nicht allzu krank davon. Das heißt, das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich für die Lunge gar nicht mehr interessiert. So etwas könnte passieren.

Corona wird offenbar wirklich harmloser

Corona wird irgendwann zum Schnupfen! So lautete in der Folge dieser Sendung dann die zentrale und tröstliche Schlagzeile, die sogleich viele Medien aufgriffen – und Drosten wieder einmal in aller Munde brachten. Interessanterweise scheint jetzt, acht Monate später, genau das zu passieren: Obwohl sich die so hochinfektiösen Mutationen aus Großbritannien und auch teilweise Südafrika doch so rasant ausbreiten und die „klassischen“ Virenstämme verdrängen (die ihrerseits ja auch schon aus tausenden „Mutanten“ bestanden), gehen die Infektionszahlen stark zurück – ebenso wie die belegten Intensivbetten, und zwar bundesweit. Wenn sich derzeit irgendein Effekt der Mutationen, insbesondere der britischen Variante B.1.1.7  bemerkbar macht, dann der, dass das Virus gerade an Gefährlichkeit verliert und auf dem Rückzug ist.

Das ist freilich das EXAKTE Gegenteil dessen, was uns die Bundesregierung und die kongenial mutverblendeten Corona-Hardliner auf Länderebene erzählen, derzeit gerade wieder mit höchster alarmistischer Eindringlichkeit – gilt es doch darum, den propagierten Notstand zu perpetuieren und das unumstößliche Ziel – Lockdown-Verlängerung um jeden Preis und Verhinderung jeglicher Renormalisierung – unter keinen Umständen zu gefährden. Assistiert bekommen sie dabei von den handverlesenen Katastrophenexperten, deren Beratungsdienste uns schon die vier vorherigen „Nachspielzeiten“ des eigentlich doch nur für vier Novemberwochen geplanten, damaligen „Lockdown Light“ eingebrockt haben – und die jetzt, wie von ihnen erwartet, die „Mutanten“ zur der Schreck-Chiffre ausrufen, die zuvor „sterbende Großeltern“, „Triage“, „Hochrisiko-Cluster“ und „exponentielles Wachstum“ Einnahmen.

Das Verrücke ist: Wenn Corona trotz weiterer Ausbreitung immer harmloser und somit tatsächlich zum Schnupfen mutiert, dann hätte Drosten mit seiner Prognose  ausnahmsweise sogar recht behalten. Dass er sich nun trotzdem selbst widerspricht, ist leider typisch für ihn. „So ist Wissenschaft“, wird er vermutlich entgegnen. (DM)