Mittelalter 2021: Virologe Streeck Opfer der Inquisition

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Ziel schmutziger Anfeindungen: Prof. Hendrik Streeck (Foto:http://hiv-forschung.de/essen-lab-members/streeck)

Der Virologe Prof. Hendrik Streeck, Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, wurde in der „Pandemie“ als Kritiker der politischen „Schutzmaßnahmen“ bekannt. Kürzlich hätte er sich den Fragen einer Inquisitorin vom SPIEGEL stellen sollen, wollte sich aber nicht auf die Streeckbank legen lassen. Angesichts der Fragen war das verständlich. Die Zeitgeistreportage.

von Max Erdinger

Prof. Hendrik Streeck ist ein streitbarer Mann, der sich bisweilen auch mit der versammelten Hochkompetenz in Bundeskanzleramt und Ministerien anlegt. Solches mißfällt der Wissenschaftsredaktion des SPIEGEL. Also schickte sie ihm 15 Fragen, die Prof. Streeck binnen 24 Stunden beantworten sollte, wie die „Welt“ berichtet. Der Bonner Wissenschaftler las sich die Fragen durch – und was er sich nach der Lektüre gedacht haben muß, ist höchstwahrscheinlich nicht zitierfähig. Jedenfalls verweigerte er die Antworten bis auf zwei. Ob es sich beim Herrn Professor wohl um einen Renitenzwissenschaftler handelt? Um das zu beurteilen, muß man zunächst einmal wissen, wie die Fragen an Herrn Prof. Streeck formuliert worden waren. Die SPIEGEL-Wissenschaftsredaktion scheint inzwischen in einem inquisitorischen Folterkeller zu hausen.

1. „Haben Sie Ihre Position als Wissenschaftler missbraucht, um Politik zu machen?“
2. „Wie stehen Sie zu dem Vorwurf, Sie hätten die Gefahren der Pandemie verharmlost?“
3. „Sehen Sie sich in der Mitverantwortung für die getroffenen oder auch unterlassenen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung? Und in diesem Zusammenhang auch für viele Menschen, die gestorben sind?“
4. „Bereuen Sie diese mehrfach öffentlich geäußerte Fehleinschätzung?“

Da drängen sich die Gegenfragen an die Wissenschaftsinquisitoren vom SPIEGEL förmlich auf.

1. „Haben Sie Ihre Position als Wissenschaftsredakteure mißbraucht, um Inquisition zu machen?“
2. „Wie stehen Sie zu dem Vorwurf, Sie hätten die Gefahren der Pandemie aufgebauscht?“
3. „Sehen Sie sich in der Mitverantwortung für die kontraproduktiven oder auch verfassungswidrigen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung? Und in diesem Zusammenhang auch für viele Menschen, die gestorben sind?“
4. „Bereuen Sie Ihre mehrfach dokumentierten Fehleinschätzungen?“

Die vierte Gegenfrage ist natürlich rein rhetorischer Natur. Inzwischen weiß die dümmste Hanswürst*in der Bunten Republik, daß die Inquisitoren aus dem Mittelalter 2021 überhaupt nichts bereuen. Sie stehen unter dem Schutz eines von ihnen selbst installierten Unfehlbarkeitsdogmas. Inquisitoren beantworten keine Fragen mehr, sondern sie stellen nur noch welche. Und nachlässig sind sie dabei auch noch. Beim SPIEGEL haben sie es glasklar versäumt, sich von „Wissenschaftsredaktion“ in „Wissenschaftsinquisition“ umzubenennen. Und noch nicht einmal das bereuen sie dort.

Auch wenn das hier nicht weiter vertieft werden soll: Hält es unter den verbliebenen Realisten hierzulande jemand für möglich, daß die Unfehlbaren noch an den Segen von demokratischen Wahlen glauben, wenn ihnen doch die Leute mit den anderen An- und Einsichten niemals das Wasser reichen können und folglich nur „falsch wählen“ würden? Zweifel sind durchaus angezeigt. Und wenn man das weiterspinnt: Wenn Unfehlbare schon nichts mehr von demokratischen Wahlen halten können, was wären sie dann wohl zu tun bereit, um zu verhindern, daß die Demokratie ihrer eigenen Unfehlbarkeit in die Quere kommt? Ob sie Wahlergebnisse wohl fälschen würden, wenn sie das Wählen schon nicht offiziell verbieten können? Mit Sicherheit läßt sich das nicht beantworten, aber angezeigt sind solche realistischen Überlegungen allemal. Zumal dann, wenn man die Sache mit der „Buttersäure gegen Querdenker“ bedenkt.

Der katholische Diakon und der SPD-Stadtrat

Wie die Seite „unblogd.news“ meldet, haben der badische Diakon Stefan Lutz-Bachmann und Herr Werner Henn, seines Zeichens SPD-Stadrat in Baden-Baden, bei Twitter Sympathien für die unfehlbare Gerechtigkeit des jeweils anderen in die Welt hinausgezwitschert. Ihren Gerechtigkeitssinn in seiner ganzen „Menschlichkeit“ hatte eine geplante Querdenkerdemo geweckt.

Der SPD-Stadtrat Henn machte den Anfang: „Ich geh hin. Hoffentlich ist es arschkalt. Habe eine alte große Wasserpumpgun meiner Kinder gefunden. Werde sie mit Harnsäure füllen – also reinpinkeln – und es dann auf das auserwählte Volk versprühen. Gibt das schöne Eiszapfen. (sic)„.

Da wollte sich der christliche Herr Diakon in seiner ganzen Unfehlbarkeit nicht lumpen lassen und setzte gleich noch einen drauf: „Super! Füllung mit Buttersäure ist auch sehr reizvoll!„.

Tatsächlich ist Buttersäure sehr reizvoll, wenn man jemanden damit einnebelt. Vor allem für die Lunge, für den Brechreiz, für reizende Kopfschmerzen und allerlei liebreizende Verätzungen. Reizender Christenmensch, welcher der Herr Diakon und frühere Lehrer selbstverständlich ist, wird er beim baden-baden.blogspot beschrieben als ein bewunderungswürdiger Nachfolger im Geiste des Herrn, welcher „… aus tiefster Seele glücklich und zufrieden ist, der andere trägt und mit ihnen ein Stück des Lebens gemeinsam weitergeht und sie an seiner inneren Kraft teilhaben lässt. – Abgesehen davon, daß „ein Stück des Lebens gemeinsam“ nichts weiter als brechreizerregendes Gutmenschengeschwurbel ist: Recht zu haben, ist ja schon schön, aber recht zu haben und außerdem noch durch die Gegend zu laufen wie der ungekreuzigte Jesus, ist noch viel schöner. Da fehlt nicht mehr viel, bis es am schönsten wird. Das ist dann, wenn die Verkehrten keine Verkehrten mehr wählen können. Brief und Siegel darauf.

Die vermaledeite Haßsprache

Natürlich wäre es verfehlt, sowohl der SPIEGEL-Inquisitionsredaktion als auch den Herren Henn und Lutz-Bachmann Haßsprache zu unterstellen. Nicht nur deswegen, weil die Genannten garantiert schwer gegen jedwede Haßrede sind, weshalb sie ein solcher Vorwurf mit unverhältnismäßiger Härte treffen würde, sondern auch, weil die vermaldedeite Haßsprache nur bei den Ungerechten zu finden ist, nie aber bei den Selbstgerechten. So ist jedenfalls die gutmenschliche Theorie, in deren Mittelpunkt der Gutmensch selbst steht. Daß es sich beim pseudoliberal-ökodemokratischen Gutmenschentum der Scheinheiligen (Gutmensch=Scheinheiliger) in Sachen kritischer Selbstreflexion um schwerst Analyse-Herausgeforderte handelt, läßt sich daran erkennen, daß sie sich auf der Stelle als grundlos diskriminierte Vorwurfsopfer begreifen, die in lautes Jammern & Wehklagen verfallen angesichts der abgrundtiefen Schlechtigkeit derer, die ihnen eventuell unterstellen würden, etwas Ungerechtes vorgeschlagen oder behauptet zu haben.

Abwandlung der Inquisitionsfrage Numero 4 also: „Bereuen diese Figuren ihre öffentlich zur Schau gestellte Maulschellierungswürdigkeit?“ – Antwort: Nein, auf gar keinen Fall. Nächste Frage: Wird die liebe Demokratie von solchen Figuren nicht ganz schrecklich krank, so, wie die lieben Demokraten vom Virus allesamt? – Antwort: Doch, auf jeden Fall.

Und schon haben wir den Salat. Bis uns das lahmarschige Virus ausgerottet hat, werden „wir“ keine Demokraten in der Demokratie mehr sein, sondern scheinheilige Faschisten. Das sind reizende Aussichten, denn schließlich gilt: Nie wieder Faschismus! Ja, das gilt auch dann, wenn „wir“ trotz des Diffusats, aus welchem der Begriff „Faschismus“ besteht, ein „Stück des Faschismus gemeinsam“ be …äh … KÄMPFEN! … wollen. Müssen. Sollen. La-la-la …

Conclusio

Wenn man in einer vormaligen Demokratie mit noch nicht völlig abgewickeltem Rechtsstaat lebt, wo immerhin noch Wahlen durchgeführt werden müssen, ohne daß die unfehlbaren Selbstgerechten etwas daran ändern könnten, empfiehlt es sich, am Wahltag und in den Tagen danach sehr sorgfältig die Stimmenauszählung zu überwachen und sich keinesfalls den bodenlosen Leichtsinn einer Briefwahl zu erlauben. Es gibt nämlich etwas, vor dem die unfehlbaren Selbstgerechten eine unheimliche Angst haben, seit ihnen verstärkt der Gegenwind ins Gesicht bläst. Womit sie – nebenbei bemerkt – einen Rest von Realitätssinn beweisen, über welchen „wir“ uns recht brüderlich & schwesterlich freuen sollten in unserer ganzen Menschlichkeit. Wie immer, wenn jemand nicht „völlig ohne irgendwas“ dasteht.

Diese unheimliche Angst ist die folgende: Die unfehlbaren Selbstgerechten haben es im Urin, daß ihnen Schreckliches widerfahren könnte, sollten sie dereinst aufgrund des verkehrten Wahlverhaltens der rachedurstigen Fehlgeleiteten von Verfolgern zu Verfolgten werden. Genau genommen sind sie sich sogar sicher, daß sie nicht nur abgewählt werden würden. Ich weiß nicht, ob ihre Angst wirklich berechtigt ist, oder ob sie zu ihrem üblichen Wahn nun obendrein auch noch an passivem Verfolgungswahn leiden. Am aktiven Verfolungswahn leiden sie schon lange. Aber die Angst ist da. Und deshalb wird es den korrekt verlaufenden Wahlen wohl bald an den Kragen gehen, ohne daß die Demokratie in „Fassadendemokratie“ umbenannt werden würde. „Fassadendemokratie“ würde nämlich selbst die Inquisitoren in den Selbstzweifel hineinzwingen. Die lassen sich aber nicht gern zwingen, sondern sie zwingen lieber. So betrachtet ist die wahnhafte Gerechthaberei die wahre Seuche unserer Zeit. Auf einer metaphysischen Ebene wären daher Maulschellen auch nichts anderes als eine Impfung.