Obacht! – Die kinderreiche Frau Merkel zum internationalen Weltmeckertag der Frauen

Die personifizierte Haltung - Foto: Shutterstock

Weltfrauentag ist wieder. Heute oder morgen. Gestern? Oder ist nicht das ganze Jahr über jeden Tag Weltfrauentag? In Weltdeutschland wenigstens? Und wenn, müßte er dann in Weltdeutschland nicht eigentlich Weltmeckertag heißen? – Na egal. Jedenfalls ist dieser Tag so billig, daß die Frau Bundeskanzlerin wieder eine günstige Gelegenheit erkannte, ihren billigen Senf loszuwerden. Das Sonderangebot. Kommentiert.

von Max Erdinger

Die dts-Nachrichtenagentur meldet:

Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält Frauen weiterhin für benachteiligt. „Es kann nicht sein, dass Frauen unsere Gesellschaften maßgeblich tragen und gleichzeitig nicht gleichberechtigt an wichtigen Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt sind“, sagte die Kanzlerin in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast. Über 75 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitsbereich seien Frauen, aber in den Führungspositionen nur knapp 30 Prozent.
Als Gegenmaßnahmen nannte die Kanzlerin die neue Verpflichtung für große Unternehmen, die ab vier Vorstandsmitgliedern mindestens eine Frau bestellen müssen. „Ich bin sicher, diese Frauen werden sich finden und ihre Benennung wird die deutsche Wirtschaft nur stärken“, sagte Merkel. Auch der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder im Vorschulalter sei für die Gleichberechtigung „von großer Bedeutung“.

„Nur wer die eigenen Kinder gut und sicher versorgt weiß, kann sich voll auf seine beruflichen Aufgaben konzentrieren“, sagte Merkel, die selbst bekanntlich kinderlos ist. (dts)

Kommentar

Wenn man kurz darüber nachdenkt, für wen die Frau Bundeskanzlerin sich selbst und andere Mutationen inzwischen hält, relativiert sich die Bedeutungsschwere ihrer Einlassung zur Frauenbenachteiligung auf der Stelle. Man nimmt zur Kenntnis, daß es für eine Person ausreichend ist, Bundeskanzler geworden zu sein, damit man trotz redlicher Versuche, sie nicht hören und sehen zu müssen trotzdem erfährt, was sie wofür hält. Haltung ist alles. Daß die Frau Bundeskanzlerin sich stets bemüht, ihr Haltungs-Scherflein zum Gemeinwohl beizutragen, stellt niemand in Abrede. Dennoch: Wenn sie tatsächlich so denkt, wie sie spricht, dann wäre etwas weniger Haltung der Förderung einer allgemeinen Wahrheitsliebe sehr dienlich.

Offenbar hält sie es für eine Tatsache, daß Heerscharen von Frauen an den Schalthebeln politischer und medialer Macht – darunter sie selbst – geeignet seien, um als Nachweis ihrer Benachteiligung bei „wichtigen Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ zu dienen. Verhüte die Göttin, daß hier irgendwer keine Frauenbenachteiligung erkennt, sondern eine Benachteiligung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Daß über 75 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitsbereich Frauen seien, sich in den Führungspositionen aber nur knapp 30 Prozent finden, ist – na was? – ein Aufregerchen, natürlich. Da ist schnell für Abregung gesorgt.

Satte 100 Prozent der Gefallenen bei der Bundeswehr sind nämlich Männer. Und wenn sie nicht gefallen sind, dann sterben sie noch heute. Vom Kindes- bis ins Greisenalter liegt die männliche Suizidrate signifikant über der weiblichen. Bei den ganz Alten um das Neunfache. Die Differenz bei der durchschnittlichen Lebenserwartung von Männern und Frauen ist binnen eines einzigen Jahrhunderts von etwa einem Jahr (1920) zugunsten der Frauen um fast das Sechsfache (!) angewachsen bis heute (2021), sehr zugunsten der Frauen. Wenn die krass benachteiligten Frauen, die angeblich von wichtigen Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ferngehalten werden, sich auch sonst gern soziologischer Erklärungsmuster bedienen: Geht es um die skandalöse Differenz bei der durchschnittlichen Lebenserwartung, darf gern genau jene Biologie daran schuld sein, die in jedem anderen Zusammenhang „biologistisch“ wäre, um nicht zu sagen: „rechtschauvikackscheiße“.

Belichtung und Unterbelichtung

Man(n) kann nicht die hellste Kerze auf der feministischen Weltmeckertorte sein, wenn einem noch nicht aufgefallen ist, daß Politik von Männern gemacht „wird“ (eigentlich: wurde) – und daß von Frau Merkel und ihren Meckerschwestern an den Schalthebeln der politischen Macht nur noch Frauenpolitik kommt, eine gefühlig-subjektivistische Politik von Frauen für Frauen und gegen Männer also. Und daß eine solche Politik vor logischen Ungereimtheiten nur so strotzt. Das geht einem arg auf die Eier, während einem auffällt, wie schmerzbefreit der Eierstock diesbezüglich ist. Noch ärger geht einem auf die Eier, wie sich das politische Weibspersonal nicht entblödet, dennoch alljährlich zum „La-la-la-Weltfrauentag“ sein subjektivistisches Haltungsgelaber für dermaßen „molto importante“ zu halten, daß ihm nicht einmal mehr auffällt, was es tatsächlich beweist: Daß Feministen nicht geschlechts- , sondern denkbenachteiligt sind, nämlich. Und daß sie in öffentlichen Angelegenheiten saftig diskriminiert werden müssten zum Segen des Ganzen.

Jetzt aber

Und dann die bundeskanzlerinischen Gegenmaßnahmen: Wenn für große Unternehmen eine Frauenquote von 25 Prozent auf der Vorstandsetage gelten soll, und wenn das zugleich das sein soll, was Merkel unter Gleichberechtigung versteht, dann bedeutet das dreierlei: Erstens, daß die DDR-sozialisierte Bundeskanzlerin Gleichberechtigung als Chancengleichheit nicht unterscheiden kann von Gleichstellung als einer Ergebnisgleichheit; zweitens, daß sie wohl der Ansicht sein muß, das ganze geschlechtsunterschiedliche Leben spiele sich in den Vorstandsetagen von großen Unternehmen ab, weshalb sie auch alle anderen Lebensbereiche unberücksichtigt lassen könne, um das Vorstandsdingens dennoch für eine „Gegenmaßnahme“ zu halten, und drittens, daß 25 und 75 „gleich irgendwas“ seien. Alle Zahlen sind auf Augenhöhe gleich, oder etwas Gleichemotionales dieser Güteklasse. Dabei geht es hier nur um den Weltmeckertag der Frauen.

Leider ist man(n) sich nur allzu sehr im Klaren darüber, welche Desaster die gute Frau Bundeskanzlerin mit ihren Haltungsschäden auch in anderen Zusammenhängen verursacht. Aber sei´s drum. Da wundert einen auch nicht mehr, daß Frau Bundeskanzlerin der Ansicht ist – oder zu sein vorgibt -, per „Gegenmaßnahme“ in die Vorstandsetagen von großen Unternehmen hineingequotzte Frauen würden „die deutsche Wirtschaft“ nur „stärken“. Wenn diese Hineingequotzten „die Wirtschaft“ so „stärken“ wie Frau Bundeskanzlerin qua Geschlecht die Politik, dann „Gute Nacht!“, liebe Wirtschaft.

Mit ihrem fein ausgeklügelten Lockdown beweist Frau Merkel geradezu, wie frau an den Schalthebeln des Bundeskanzleramtes die Wirtschaft stärkt. Und daß sie selbst kinderlos ist, muß ja nicht zwangsläufig bedeuten, daß sie keine Haltung zu den Lebensentwürfen von Müttern haben kann. Frau Merkel ist die personifizierte Generalhaltung. Sie hält und hält und hält … alles und jedes für irgendwas. Heute dieses und morgen jenes. Und übermorgen genau anders herum.

Na ja, es ist, war oder wird sein der alljährliche Weltmeckertag der Feministen, genannt „Weltfrauentag“. Da „dachte“ Frau Bundeskanzlerin wahrscheinlich, es sei notwendig, sich themenfreundlich mit einer bedenkenswerten Meldung ins Bewußtsein derjenigen zurückzuschleichen, die sich ansonsten redlich darum bemühen, die merkelsche Existenz zu verdrängen vor lauter Angst, selbst noch dem Wahnsinn anheim zu fallen. Damit muß man(n) leben, wenn man(n) nicht sagen will, daß man(n) das früher übliche Waschhaus –  seiner den Frauen vorbehaltenen Exclusivität wegen – retrospektiv für einen verlorengegangenen Segen hält.