Pleite-Flughafen Berlin: Kaum eröffnet, schon Sanierungsfall

Tote Hose am BER (Foto:Imago/FutureImage)

Statt eines immer weiteren öffentlichen Finanzbedarfs während der Endlos-Bau- und Sanierungsphase des Berliner Pannenflughafens BER setzt sich das Trauerspiel auch nach dessen Eröffnung fort: Gerade einmal drei Monate, nachdem Deutschlands blamabelstes Verkehrsgroßprojekt mit acht Jahren Verspätung seinen Betrieb aufgenommen hatte, ist die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) bereits finanziell am Ende – und braucht Mittel, mit denen ein komplett neuer Flughafen gebaut werden könnte.

Wegen eingebrochener Passagierzahlen ruft die FBB nach staatlichen Finanzhilfen. Es kommt wie befürchtet: Das einstige vermeintliche Prestigeprojekt Hauptstadtflughafen ist auch nach seiner Eröffnung ein dauerhafter Sanierungsfall. Wie der „Tagesspiegel“ schreibt, braucht der Betreiber bis zu 3,5 Milliarden Euro von seinen öffentlichen Trägern (Bund, Berlin und Brandenburg, die jeweils ungefähr ein Drittel der Anteile halten).

Waren jahrelanges Missmanagement und Pfusch am Bau für explodierende Kosten und permanenten Nachschussbedarf an Steuermitteln verantwortlich, so sind es jetzt ausbleibende Passagierzahlen infolge der Corona-Krise, mit denen die Not begründet wird. Der als Wunderknabe und Retter gepriesene FBB-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup jammert laut „Welt„: „Wir können diese Ausfälle zum Teil durch Einsparungen und aufgeschobene Investitionen kompensieren, aber nicht komplett. Deshalb muss die FBB auf ein Schuldenniveau kommen, das auf Dauer tragfähig ist, unter den neuen Bedingungen“. Als Folge dieser Einsparungen fegt dann etwa durch das neue Terminal „ein eisiger Wind„, wie die Zeitung schreibt – was angesichts fehlender Passagiere jedoch sowie nicht ins Gewicht fällt.

Schuldenbedarf im Gegenwert eines komplett neuen Flughafens

Tatsächlich ist der Einbruch im Fracht- und Passagieraufkommen an deutschen Flughäfen drastisch, in Frankfurt etwa sanken die Abfertigungszahlen 2020 etwa um über 80

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Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vergleichswerte liegen für den BER noch nicht vor, aber aufgrund des hohen normalen Touristenflugverkehrs an die Spree, der infolge der Pandemie praktisch komplett weggebrochen ist, dürfte der Corona-Effekt dort noch schwerwiegender sein. Allerdings kommt dieser nicht überraschend, so dass die Unterfinanzierung des BER schon länger bekannt gewesen sein muss – ebenso wie die riesigen, milliardenschweren Altlasten aus der Umbauphase bis zur verzögerten Eröffnung.

Anscheinend wandte die Politik hier die klassische Salamitaktik an, um der Öffentlichkeit vor der Aufnahme des Regelbetriebs Anfang November das wahre Ausmaß der Schulden zu verschweigen. Angesichts der gesamtwirtschaftlich Tag für Tag durch die Corona-Politik angerichteten Schäden jedoch fällt dieser Klotz am Ende auch nicht mehr ins Gewicht… (DM)