Einfach nur noch krank: Arzt kündigt AfD-Mitglied Behandlungsvertrag

Andrea Zürcher (Bild: Andrea Zürcher / shutterstock.com/Von PopTika)
Andrea Zürcher (Bild: Andrea Zürcher / shutterstock.com/Von PopTika)

Dass Wissenschaftler und Ärzte sich politisch instrumentalisieren lassen, ist nicht erst seit der, zur Pandemie erklärten Covid-19-Erkrankung bekannt. Wie der Fall einer AfD-Bundestagskandidatin in Baden-Württemberg zeigt, schrecken solche Charaktere – trotz ihres ärztlichen Gelöbnisses – nicht davor zurück, ärztliche Behandlung aus politischen Gründen zu verweigern.

Andrea Zürcher wurde vor zwei Wochen von den AfD-Mitgliedern aus den Landkreisen Waldshut und Breisgau-Hochschwarzwald zur Wahlkreiskandidatin für die Bundestagswahl nominiert. Die 37jährige ist seit 2016 in der AfD, stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands Konstanz und arbeitet unter anderem für die AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel.

Zürcher leidet, wie sie in einem Facebook-Posting mitteilt, an einer chronischen Krankheit. Wegen eines akuten – wie die gelernte Kauffrau betont – nicht schlimmen medizinischen Problems suchte sich ihren Hausarzt auf. Bedingt durch ihre Kandidatur für den Deutschen Bundestag für die AfD, verweigert ihr dieser ihre zukünftige medizinische Behandlungen, durch Aufkündigung des Behandlungsvertrages. Zürcher schreibt hierzu:

„Im Anschluss an die Behandlung eröffnete er mir, dass er sich im Zuge meiner Mitgliedschaft in der Alternative für Deutschland und als Direktkandidatin des Wahlkreises 288, gezwungen sieht den Behandlungsvertrag mit mir aufzulösen und zukünftig maximal noch im Zusammenhang eines medizinischen Notfalls, keinesfalls allerdings als behandelnder Arzt zur Verfügung steht.

Durch diese für mich schockierende Nachricht, wurde mir nochmals – nicht erstmalig – vor Augen geführt, welche Repressalien gegen aktive Mitglieder einer demokratisch gewählten Partei ergriffen werden, um eine unbegründete Ausgrenzung aus der sich tolerant und pluralistisch schimpfenden Gesellschaft anzutreiben.

Der Eid des Hippokrates gilt als erstes verfasste Arztgelöbnis, seine Befolgung wird auch heute noch von jedem Mediziner verlangt. Scheinbar hält sich nicht jeder Arzt an die Grundsätze dieses Eides, wenn medizinische Diagnose erst nach Diagnose der Gesinnung erfolgen kann. Da wird man selbst immer – fälschlich – als rückständig beschrieben und gerät dann einen Arzt, der noch rückständiger als die Mediziner zu Zeiten des Krieges waren und eigene wie feindliche Soldaten versorgten.

Wenn sich diese Art der Begutachtung durchsetzt steht ein düsterer Blick in die Zukunft bevor und man fragt sich unweigerlich, was kommt als nächstes? Einige Verhaltensmuster erinnern einen zwangsläufig leider an die Jahre ab 1933“

Der Fall aus dem Landkreis Waldshut-Tiengen zeige einmal mehr deutlich, wer es tatsächlich mit der Toleranz nicht so ernst nimmt. Es bleibe zu hoffen, so Zürcher abschließend, dass die Standesorganisation der Ärzte sich eindeutig gegen solche Entwicklungen positioniert. „Selbstverständlich werde ich Beschwerde an die Ärztekammer einreichen und Strafanzeige wegen Diskriminierung erstatten“, bekräftigt die AfD-Politikerin.

Hier die, vom Weltärztebund revidierte Fassung der Deklaration von Genf, die als moderne Fassung des Hippokratischen Eides gilt:

„Das ärztliche Gelöbnis

Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.

Die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten wird mein oberstes Anliegen sein.

Ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patientin oder meines Patienten respektieren.

Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.

Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung, soziale Stellung oder jegliche andere Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.

Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod der Patientin oder des Patienten hinaus wahren.

Ich werde meinen Beruf nach bestem Wissen und Gewissen, mit Würde und im Einklang mit guter medizinischer Praxis ausüben.

Ich werde die Ehre und die edlen Traditionen des ärztlichen Berufes fördern.

Ich werde meinen Lehrerinnen und Lehrern, meinen Kolleginnen und Kollegen und meinen Schülerinnen und Schülern die ihnen gebührende Achtung und Dankbarkeit erweisen.

Ich werde mein medizinisches Wissen zum Wohle der Patientin oder des Patienten und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung teilen.

Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können.

Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.

Ich gelobe dies feierlich, aus freien Stücken und bei meiner Ehre.“

Hoffentlich verliert dieser Anti-Arzt seine Approbation. (SB)