Offene Rebellion: Gesundheitsämter wollen Merkels Pandemiesoftware nicht einsetzen

Gesundheitsamt (Symbolfoto shutterstock.com/Von Tupungato)

Mit SORMAS sollen die Gesundheitsämter Kontakte von Corona-„Infizierten“ effizienter identifizieren und nachverfolgen können. In einer von Merkels unzähligen „Bund-Länder-Konferenzen“ wurde die deutschlandweite Einführung der neuen Software in allen Gesundheitsämtern bis Ende Februar beschlossen. Und auch dieses Projekt: Ein Rohrkrepierer. Weniger als die Hälfte sind bislang vernetzt. Mittlerweile rebellieren Gesundheitsämter offen gegen Merkels „Pandemie-Software“.

„Das Projekt SORMAS@DEMIS, unter Leitung des Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und unter aktiver Beteiligung des Robert Koch-Instituts (RKI), soll eine integrierte Anwendung auf den Weg bringen, die die Gesundheitsämter im Kontaktpersonenmanagement (KPM) bei der schnellen und effizienten Ermittlung von Kontaktketten unterstützt und entlastet“, heißt es staatstragend auf der Internetseite von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Ende Januar wurde durch die Corona-Kanzlerin auf einer ihrer mittlerweile unzähligen „Bund-Länder-Konferenzen“ entschieden, dass SORMAS – ganz wie ihre Corona-Impfstoffe – in Windeseile – sprich bis Ende Februar – in allen Gesundheitsämtern eingeführt werden müsse. Einmal mehr bestätigt sich nun, dass diese Regierung nur durch die Anzahl ihrer Misserfolge glänzt: Zwei Wochen vor Ablauf der von Merkel gesetzten Frist sind weniger als die Hälfte der Gesundheitsämter über an das Sormas-System angeschlossen. Das erklärt Spahns Ministerium gegenüber dem Medienportal t-online am Freitag. Nur das rot-regierte Bremen und die rot-rot-grünen Genossen in Berlin haben angeblich alle zwei beziehungsweise zwölf Gesundheitsämter an das System angeschlossen.

Wie das Portal weiter berichtet kommt es neben der Kritik an der Software in Gesundheitsämtern sogar zu offenen Rebellion. „Wir wollen und werden Sormas nicht benutzen“, teilt Patrick Larscheid gegenüber t-online mit. Larscheid, Amtsarzt im Berliner Bezirk Reinickendorf und in dieser Funktion für das Gesundheitsamt zuständig, verwendet dort zwei Systeme, mit denen die Gesundheitsämter auch die Infektionszahlen an Bund, Länder und an das Robert Koch-Institut übermitteln: Survnet und Demis. Diese Systeme seien erprobt, sicher und anwenderfreundlich, so Larscheid. „Kein Mensch braucht Sormas. Survnet und Demis können alles, was Sormas auch kann.“ Man wolle ein funktionierendes System nicht mitten in der Pandemie wechseln, so die Ansage zu einem weiteren von Merkels unzählig gescheiterten Vorhaben. (SB)