Impfhelden und Vorzeigemigranten: Bundesverdienstkreuz für „unsere Biontechs“

Sahin und Ehefrau: Demnächst Verdienstkreuzträger (Foto:Imago/Sämmer)

In puncto Vorschusslorbeeren für „Impf-Helden“ (und damit sind ausnahmsweise nicht all diejenigen gemeint, die sich im Urvertrauen auf Staat und Industrie in Windeseile entwickelte Experimentalimpfstoffe in den Körper jagen lassen) macht Deutschland niemand etwas vor: Für das Biontech-Gründerehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci gibt es aus den Händen von Frank-Walter Steinmeier das Große Verdienstkreuz: Am 19. März will der Bundespräsident die beiden Vorzeigemigranten des deutschen Impfwunders auszeichnen.

Ironischerweise bei der Zeremonie zugegen wird ausgerechnet die Politikerin sein, die dieses Impfwunder aus einer formidablen Mixtur von Dilettantismus und Verantwortungslosigkeit in Impf-Katastrophe verwandelt hat, indem sie dafür sorgte, dass die Impfquote Deutschlands auf dem Niveau von Drittweltstaaten dümpelt: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

So etwas ist nur in ihrer Bundesrepublik möglich: Zuerst unterstützt die Politik mit hunderten Millionen Euro Steuergeldern Milliardäre bei der Entwicklung eines Impfstoffs. Dann sorgt sie dafür, dass dieser Impfstoff vorrangig im Ausland verimpft werden kann – nicht jedoch in auch nur annähernd ausreichender Menge den eigenen Bürgern zugute kommt. Und schließlich hängt sie den besagten Milliardären Orden um – wegen ihres wissenschaftlichen Durchbruchs, vor allem jedoch, weil sie sich aufgrund ihres Zuwanderungshintergrundes als Testimonials des Erfolgsmodells „Zuwanderung und Vielfalt“ eignen. Schon in ihrer Weihnachtsansprache hatte Merkel so getan, als stecke in jedem von ihr in Deutschland willkommen geheißenen „Flüchtling“ ein kleiner Ugur.

Die Auszeichnung wird übrigens die erste persönliche Ordensaushändigung des Bundespräsidenten in diesem Jahr sein, jubelt das „Redaktionsnetzwerk Deutschland„, und werde „dem herausragenden Forscherehepaar“ gelten, das „innerhalb kürzester Zeit die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffes gegen Covid-19“ vorangetrieben habe, indem es „medizinische Grundlagenforschung mit deren Übersetzung in eine praktische Nutzung“ verbunden habe. So ruhmreich diese Entwicklung auch derzeit anmutet: Noch ist es viel zu früh, den Langzeitnutzen und vor allem die medizinische Unbedenklichkeit auf lange Sicht abzuschätzen – bei einem Vakzin, das in weniger als einem Zehntel der eigentlich dafür notwendigen Zeit entwickelt wurde. Zwangsläufig kann nur die Zukunft zeigen, ob die mRNA-Pionierimpfstoffe Segen oder Fluch sind… (DM)