Wer hätte das gedacht: Massenandrang auf Psychotherapeuten

Urlaubsfoto 2021 (Foto: Von Gargonia/Shutterstock

Berlin – Über die Kollateralschäden, wie zum Beispiel die Höhe der Selbstmordrate während der Pandemie, wird beharrlich geschwiegen, werden sogar so genannte „Faktenschinder“ losgeschickt, die entsprechende Meldungen als Fake News abtun. Doch die Wahrheit kommt immer ans Tageslicht:

Die Nachfrage nach psychotherapeutischer Beratung hat in der Coronakrise stark zugenommen. Da aber Behandlungskapazitäten fehlen, bleiben immer mehr Ratsuchende auf der Strecke, so das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) unter ihren Mitgliedern. Die FAZ (Freitagausgabe) berichtet darüber.

Aus den Antworten von fast 4.700 Teilnehmern – 40 Prozent der Angeschriebenen – geht hervor, dass die Zahl der Anfragen nach psychotherapeutischer Beratung im Januar im Vorjahresvergleich um fast 41 Prozent zugenommen hat. In den Privatpraxen hat der Andrang sogar um 61 Prozent zugelegt. Im Durchschnitt verzeichnen alle Praxen jetzt 6,9 Anfragen in der Woche; die Menge der Therapeuten, die mehr als 10 Anfragen erhalten, hat sich seit Januar 2020 verdoppelt.

„Die Nachfrage nach Psychotherapie hat während der Corona-Pandemie stark zugenommen“, sagte Gebhard Hentschel, der Vorsitzende des Verbands, der FAZ. „Die Praxen unserer Mitglieder werden förmlich überrannt.“ Der Andrang führe dazu, dass nur jeder Zehnte einen Behandlungsplatz innerhalb eines Monats erhalte. Der Beratungsbedarf ist auch bei Minderjährigen groß, wie die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten berichten, die 17 Prozent der Umfrageteilnehmer stellten.

Am Mittwoch hatte die sogenannte Copsy-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf ergeben, dass fast jedes dritte Kind ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie psychische Auffälligkeiten zeigt. Bauchweh und Kopfschmerzen seien die häufigsten körperlichen Symptome, hieß es.

Und wenn wir wissen, dass knapp 20 Millionen Menschen in Deutschland alleine leben und auf Grund der Pandemie-Beschlüsse völlig isoliert sind, wissen wir auch, dass das nur die Spitze des Eisberges ist, der gerade mit voller Wucht und einer blinden Kapitänin gerammt wird. (Mit Material von dts)