Höchst brisant: Warum ich kein Gutmensch mehr bin

Zwischen Idealismus und Verantwortung: Freiheitliche Werte statt Doppelmoral! / von Nicole Höchst 

Es gibt einen Unterschied zwischen „guter Mensch“ und Gutmensch. Ein guter Mensch handelt eigeninitiativ aus freien Stücken und selbstlos. Ein Gutmensch will andere zwingen, ihm im Handeln zu folgen – zum eigenen Nutzen. Einst war ich sicher „Gutmensch“. Diese Überheblichkeit hatten wir bereits in der Schule so gelernt. Wir hatten gelernt, uns moralisch über unsere Großeltern zu erheben, die das damals alles mitgemacht oder zugelassen haben, oder sogar mitgejubelt, „Heil!“ und „Hurra!“ geschrieen haben. Uns wäre das natürlich niemals passiert… nein, niemals! Never ever!

Gierig haben wir Kulturrelativismus an Schule und Gymnasium in uns aufgesogen: Alle Menschen, alle Kulturen waren uneingeschränkt gleich gut. Kopftuch und Vollverschleierung gingen als zu akzeptierende kulturelle Eigenart durch. Die Rechtsprechung entwickelte für Ehrenmorde und ähnlich ausgeprägte kulturelle Eigenarten ein besonderes Verständnis, das sich in der Zubilligung des gerne zitierten „Verbotsirrtums“ niederschlug: Das konnte der arme Täter ja nicht wissen, dass dieses oder jenes in Deutschland nicht geht – schließlich gilt dies in seiner Kultur ja als normal. Räusper, Zwinker! Uns deutschen Kindern hingegen hatte man in den 70ern noch den Grundsatz eingetrichtert „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“.

Die „mildernden Umstände“ durch einen „Bonus“ für Straftäter aus anderen Kulturkreisen war meine erste moralische Karambolage mit einer Gesellschaft, die es offensichtlich völlig normal fand, wenn ein Mörder mit hinreichend „archaisch“ geprägtem Hintergrund für den Mord an seiner Schwester/Tochter/Frau vor deutschen Gerichten Strafermäßigung erhielt. Doch es war nur der Anfang, viele weitere solcher Karambolagen sollten folgen.

Karambolagen mit der Mehrheitsgesellschaft

Um ehrlich zu sein: Ich halte mich immer noch für einen guten Menschen: Für eine gesetzestreue, ethisch fest in den christlichen Werten verankerte Person mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Gutmensch hingegen war ich einst, weil ich das Gefühl hatte, dadurch Menschen zu finden, deren Werte mit meinen eigenen übereinstimmten. Ich lehne Rassismus jeder Art entschieden ab, ich lehne die Ausgrenzung eines jeden Menschen aufgrund seines Geschlechts, seines Alters, seiner Beeinträchtigung, seiner politischen Überzeugungen oder seiner sexuellen Orientierung entschieden ab. Ich lehne tyrannisches Gruppendenken ab, ich lehne von Herzen ein System ab, das es einem ehrgeizigen, falsch informierten und dogmatischen Mob ermöglicht, die Redefreiheit zu unterdrücken, falsche Narrative zu schaffen und apathisch über die Wahrheit hinwegzutrampeln. Ich lehne es entschieden ab, Pseudo-Wissenschaft und Aberglauben zu akzeptieren, um ideologische Vorhaben voranzutreiben. Und ich lehne Hass ab.

All das sind die Gründe, warum ich früher wohl ein zutiefst überzeugter Gutmensch war – und es sind zugleich die Gründe, aus denen ich mich vor einiger Zeit vom Gutenmenschentum verabschiedet habe und diesem mittlerweile mehr als kritisch gegenüberstehe. Seit Jahren beobachte ich, wie sich die Gutmenschen – egal ob bei Linken, Grünen, SPD, FDP und erschreckenderweise auch bei der CDU/CSU – ein intolerantes, unflexibles, unlogisches, hasserfülltes, fehlgeleitetes, schlecht informiertes, zutiefst antideutsches, heuchlerisches, bedrohliches, gefühlloses, ignorantes, engstirniges und bisweilen eklatant faschistisches Verhalten (und die dazugehörige Rhetorik) zu eigen gemacht haben.

Ich prangere an, dass der Linksliberalismus nicht mehr nächstenliebend, frei, offen und progressiv ist. Allzu offensichtlich wurde er von genau den negativen Eigenschaften, gegen die anzukämpfen er behauptet, vereinnahmt und komplett absorbiert. Seit Jahren beobachte ich, wie die Menschen der linksgrünen Einheitspartei, welche sich aus dem gesamten Parteienspektrum mit Ausnahme der Alternative für Deutschland speist, von Vorurteilen und  Bigotterie – und zwar der eigenen wie auch der gleichdenkenden Menschen um sie herum  – berauscht und betäubt werden. Wie hypnotisiert gleiten sie auf einer Abwärtsspirale immer tiefer in die kognitive Dissonanz ab. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie hart auf dem Boden der Realität aufschlagen – auch wenn sie es selbst nicht wahrhaben wollen. Und am Ende will es wieder keiner gewesen sein.

Abwärtsspirale in die kognitive Dissonanz

Ich beobachte, wie diese ehemals vernünftigen Menschen, die behaupten, Rassismus abzulehnen, genau die Prinzipien des Hasses verkörpern und vorleben, gegen die sie angeblich kämpfen. Sie schieben in einem gnadenlosen Akt von umgekehrten Rassismus alle Probleme der Gesellschaft, am besten gleich der ganzen Welt auf Menschen mit weißer Haut. Dass sie sich dabei selbst widersprechen, ficht sie nicht an; nicht sein kann, was nicht sein darf. Prominentes Beispiel gefällig – kennen Sie BIPoC? „BIPoCist die Abkürzung von Black, Indigenous,People of Colorund bedeutet auf Deutsch Schwarz, Indigen und der Begriff People of Color wird nicht übersetzt. All diese Begriffe sind politische Selbstbezeichnungen. Das bedeutet, sie sind aus einem Widerstand entstanden und stehen bis heute für die Kämpfe gegen diese Unterdrückungen und für mehr Gleichberechtigung“. So definiert der Migrationsrat Berlin e.V. diese ideologische Wortschöpfung.

Spannend ist, dass anscheinend keiner kapiert oder kapieren will, sich diese völlig einseitige Definition, wie sie uns ja nicht erst seit der „Black Lives Matter“- Bewegung eingekeult werden soll, frühere Stereotype einfach nur um 180 Grad umkehrt.  „Rassismus geht nicht gegen Weiße“ tönt es plunzdumm in sämtlichen Gremien. Dabei haben die blitzgescheiten Weltenretter und Gesellschaftsklempter nicht berücksichtigt, wer die „indigenen Menschen“ von Europa sind: nämlich, tatatataaaa!, Weiße. So etwas kommt dabei heraus, wenn man ohne nachzudenken und gänzlich unreflektiert gängige Unterdrückungsmechanismen eins zu eins aus den USA übernimmt…wo die Situation überhaupt nicht mit der in Europa vergleichbar ist: Dort kamen weiße Europäer an, siedelten, unterwarfen und dezimierten die einheimische Bevölkerung.

In Europa sind die weißen Europäer die Ureinwohner – und die Siedler, Unterwerfer und Dezimierer kommen von anderswo her und verhalten sich somit, ganz in Analogie zum BLM-Geschichtsnarrativ, urrassistisch gegenüber den „hier schon länger lebenden“ Ureinwohnern. Ich denke, es wäre höchste Zeit, dass darauf jeder einmal in Ruhe herumdenkt – damit es auch hier später nicht irgendwann heißt, es hätte ja niemand kommen sehen können, dass weiße, in Europa indigene Menschen eines Tages in Reservaten (nach dem Vorbild der Native Americans in den USA) vegetieren; oder sie gar – provokant überspitzt – in Zoos wie in der Dystopie „Planet der Affen „ihr Dasein fristen würden. Gewiß, niemand weiß, was die Zukunft bringen wird. Doch aus der Geschichte lernen heißt eben auch, sich die Siedlungs- und Kolonialgeschichte genau anzusehen.

Hemmungsloses Etikettieren

Ich erlebe weiterhin, wie das Eintreten für die Gleichstellung der Geschlechter ironischerweise mit rasender Geschwindigkeit in eklatanten Hass und Intoleranz gegenüber Männern und Männlichkeit umschlägt, bis hin zur offenen Diskriminierung von Männern. Ich sehe, wie der einstmals ernsthafte Kampf für die Gleichstellung der LGBT-Gemeinschaft zu einer irrationalen Dämonisierung von Heteronormativität mutiert ist und zunehmend in dem Drang gipfelt, alle konventionellen Vorstellungen von Geschlechtern und Familien zu verunglimpfen und anzugreifen. Ich beobachte, wie sich „progressive“ Grünlinksliberale durch falsche Erzählungen und Schlussfolgerungen vom allgegenwärtigen „Kampf gegen Rechts“ und vor allem der Antifa instrumentalisieren lassen, indem sie Fakten, Beweise und Ereignisse falsch darstellen und falsch interpretieren.

Sie tun dies, um das eigene Vorurteil zu bestätigen, dass jeder, der nicht ihre voreingenommenen Schlussfolgerungen teilt und ihre Sprach- und Verhaltensregelungen nicht befolgt, ein Rassist, ein Fanatiker, ein Nazi, ein weißer Rassist, homophob, islamophob, fremdenfeindlich, frauenfeindlich, faschistisch und rechtsextremistisch ist. Und ich beobachte, wie sie diese substanzlosen und beliebig zugewiesenen Etiketten benutzen, um jeden einzuschüchtern, zu bedrohen, zu tyrannisieren, zum Schweigen zubringen, anzugreifen, auszuschalten, auf schwarze Listen zu setzen und letztlich zu vernichten, der es noch wagt, sich zu wehren.

Diese selbsternannten Kämpfer der sozialen Gerechtigkeit fühlen sich ermächtigt, alle Mittel bis hin zur Tötung missliebiger Personen anzuwenden. Missliebig wird man als Kritiker der propagierten Herrschaftsmeinung sehr schnell. Ich bin bekanntlich für die AfD im deutschen Bundestag und trete offen und sehr wahrnehmbar für unser freiheitlich-konservatives Parteiprogramm ein. Und ich sehe vieles extrem kritisch, was hierzulande, in der angeblich „besten Republik aller Zeiten“, abläuft – nicht nur die Antifa. Grundgesetz und Meinungsfreiheit? Nächstenliebe und Toleranz? Alles Fehlanzeige: Die „Gutmenschen“ sind längst zu radikalen, gewaltbereiten „Bestmenschen“ mutiert – und diese Mutanten präsentieren sich mittlerweile als Blockwarte, Ankläger, Richter und Henker in Personalunion. In ihrer Hypermoral haben sie sich längst über Recht und Gesetz erhoben.

Glaube an die eigene Unfehlbarkeit

Und das Schlimmste von allem ist, dass die Einheitspartei bestehend aus CDU, SPD, Linken, Grünen und FDP und linksgrüne Journalisten ihre gutmenschliche Sektenideologie als gottgegeben annehmen, selbst bejahen, unterstützen und sogar mit Steuergeldern fördern. In dem Bemühen, Wähler zu gewinnen und die eigene Macht zu erhalten, hat sich dieser Block aus faktischer Einheitspartei und Medienestablishment mit der extremistischen Linken zusammengetan. Die deutsche Einheitspartei und ihre kongenialen Medien glauben fest an die Unfehlbarkeit der eigenen unrechtmäßigen Schlussfolgerungen; sie haben entschieden, dass sie – und nur sie – das Heilmittel gegen die Übel der Gesellschaft kennen.

Diese Leute haben entschieden, dass die Lösung für ethnische Probleme in Deutschland mehr Rassismus ist. Sie glauben, dass das Angreifen, Beleidigen und Entmenschlichen einer Gruppe von Menschen eine andere Gruppe moralisch erhaben macht. Sie sind der Überzeugung, dass es beim Erzählen der Nachrichten keine Grenzen beim Lügen, Auslassen der Wahrheit oder bei der Falschdarstellung von Tatsachen zu geben braucht, weil der Zweck alle Mittel heiligt. Und sie haben entschieden, dass nur ihr Standpunkt der einzig akzeptable ist und dass Unterdrückung, Zensur und das Verbot einer offenen Debatte tugendhafte und fortschrittliche Errungenschaften seien. Fröhlich und ohne Skepsis hat diese ideologische Einheitsfront ein schädliches Glaubenssystem angenommen, das Menschen in Gruppen auf der Grundlage ihrer Identität trennt und sie dann in Lager von „Opfern“ und „Unterdrückern“ scheidet.

Wenn Sie eine Person schwarzer Hautfarbe, eine LGBT-Person, eine Frau oder ein Immigrant sind, möchten diese Parteien der Einheitspartei Sie wissen lassen, dass Sie in ihrer Denke/Welt stets ein Opfer sind und dazu bestimmt sind, das auch zu bleiben. Sie werden darauf bestehen, dass Sie dazu verdammt sind, in einem gegen Sie gerichteten System zu existieren; dass Sie Opfer systemischer Unterdrückung sind, dass Sie ein Leidtragender von unabänderlichen Umständen sind, und dass kein noch so hohes Maß an harter Arbeit oder motivierten Handlungen es Ihnen jemals erlauben wird, ihre Opferrolle zu überwinden, sich zu integrieren, oder selbstbestimmt, eigenverantwortlich und unabhängig zu leben. Dies lässt die politische Instrumentalisierung Ihrer Opferrolle nicht zu.

Die Einheitspartei wird alles dafür tun, dass Sie in Ihren Parallelgesellschaften verbleiben, in Ihrer Opferrolle aufgehen und somit von der Gnade, dem Engagement und der Großzügigkeit dieser Einheitspartei abhängig bleiben. So definiert sich nämlich die unausgesprochene Endstation Sehnsucht aller progressiven Gesellschaftsklempner mit ihren Phantasien von Globalisierung und neuer Weltordnung. Abhängige, unselbstständige, nicht eigenverantwortliche, unfreie Menschen verkörpern die ideale biologische Konsum- und Verfügungsmasse. Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht?

Mit all den oben beschriebenen gefährlichen Irrwegen möchte ich jedenfalls nichts zu tun haben. Ich habe für mich verstanden, was es bedeutet, eine freiheitliche und konservative Einstellung zu vertreten, um konsequent meine christlichen Ideale einer besseren Gesellschaft, einer freien Gesellschaft zu leben.

 

 

 

Zur Person:

Nicole Höchst, Jahrgang 1970, ist AfD-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz. Sie trat 2015 in die AfD ein und zog 2017 über die Landesliste Rheinland-Pfalz für den Wahlkreis 201 (Bad Kreuznach) in den 19. deutschen Bundestag ein. Dort ist sie unter anderem als Obfrau der Enquete-Kommission für Berufliche Bildung, als Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie im Unterausschuss für Bürgerliches Engagement tätig. Bis 2012 unterrichtete sie als Studienrätin am Staatlichen Speyer-Kolleg, anschließend war sie bis Oktober 2017 Referentin am Pädagogischen Landesinstitut (vormals IFB). Höchst war 2015 Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission und ist Schatzmeisterin des AfD-Kreisverbands Speyer. Sie ist katholisch, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Speyer, wo sie auch Stadträtin ist.

Auf jouwatch veröffentlicht Nicole Höchst alle 14 Tage die kritische Kolumne „Höchst brisant“ zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Unter demselben Titel veröffentlicht sie in unregelmäßigen Abständen Videobeiträge auf ihrem YouTube-Kanal.