Mutation & Professorenzwist: Homburg im Krieg mit Lauterbach?

Karl Lauterbach (Foto:TropenVerlag/SPDPresse)

Der Gesundheitsexperte der SPD, Prof. Karl Lauterbach, spricht von einer Bedrohung durch exponentielles Wachstum der Virusmutanten im Ausland. In Südafrika, Brasilien und dem Vereinigten Königreich mutiere das Virus mit stetig sich steigernder Geschwindigkeit zur tödlichen Bedrohung, warnt der SPD-Experte. Doch Prof. Lauterbach hat einen kundigen Widersacher, Herrn Prof. Stefan Homburg, seines Zeichens Professor für Statistik. Prof. Homburg präsentierte nun Datenmaterial aus den fraglichen Ländern, welches die Verlautbarungen des lauteren Gesundheitsexperten Lauterbach wie unlauteres Geplätscher klingen lassen. Die Popularität des Dauerlockdowns scheint bedroht zu sein, weniger die Volksgesundheit. Der Frontbericht vom akademischen Schlachtfeld.

von Max Erdinger

In Deutschland geht es gesittet zu. Man hat sein Virus, seinen Lockdown und einen Prof. Lauterbach, der in bald jeder Talkshow dafür sorgt, daß die dummen „Coronaleugner“ ihr Fett abbekommen. So gut macht er das, daß man vor lauter deutscher Sittlichkeit kaum noch andere Professoren zu Wort kommen läßt. Prof. Lauterbach ist der Hansdampf in allen verseuchten Gassen, ein wahrer Tausendsassa. Schwere Zeiten für jene akademischen Minderexperten, die dem Lauterbach das Wasser nicht reichen können. Niemand malt solche eindrucksvollen Horrorbilder wie der Gesundheitsexperte von der SPD. Der Mann ist schließlich Gesundheitsökonom.

Als die Strahlkraft des Wortes „Virus“ dennoch nachließ, die allgemeine Akzeptanz für Lockdown, Inzidenz und Buntländerkonferenz allmählich schwand, mußte ein gefährlicher klingendes Wort zur Wahrung von Moral und Sittlichkeit gefunden werden, am besten eines, das einen Feind aus dem Ausland beschreibt. Es gelten nämlich eherne Regeln in der Politik. Eine davon ist, daß sich das eigene Volk am besten um seine Führung scharen läßt, wenn es sich aus dem Ausland bedroht fühlt. Das neue Wort: Mutant. Englischer Mutant, südafrikanischer Mutant, brasilianischer Mutant. Der Sache nach ist der Mutant zwar nichts anderes als ein mutiertes Virus, völlig normal also, weil mit der Zeit alle Viren mutieren, aber „Mutant“ klingt bedrohlicher. In der bunten Republik der Gefühlsdominierten zählt nämlich nicht mehr, was etwas ist, sondern welche Gefühle es macht. Wenn sich der Mutant obendrein noch im Ausland aufhält, dann entsteht tendenziell so ein allgemeines Bedrohungs- und Kriegsgefühl, welches zur untertänigen Gefühlsflucht unter die Fittiche jener Nationalexperten führt, die den Krieg gegen das eigene Volk zu gewinnen versprechen. Daß sie kaum jemals eines ihrer Versprechen gehalten haben, gerät in solchen Situationen regelmäßig in Vergessenheit. Jedenfalls ist die Bedrohung aus dem Ausland zur Aufrechterhaltung der ängstlichen Fügsamkeit umso nützlicher, je furchterregender sie daherkommt. Ein richtiges Fürchtewort ist „exponentiell“. Der gräßliche Mutant vermehre sich exponentiell im Ausland, hieß es deswegen vom SPD-Gesundheitsökonomen, dem lautersten Gesundheitsexperten auf dem gesamten Erdenrund. Gefühlt ist das „exponentielle Wachstum der Mutanten im Ausland“ etwa das gleiche wie „der Feind verlegt eine Kompanie nach der anderen an unsere Landesgrenzen“.

„Wehrkraftzersetzung“

Doch überall, wo sich das Volk gegen die gemeinsame Bedrohung aus dem Ausland eint, so lehrt es die Geschichte, wächst auch die Wehrkraftzersetzung. Dieser Tage kommt sie von Verfassungsrechtlern, Verwaltungsrichtern, Rechtsanwälten, „Querdenkern“ und Statistikern. Die schärfste Zersetzungswaffe des Statistikers sind nüchterne Daten. Und Professor Stefan Homburg von der Leibniz-Universität in Hannover hat nüchterne Daten zu Virus, Pandemie, Sterbefällen, Mutanten, Neuinfektionen, Kokolores und Ausland en masse gesammelt.

Bei Twitter verschoß er gestern viel seiner zersetzenden Datenmunition gegen die Lauterbachschen. Die ausländischen Mutanten haben sich demzufolge seit dem 1. Januar nicht exponentiell vermehrt, sondern fast schon exponentiell verringert, wie sich einer Grafik für die Länder Südafrika, Brasilien und das Vereinigte Königreich entnehmen läßt. Und als ob das der Wehrkraftzersetzung bei den Lauterbachschen noch nicht genug gewesen wäre, schickte Professor Homburg gleich noch einen Kommentar hinterher, daß den Mutationsgläubigen das Blut in den Adern gefroren sein muß.

Professor Homburg: „Die Panikmache von #Team Lauterbach stützt sich auf Mutationen in Brasilien, Südafrika und UK, die sich angeblich exponentiell verbreiten.“ Darunter dann die Grafik, die das exakte Gegenteil zeigt. „Vergleichen Sie dieses #Gaslighting mit der Realität.“ Und weiter: „Hier die Quelle zum Nachprüfen“ – Die Quelle als solche sollte eigentlich etwas sein, an dem jeder Bach ein großes Interesse hat, besonders dann, wenn sie in der Johns-Hopkins-Universität sprudelt. – Professor Homburg: „Der Unterschied zwischen #Team Lauterbach und mir besteht darin, dass ich mit Fakten arbeite und nicht ständig Horrorphantasien und Worte wie „könnte“ oder „vielleicht“ benutze.

Bestimmt haben die Lauterbachschen nach dem wehrkraftzersetzenden Beschuß durch den Statistikprofessor aus Hannover aufgeregt gegackert wie die Hühner im Luftschutzbunker. Nicht wenige der Lauterbachschen Hähnchen dürften verzweifelt gekräht haben, daß es doch möglich gewesen sein müßte, den Twitter-Account von Professor Homburg stillzulegen. Bei Donald Trump sei das doch schließlich auch gegangen.

Auf jeden Fall bekamen sie aber auch so die sofortige Unterstützung durch das mutierte  Gegacker eines schwerstmoralischen Gefühlshuhns, und ich schwöre, daß ich niemals behaupten würde, das habe damit zu tun, daß ein Huhn eben kein Hahn sei. Eine Frau Silke Döring sprang den in Bedrängnis geratenen Lauterbachschen bei, indem sie dem wehrkraftzersetzenden Professor Homburg ordentlich die Leviten las. Hier der Tweet von Frau Silke Döring, so, wie er bei Twitter zu lesen ist: „Ist Das ihr ernst??? Na da freuen sich aber Alle Corona Toten und Betroffenen über Ihre Anteilnahme. Schämen sollten Sie sich in Grund und Boden.“ – So rummst und kracht es, wenn das letzte Aufgebot der sittsamen Gefühlshitlerei zurückschießt.

Wenn mich die Erinnerung nicht trügt, dann habe ich früher schon oft geschrieben, daß die ignorante Gefühligkeit und der grassierende Präferenzutilitarismus, mit dem die „emotional Intelligenten“ ihre Sittlichkeitsempfindungen pseudorational zu rechtfertigen versuchen, die wesentlich gefährlichere Seuche sind. Es gäbe auch Daten dazu. Man bräuchte nur die Zahl der Windräder hierzulande durch die Vielzahl der sozial konstruierten Geschlechter teilen, mit dem 1,5-fachen Lauterbachfaktor zu multiplizieren und den Prozentwert grüner Wahlergebnisse im Hintergrund addieren, dann die Wurzel der Kanzlerin ziehen – und schon hätte man die Daten, die den durchschnittlichen Geisteszustand im Lande einwandfrei belegen. Rein gefühlsmäßig würde ich aber sagen, daß wohl kaum ein deutscher Furchtsamkeitssittlicher ernsthaft am Ergebnis interessiert ist. Die Lauterbachschen sowieso nicht.