Frauenpower & Biologie: Ohne Feminismus keine Zukunft der Menschheit

Die Hühner haben wieder Eier gelegt - Foto: Imago

Der Deutschlandfunk macht Werbung für ein Buch der Biologin Meike Stoverock. Deren These ist: Die männliche Zivilisation widerspricht der Natur. Eine weniger populäre These ist, daß Frauen ohne die männliche Zivilisation noch immer in Höhlen hausen würden, und daß die Höhlen-Meike bis heute nicht wüsste, was ein Buch überhaupt ist. Die Mädchenkritik in Form einer Medienkritik.

von Max Erdinger

Sie hat ein Buch über das evolutionäre Prinzip der „female Choice“ geschrieben, wonach die Weibchen den Zugang zu Sex kontrollieren. Was heißt das für das künftige Verhältnis von Männern und Frauen?„, fragt forsch Frau Monika Dittrich für den Deutschlandfunk. Ehe der männliche Leser über diese Frage nachzudenken anfängt, fragt er sich, was wohl dabei herauskommen wird, wenn eine Frau Dittrich über das Buch einer Frau Biologin Stoverock schreibt. Beim Deutschlandfunk, dem alten Chauvisender. Was die Tatsache, daß Weibchen den Zugang zu Sex kontrollieren, über das bisherige menschliche Geschlechterverhältnis aussagt, ist aber klar. Daß ihnen die Männer das durchgehen lassen haben. Aus Großzügigkeit wahrscheinlich. Oder aus Mitleid. Weiß der Kuckuck. Anscheinend soll sich da für die Zukunft etwas ändern. Mal schauen, was es zu erfahren gibt. Beim Deutschlandfunk.

Die lieben Tiere

Im Tierreich gelte die Damenwahl, soll der Leser einfach so glauben. Ob Kranich, Riesenkänguru oder Paradiesvogel: Die Männchen fast aller Arten strengten sich mordsmäßig an, um die Weibchen zur Paarung zu bewegen. Das ist logisch, weil die Tiermännchen keinen Porscheschlüssel haben, den sie zivilisationsfreundlich – aber naturwidrig – vor den Augen der Weibchen hin- und herbaumeln lassen könnten, um das Weibchen in die Paarungswilligkeit hineinzuhypnotisieren. Der würde den Tierweibchen nämlich erheblich dabei helfen, ihre Paarungsunwilligkeit zu überwinden.

Die promovierte Biologin Frau Meike Stoverock beschreibe das so, erzählt Frau Monika Dittrich: „Attraktive Männchen mit Hörnern, Geweihen, Schmuckfedern oder leuchtenden Farben machen ein Riesentamtam: Sie singen, schenken, bauen, drohen, sammeln, tanzen und imitieren Stimmen, dass den armen Weibchen ganz schwindelig wird vor Erotik.“ – und dann stimmt es noch nicht einmal ganz. Man braucht nur an eine läufige Hündin zu denken. Die ist derartig bedingungslos paarungswillig, daß ihr jeder dahergelaufene Köter gerade recht kommt. Geradezu ungehalten würde sie werden, wenn sich der Balzrüde erst noch lange mit „schenken-bauen-drohen-sammeln-tanzen“ aufhalten würde, ehe er das Gewieher eines Hengstes imitiert, um ohne Umschweife sofort zur Sache zu kommen. Aber gut, Hunde sind ja auch Ausnahmetiere. Obwohl: Wie ist das eigentlich mit dem Hahn und den Hühnern? Haben Letztere bei der Fortpflanzung etwas mitzugackern, oder eher nicht, vielleicht, weil es sowieso nur um die Eier geht? Weiß ich jetzt nicht so genau. So viel weiß ich aber schon: Die Biologin Frau Meike Stoverock würde ich nicht um eine Auskunft bitten. Warum das wiederum so wäre, würde ich mir auch hinterher nicht von einer Frau Monika Dittrich erklären lassen.

Begattung und Samenzelle

Üblicherweise verfügen die Männchen über massenweise Samenzellen, mit denen sie die Weibchen begatten wollen. Für die Weibchen aber ist die Fortpflanzung viel aufwändiger, ihre Eizellen sind kostbar, die Brutpflege ist anstrengend. Deshalb sind sie wählerisch – sie bestimmen, welche Männchen sich paaren können.“ – das stimmt schon so im allgemeinen. Und weil die Männchen die klügeren sind, können sie auch erkennen, daß es fair ist, das so zu lassen, obwohl sie im allgemeinen – außer klüger – auch noch stärker sind. Fairness ist schließlich ein männliches Konzept, auch im Tierreich.

Nicht alle Männchen kämen zum Zuge, erfahren wir im Deutschlandfunk, viele blieben ohne Weibchen und ohne Sex. Und daß es sich dabei um die Female Choice handele, welche wiederum ein Gesetz der Evolution sei.
Sex ist für Männchen eine begrenzte Ressource, die die Weibchen kontrollieren. Dass Männchen oft und hartnäckig versuchen, sexuelle Kontakte zu Weibchen herzustellen, und Weibchen diese Versuche fast immer ablehnen, ist kein Fehler des Systems – es ist das System.“ – und schon wieder stimmt es nicht, wenn man das auf den Menschen überträgt.

Weil: Beim fränkischen Menschen gibt es die sogenannte „Restlasschneggn“ (Restschnecke, übrigggebliebene Schnecke). Ihr Biotop ist der Tisch neben dem Tanzboden beim Dorffest. Ihre Bezeichnung hat sie davon, daß sie als Tanzpartnerin verschmäht wird, weil sie keinerlei Anmut & Liebreiz verströmt, nicht aus einem großen Hof stammt und außerdem ein „törichtes Ding“ ist. Passend zur „Restlasschneggn“ gibt es die alte Volksweisheit unter jenen bierseligen Dorfburschen, die nur schnell einmal „Druck abbauen“ wollen, ohne dabei gleich in den Kategorien von Romanze und Nachkommenschaft zu denken: „Die Restlasschneggn senn die dankboarstn.“ („Die Restschnecken sind die dankbarsten.“) Ja, liebe Leserin, die Realität ist bisweilen brutal. Oder sogar noch brutaler. Von den „Restlasschneggn“ heißt es auf dem fränkischen Dorf nämlich außerdem, daß sie Beine hätten, weil man ja an den Nacktschnecken sehen könne, welche Spuren die Beinlosigkeit auf einem glatten Boden hinterläßt, und daß es eine Sauerei ist. Ja, ja, das ist sie wohl, die Naturwidrigkeit der männlichen Zivilisation. Beim Bauerntanz kann man sie finden. Aber weder die Biologin Frau Meike Stoverock noch die Deutschlandfunkerin Frau Monika Dittrich scheinen sich auf fränkischen Dörfern gut auszukennen.

Die Ausbreitung des Panoramas

Meike Stoverock breitet das Panorama evolutionsbiologischer Zusammenhänge genüsslich aus – und die Schlussfolgerung drängt sich bei der Lektüre zwingend auf: Menschen sind auch nur Säugetiere. Aus naturwissenschaftlicher Sicht muss für sie ebenfalls das Prinzip der Female Choice gelten. So war es wohl auch mal, legt die Autorin überzeugend dar.“ – Da staunt der Leser, um sich im nächsten Moment zu vergegenwärtigen, daß er in dem ganzen Artikel nicht ein einziges Foto gesehen hat, das die Biologin Frau Meike Stoverock oder die Deutschlandfunkerin Frau Monika Dittrich zeigt. „Wenig panaromareich, das Ganze“, denkt er sich.

Realist, welcher der Leser ist, weiß er natürlich, daß es bei Frauen gern sehr subjektivistische Motive für ihre Behauptungen gibt, viel Wunschdenken auch, daß sie wahre Racheteufel sein können und-so-weiter … – und so fragt er sich rein spekulativ, ehe er der Frau Dittrich abnimmt, daß die Frau Stoverock etwas überzeugend dargelegt habe, was wohl die persönlichen Motive hinter einer solchen Darlegung sein könnten. Sollte hier womöglich von einer Biologin versucht worden sein, via Biologiewissenschaft ihr ganz persönliches Trauma von einem Leben als „Restlasschneggn“ zu externalisieren? Wird hier eine „female superiority“ via „female choice“ behauptet, weil deren Gültigkeit auch die „Restlasschneggn“ mit einschlösse? Des Lesers Mißtrauen ist auf alle Fälle geweckt. Ohne ein Foto von Frau Biologin Stoverock und Frau Monika Dittrich wird er es auch so schnell nicht wieder los.

Und so geht es weiter beim biologisch-feministischen Weiberschnack im Deutschlandfunk: „Was also ist passiert, dass wir heute in einer männlichen Zivilisation leben? Sehr kurz zusammengefasst erklärt es Meike Stoverock so: Mit der Landwirtschaft wurden die Menschen vor rund 10.000 Jahren sesshaft und die Frauen verschwanden im privaten Heim, wo sie sich um die Kinder kümmerten. Männer entschieden fortan über die Verteilung der Frauen. Sie erfanden die Ehe, um die männliche Sexual-Konkurrenz einzuhegen und den Zugang zu Sex zu sichern.“ – absolut hanebüchen. So leicht sind die Weibchen auch wieder nicht auszutricksen. Wer soll denn das glauben, daß sie von Natur aus die „female choice“ haben, und daß die sofort verschwindet, wenn man sie in ein Haus hineinläßt, das von Männern gebaut worden ist? Sodom und Gomorrha außerdem: Bar jeglicher „female choice“ wird sie dann im Haus unter den dortigen Männern verteilt? – Wer´s glaubt.

Dem stelle ich eine sehr viel glaubwürdigere Theorie gegenüber. Nicht richtig zwar, aber für mehr Glaubwürdigkeit als die Theorie von der Frau Stoverock taugt sie allemal: Die Ehe ist von Frauen erfunden worden, weil sie in der Ehe alles das für Sex bekommen, was ihnen wichtiger ist als Sex, ohne daß derjenige, von dem sie alles bekommen, was ihnen wichtiger ist als Sex, ausbüchsen könnte, weil dann er der Unhold wäre, da er schließlich ein „Fangeisen“ am Ringfinger hat, wie der Ehering umgangssprachlich genannt wird. Die Ehe ist traditionell eine Versorgungseinrichtung für Frauen gewesen, und zwar wider die männliche Natur, damit Frauen ungestört das tun können, was in ihrer Natur liegt. „Bobbeln“ nennt man das im Fränkischen. „Bobberla“ ist fränkisch für „Baby“. Junge Mütter bobbeln – glücklich über die errungene Obsolenz ihrer „female choice“ – in von Männern gebauten Häusern sorgenlos umher, pulen mit ihren Fingern in den Backengrübchen von Säuglingen und geben dabei alberne Laute von sich: La-la-la und butzel-butzel-butzel und ei-wo-isser-denn-mein-Sonnenschein – und alle solche tiefschürfenden Lautäußerungen, während der gramgebeugte Kindsvater mit Samenstau über den Lieferantenrechnungen und den Kontoauszügen brütet, daß ihm ganz anders wird. Heidernei, diese Weiber und ihre Theorien beim Deutschlandfunk. Ich muß schon sagen …

Tatsächlich: Die Unterdrückung

Und fragen muß ich mich, warum wohl solche unglaublichen Sachen beim Deutschlandfunk geschrieben stehen. Aber nicht lange. Denn Frau Biologin Meike Stoverock, die wahrscheinlich glücklich ist, daß sie nicht Minirock heißt, kommt schonungslos auf den Punkt, um zu erklären, was es mit jenen Frauen auf sich hat, die ihrer „female choice“ verlustig gehen, sobald sie ein von Männern erbautes Haus betreten. Hier der Punkt: „Diese Unterdrückung […] ist das Fundament, auf dem die heutigen Staaten, politischen Systeme und Kulturkreise stehen.“ – ha-ha-ha! Ich wußte es. Ich hatte es sozusagen im Urin, daß es darauf wieder hinausläuft. Klassenkampf per Feminismuskrampf. Und jede Wette, daß sie auch noch eine Prognose abliefert, wie die Zukunft der Menschheit von den Superschlauweibern geformt werden wird. Und? – Bittesehr: „Meike Stoverock plädiert für nichts weniger als eine neue Weltordnung„. – Nein! – Doch! – Oohhh! „Allerdings denkt sie als Kennerin der Evolutionsgeschichte nicht in Jahren und Jahrzehnten, sondern eher in Generationen und Jahrhunderten. Und sie will auch keine Rückkehr zur Female Choice in Reinform, denn, so schreibt sie: „friedliches Zusammenleben und hohe Sexualkonkurrenz“ schließen sich aus.

Der beste Freund des Menschen

Ein friedliches Zusammenleben läßt sich natürlich auch ohne Berücksichtigung einer hohen Sexualkonkurrenz sicherstellen. Als Mann weiß man das. In einem gewissen Alter sagt man sich – in Deutschland zumal – daß man in jungen Jahren ausgiebig genug durch die Gegend geschleimt hat, kümmert sich nicht mehr um die Weiber, weil sie einem nur noch auf die Nerven gehen mit ihrem naseweisen Gegacker – und verliebt sich in seinen Hund. Das ist eine treue Seele, die nicht dauernd an einem herummäkelt, einem keine Feminismen in den Garten scheißt, und außerdem noch weiß, was bedingungslose Loyalität ist. Dieses bedingungslose „Wir gehören zusammen“ ist eine der schönsten Erfahrungen im Leben überhaupt. In Deutschland gibt es diese Erfahrung nur noch mit einem geliebten Hund.

Incels: Nur männlich?

Zuletzt kommen die beiden Berufsfrauen beim Deutschlandfunk noch auf das Problem mit dem Gewaltpotential der „Incels“ zu sprechen, jenen meist jungen, optisch wie finanziell minderprivilegierten Männern, die unfreiwillig zölibatär leben (Incel = involuntary celibate) und dabei gehörig frustriert sind. Obwohl sie wahrscheinlich niemals Zellulitis bekommen werden, wofür sie eigentlich dankbar sein müssten, weil das wirklich nicht appetitlich aussieht. Konstruktiver Vorschlag: Die männlichen Incels kommen aufs fränkische Dorf und kümmern sich dort um die weiblichen Incels, die sogenannten „Restlasschneggn“. Die können sonst nämlich ebenfalls saumäßig gefährlich werden. Zum Beispiel dann, wenn sie Biologie studieren und Bücher schreiben, die dann im Deutschlandfunk über den grünen Klee gelobt werden.

Die Wertung

Frau Monika Dittrichs Resümee zum Buch von Frau Meike Stoverock: „Meike Stoverock hat ein aufwühlendes Buch geschrieben. Es ist radikal und provoziert manchen Widerstand. Damit geht sie klug und vorausschauend um und entkräftet Gegenargumente, die beim Lesen aufsteigen können. Man muss das nicht alles mögen, was sie schreibt, man kann sich empören über ihr Bild von Männern und Frauen, ihre Ablehnung der Ehe, die Art ihrer Religionskritik. Aber gerade deshalb ist ihr Buch so lesenswert – weil es dazu auffordert, völlig neu über das Verhältnis von Männern und Frauen nachzudenken und auch: zu streiten.“ – So ist das heute mit der Besetzung der Begriffe, ihrem „Anfüllen mit anderen Inhalten und ihrer anschließenden Verwendung als Wurfgeschosse gegen die bestehende Ordnung“ (F.J.Strauß): Da wird sogar aus dem hemmungslos subjektivistischen Gekeife ein Streit.

Daß diese Medienkritik hemmungslos subjektivistisch gewesen ist, gebe ich gerne zu. Daß man deshalb mit mir streiten müsse, bestreite ich allerdings. Das ist bei Feministinnen anders. Die werden richtig sauer, wenn man ihnen sagt, daß ihre Einlassungen nichts weiter seien als subjektivistisches Gegacker. Weil sie partout glauben wollen, sie hätten etwas objektiv Wahres gesagt. Und daß man das selbst gefälligst auch glauben soll. Ich liebe Feministinnen, wenn sie sauer sind. Und nur dann. Süße Feministinnen gibt´s ja auch gar nicht.