Weil’s mehr Knete bringt? Ärzte wollen impfen, aber nicht testen

Foto: Impfzentrum (über dts Nachrichtenagentur)

Das äußert lukrative und erfolgreiche Corona-Geschäftsmodell mit der Angst hat dem Gesundheitssektor unerwartet viel Geld in die Kassen gespült. Und da der Mensch von Natur aus gierig ist, werden wir uns wohl daran gewöhnen müssen, dass wir aus diesem Albtraum, der unsere Wirtschaft, Freiheit und Demokratie zerstört, wohl nie mehr herauskommen. Mit dem Scheinargument, es ginge doch nur um die Gesundheit der Menschen, profitieren zu viele davon.

Auf dem Kapitalmarkt Corona müssen jetzt natürlich auch entsprechend Prioritäten gesetzt werden:

Hausärzte und Apotheken zeigen nur geringes Interesse, sich an den geplanten Corona-Massentests zu beteiligen und Test-Stützpunkt zu werden. „Anders als die Ständige Impfkommission haben wir keine Statistiken im Wartezimmer, sondern Menschen“, sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, der „Welt“ (Donnerstagausgabe). Diese Menschen hätten Vorrang, sie seien es, die die Ärzte behandeln müssen und wollen.

„Es ist daher nicht so ohne weiteres möglich, nebenher mal eben schnell zu testen.“ Natürlich seien die Hausärzte für ihre Stammpatienten da. „Aber die Praxen können nicht einfach jedem, der sich mal eben spontan testen lassen will, ein solches Angebot machen. Dafür bräuchten sie entsprechende Räume, Schutzausrüstung und zusätzliches Personal“, so der Verbandschef. Das gebe es in vielen Praxen nicht, „und deshalb werden die Praxen kaum einen Tag der offenen Tür machen und jeden testen können, der das möchte“. Weigeldt schätzt, dass „vielleicht zehn bis 15 Prozent der rund 50.000 Hausarztpraxen im Land Corona-Schnelltests anbieten werden“.

Auch die Apotheken sind zurückhaltend. Sie argumentieren ähnlich wie die Ärzte und verweisen darauf, dass Personal und Ausstattung bereitgehalten werden müssten. Derzeit würden rund zehn Prozent der Apotheken Schnelltest-Möglichkeiten anbieten, heißt es bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

Im Zuge der Testaktion sei mit einer Beteiligung von etwa 20 bis 30 Prozent der Apotheken zu rechnen. Zudem ist die Aufwandsentschädigung gering: 15 Euro für die Durchführung und sechs Euro Sachkostenentschädigung erstatten die Kassenärztlichen Vereinigungen, über die die Tests abgerechnet werden. Das ist für viele kein Anreiz. „Die Honorierung ist ein Trauerspiel. Zu den festgelegten Sätzen testen, auswerten, ein Gespräch führen sowie eine Bescheinigung ausstellen, ist nicht kostendeckend“, kritisiert Ärzteverbandschef Weigeldt. Die SPD-Fraktion in Bundestag erhöht derweil den Druck auf die deutsche Wirtschaft, sich doch noch bindend zu Tests ihrer Belegschaften zu verpflichten. „Die Arbeitgeber sollten ein Interesse an der Gesundheit ihrer Beschäftigten haben und ein effektives Testregime einführen. Damit leisten sie auch einen gesellschaftlichen Beitrag, um das Land und unsere Wirtschaft sicher durch die Krise zu bringen“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, der „Welt“. Für den Fall, dass „die Arbeitgeber dieser gesellschaftlichen Verpflichtung nicht nachkommen, müssen wir uns eine verbindliche Regelung vorbehalten“.

Natürlich wissen alle, dass diese Testerei überhaupt nichts bringt, da man sich nach einem negativen Test sofort anstecken kann. Außerdem wird es niemals so viele Testzentren und das entsprechende Personal geben, als dass man die gesamte Bevölkerung sieben Tage lang, rund um die Uhr durchtesten könnte.

Nein, mit der Impferei ist weitaus mehr Geld zu verdienen. Entsprechend ungeduldig warten die Ärzte auf eine entsprechende Entscheidung:

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hat scharfe Kritik daran geäußert, dass die Gesundheitsminister von Bund und Ländern noch keine Entscheidung zur Einbindung der Arztpraxen in die Impfstrategie getroffen haben. „Ich frage mich, wie man angesichts der Millionen von ungenutzten Impfstoffdosen Entscheidungen, die uns im Kampf gegen die Pandemie voranbringen könnten, weiter aufschieben kann. Das ist mir unbegreiflich“, sagte Weigeldt der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe).

Statt endlich die Menschen von ihren Hausärzten impfen zu lassen, hielten die Länder an ihren kosten- und personalintensiven Impfzentren fest. „Warum? Dies und immer neue Abstimmungsrunden halten uns auf.“ Die Hausarztpraxen stünden bereit.

„Lasst uns endlich mit dem Impfen beginnen“, forderte Weigeldt. Am Mittwoch hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern nicht verständigen können. Nun sollen die Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeitnah zu einer Entscheidung kommen.

Und weil es am großen Corona-Buffet noch etwas Platz gibt, wollen andere natürlich ebenfalls gerne mitmischen:

Die Zahnärzte haben ihre Mithilfe beim Impfen gegen das Coronavirus angeboten. „Mit ihrer Expertise und Fachkompetenz hat die Zahnärzteschaft schon frühzeitig ihre Unterstützung bei Test- und Impfmaßnahmen angeboten. Das Angebot gilt weiterhin“, sagte der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Wolfgang Eßer, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben).

Als approbierte Ärzte seien Zahnärzte grundsätzlich dazu befähigt, Impfungen durchzuführen, fügte er hinzu. Gerade im Hinblick auf schnelle und flächendeckende Impfungen sei es wichtig, die notwendigen personellen Ressourcen bereitzustellen, argumentierte der Zahnmediziner.

Es geht hier also, wie woanders auch, nur ums Geschäft.

Hier weitere Meldungen aus der Coronahölle:

Logistiker dringt auf zentral gesteuerte Impfstoff-Verteilung

Logistiker fordern eine zentrale Steuerung der Verteilung von Corona-Impfstoffen. „Ich verstehe nicht, warum die Bundesregierung die Impfstoffverteilung nicht zentral steuert und nicht so organisiert, wie die Verteilung etwa der Grippeimpfstoffe schon seit vielen Jahren gut funktioniert“, sagte Wolfgang Albeck, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Trans-o-flex, der „Welt“ (Donnerstagausgabe). Ein mögliches Instrument dafür wäre ein in Deutschland seit Jahrzehnten bestehendes Netzwerk aus Pharmagroßhändlern und spezialisierten Unternehmen, das Ärzte und Apotheker jeden Tag mit Medikamenten beliefert.

Trans-o-flex aus Weinheim ist Teil jenes Netzwerkes. Zuständig für die Impfstofflogistik sind derzeit die Gesundheitsministerien der 16 Bundesländer. Anfragen an das Bundesgesundheitsministerium, warum das System nicht genutzt werde, blieben bislang unbeantwortet.

„Offensichtlich will sich in Berlin in der Politik niemand an dem Thema die Finger verbrennen“, sagte Albeck. In der Regierung herrsche die Angst vor, Verantwortung allein zu übernehmen. Stattdessen werde sie lieber auf viele Stellen verteilt.

Alle drei Wochen konferierten die Ministerpräsidenten der Länder. „Ich frage mich, warum die Länder das Thema dort nicht aufgreifen und ihre Impfstofflogistik untereinander abstimmen“, sagte der Manager. Zu den Kunden von Trans-o-flex gehören auch die Impfstoffproduzenten Pfizer, Astrazeneca oder Biontech.

Bei der vergangenen Grippeschutzimpfung wurden in einem Zeitraum von drei Monaten über dieses Transportsystem rund 15 Millionen Impfdosen verteilt. „Aus meiner Sicht ist das für die Bundesländer eine noch nie da gewesene Herausforderung. Das merken wir schon an den Anfragen, die uns aus den Ländern erreichen“, sagte Albeck. Es dürfe nicht dazu kommen, dass in ein paar Wochen große Unterschiede bei der Versorgung mit Impfstoff zwischen einzelnen Landstrichen zu einem „weiteren Skandalthema“ werden könnten.

Lauterbach rechnet bis Ende April kaum mit höherem Impftempo

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die geplante Einbindung der Hausärzte in die Impfstrategie begrüßt, zugleich aber Erwartungen an ein höheres Impftempo gedämpft. „Es ist richtig, die Hausärzte in die Impfstrategie einzubinden, auch wenn sich dadurch das Impftempo wegen des Mangels an Dosen bis Ende April noch nicht wesentlich erhöhen lässt“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe). „Natürlich wird auch in den Arztpraxen streng darauf geachtet werden, dass die Impfreihenfolge eingehalten wird, daran habe ich nie gezweifelt“, sagte Lauterbach.

Die Hausärzte wüssten, dass die Impfbeschlüsse für alle gelten und so sichergestellt werde, dass die älteren Menschen so schnell wie möglich geimpft werden können.

Konzerne bieten ihren Belegschaften Schnell- und Selbsttests an

Diverse große Unternehmen planen, ihrer Belegschaft Corona-Schnelltests in der Firma oder für zu Hause anzubieten. Unter anderem Aldi Süd, Aldi Nord, Henkel, Metro, Rewe, RWE und die Telekom bestätigten entsprechende Pläne der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe). Beim Handelskonzern Metro soll es für die Beschäftigten in der Zentrale demnach pro Woche zwei Tests geben.

Aldi Süd und Aldi Nord bieten den Beschäftigen in den Filialen ab nächster Woche alle sieben Tage einen kostenlosen Selbsttest an. Der Energieversorger RWE teilte mit: „Wir haben Schnelltests und Selbsttests bestellt, um das Testangebot auszuweiten und an allen großen Standorten anzubieten.“ Bei Henkel bekommen alle Mitarbeiter in Deutschland fünf Selbsttests nach Hause geschickt, Vodafone prüft eine ähnliche Aktion.

Die Deutsche Post hat nach eigenen Angaben schon mehr als 46.000 Tests an deutschen Betriebsstätten durchgeführt. Einem Sprecher zufolge bereitet auch die NRW-Landesregierung das breite Testen von Beschäftigten vor. Die Ministerien würden das Vorgehen klären, hieß es.

Ramelow für schnelle Nutzung von Sputnik V in Deutschland

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich für eine schnelle Nutzung des russischen Impfstoffs Sputnik V ausgesprochen. „Für mich ist der Sputnik-Impfstoff eine große Chance, wieder schneller zur Normalität zurückzukehren“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). Er appellierte an die Bundesregierung, gegenüber der EU deutlich zu machen, „dass jetzt bei den Produzenten von Sputnik entsprechende Impfmengen geordert werden sollten“.

Gesundheitsminister wollen Impfen in Arztpraxen ab Mitte April

Die Gesundheitsministerkonferenz visiert Corona-Impfungen in Arztpraxen Mitte April an. Spätestens in der Woche vom 19. April wolle man damit starten, beschlossen die Minister nach einem Treffen am Mittwoch. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) begrüßte das und kündigte eigene Schritte an: „Neben den Impfzentren wird auch das Impfen in Arztpraxen ausgebaut. Morgen startet Berlin bereits mit 150 Arztpraxen, für die Erstimpfungen stellen wir die 37.500 abgeforderten Impfdosen bereit“, schrieb sie am Mittwochabend auf Twitter. FDP-Chef Christian Lindner zeigte sich unzufrieden über den Zeitpunkt: Dieser liege spät und der Anlauf sei weit, schrieb der Liberale. „Warum nicht jetzt schon langsam hochfahren? Hoffentlich verlängert das nicht wieder die Zeit im Lockdown mit seinen großen sozialen Schäden“, warnte der FDP-Vorsitzende.

Stiko-Chef: Impf-Priorisierung nicht zu schnell aufheben

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, Thomas Mertens, hat vor einer zu schnellen Aufhebung der Impf-Priorisierung gewarnt. Er befürchte schwere Erkrankungen und sogar Todesfälle, sagte Mertens der RTL/n-tv-Redaktion. „Das Problem ist, dass es passieren kann, dass Menschen zurückbleiben, die wirklich ein sehr hohes Risiko für schwere Erkrankungen, für intensivpflichtige Therapien und Tod haben, und das ist das, was wir eigentlich vermeiden wollen.“

Wenn der immer noch knappe Impfstoff sehr breit ausgeben wird, könne das dazu führen, dass Menschen, die schon längere Zeit auf ihre Impfung gewartet haben, weiter nach hinten geschoben werden. „Das findet ja auch de facto schon statt.“ Und das sei ein Problem.

„Zunächst wollen wir ja verhindern, dass Menschen schwer erkranken und sterben.“ Dass in den Alten- und Pflegeheimen praktisch keine Todesfälle mehr vorkommen, sei ein Erfolg dieser Priorisierungsimpfung. „Und die möchte ich nicht gefährdet sehen, indem man jetzt einen Impfstoff mit dem Herdenimmunitätsgedanken verteilt, und dabei unter Umständen Menschen zurückbleiben, die tatsächlich eine Impfung dringend brauchen, um sie vor schwerer Erkrankung zu schützen.“

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA prüft derzeit die Zulassung. Er selbst habe keine Präferenz beim Impfstoff, sagte Ramelow den Funke-Zeitungen: „Wenn ich an der Reihe bin, werde ich mich mit dem impfen lassen, was zur Verfügung steht.“ Angst vor Nebenwirkungen gebe es bei ihm keine: „Ich lasse mich auch regelmäßig gegen Grippe impfen. Körperliche Reaktionen zeigen, dass der Impfstoff wirkt.“ Die Verwendung von Sputnik V könne nach Ramelows Ansicht auch helfen, Vorurteile gegenüber russischen Impfstoffen abzubauen: „Das ist eine westdeutsche Befindlichkeit, die in den sechziger Jahren vielen Kindern das Leben schwer gemacht oder sogar gekostet hat. Damals wurde Impfstoff aus der Sowjetunion gegen Polio abgelehnt.“

Der Einsatz von Sputnik in Deutschland könne zum Verständnis beitragen, „dass osteuropäische Forschung nicht schlechter ist als kapitalistische“.