Nächste Lockdown-Lüge wackelt: Die Kontaktnachverfolgung war nie in Gefahr

Kontrolle der Ausgangsregeln im Berliner Mauerpark (Foto:Imago/Seeliger)

Welche Riesenverarschung wird uns hier eigentlich zugemutet? Nicht genug damit, dass das – zur Rechtfertigung des zweiten Lockdowns ausdrücklich stets angeführte – Ziel des Inzidenzwerts von 50 sang- und klanglos auf den Wert 35 abgesenkt wurde, von dem ab sofort Lockerungen abgängig gemacht werden sollen. Nun gibt der erste Gesundheitsamtschef ganz unumwunden zu, dass die Kontaktnachverfolgung wohl nie ein reales Problem gewesen ist. 

Wie bitte? Hatte die Regierung die Inzidenzschwellen nicht stets damit begründet, erst bei ihrer Unterschreitung sei wieder die Nachverfolgung von Risikokontakten möglich – und daher an die unbedingte Mitwirkung und Solidarität der Bevölkerung appelliert, zur Senkung der Fälle aktiv beizutragen? War nicht dies auch eine der Hauptargumente für den 100-Millionen-Rohrkrepierer „Corona-Warn-App“ gewesen?

Nun verlautbart der Chef des Gesundheitsamt im hessischen Offenbach, Bernhard Bonhoffen, ganz Erstaunliches: Gegenüber der „Welt“ erklärt er, jedenfalls in seinem Amtsbezirk habe es „trotz hoher Zahlen keinen Kontrollverlust bei der Nachverfolgung“ gegeben. Und das ausgerechnet in einer der deutschen Großstädte mit der höchsten Migrationsquote, die eine entsprechend intensive Reisetätigkeit aufweisen; denn kehren die betreffenden Personen und Familien von „Heimaturlauben“ aus den Herkunftsstaaten zurück, die Risikoregionen sind oder in denen eine hohe Inzidenz herrscht, dann schleppen sie das Virus eigentlich immer wieder neu ein.

Laut Bornhofen stieg die Inzidenz daher im November auf den Wert 388 – und das trotz der landesweit strengsten Corona-Maßnahmen in ganz Hessen. „Man kann also schwerlich behaupten, dass damals die Gesamtlage unter Kontrolle war„, so der Amtsleiter – „aber die Kontrolle über die Fälle haben wir auch bei 388 behalten.“ Grund dafür sei eine besondere kommunale Strategie gewesen: Zeitnahe Nachverfolgung – und massive Aufstockung des Personals.

Wenn dies also in Offenbach funktionierte, wieso – diese Frage stellt sich hier zwingend – wurde das Modell dann nicht anderswo kopiert, idealerweise bundesweit, und damit eines der zentralen Argumente der Befürworter des angeblich „alternativlosen“ Lockdown a priori entkräftet? Vielleicht deshalb, weil die Kontaktnachverfolgung – so wie zuvor Verdoppelungsintervalle, R-Werte und ITS-Belegungen – nur ein vorgeschobenes Kriterium zur Aufrechterhaltung des Ausnahmezustands war?  (DM)