Jetzt drehen schon die Kinderbuchverlage durch: Rassismus gegen Chinesen, weil Corona aus China kam?

Wird hier etwa gerade Rassismus praktiziert? (Foto:Imago/ImagiechinaTuchong)

Wir leben in wahnhaften Zeiten: Der Wahn, plötzlich würden uns Viren gefährlich werden, mit denen wir (wie übrigens auch weiterhin mit tausend sonstigen Gesundheits- und Lebensrisiken) schon immer lebten. Der Wahn, menschgemachte CO2- und Methanemissionen würden uns in den globalen Hitzschlag treiben. Der Wahn, hinter allem und jedem, was uns grade auf den Senkel geht, verberge sich ein Nazi. Der Wahn, Cis- und Transfrauen würden durch zuwenig gegenderte Sprache dauerdiskriminiert. Und natürlich, seit letztem Jahr besonders hip, der Wahn, wir lebten in einer zutiefst rassistischen Gesellschaft.

Das Kennzeichnende an diesem seit „Black Lives Matter“, der „woken“ Cancel-Culture und den zunehmenden Profilierungsversuchen „diverser“ Persönlichkeiten und People of Color um sich greifenden Antirassismus ist, dass er seine Feindbilder stets im Verborgenen wittert. Weil es nämlich praktisch und zum Glück keinen echten Rassismus mehr gibt, jedenfalls nicht im eigentlichen und schrecklichen Sinne seiner ursprünglichen Bedeutung, muss er eben in alles mögliche hineininterpretiert werden – und dankbar wird jeder sich dafür eignende Verdachtsfall aufgegriffen, um ein Zeichen und Statement zu setzen.

Selbst die Schulen, Stätten des Geistes und der Aufklärung, sind inzwischen der kulturmarxistischen Neurose befallen, schon die Benennung des Anderen, des Fremden beinhalte eine diskriminierende Wertung. Und natürlich fügen sich da, wie auch Kultur- und Filmschaffende, sogleich auch die Verlage von Kinderbüchern und Hörbüchern für Jüngere: Allen Ernstes zieht nun der Carlsen-Verlag ein Kinderbuch zu Corona zurück – weil diese „mehr Rassismus auf den Schulhöfen“ befördern könnte. Das selbstindizierte Werk unter dem Titel „Ein Corona-Regenbogen für Anna und Moritz“ hatte ursprünglich eigentlich nur beabsichtigt, Kindern dabei zu helfen, sich mit dem Infektionsrisiko bei Corona auseinanderzusetzen.

Allerdings fand nun ausgerechnet die chinesische Gemeinde in Deutschland deutliche Worte der Kritik an dem Buch – und befürchtet dieses könne antichinesischen „Rassismus“ erzeugen. Die bislang – im Gegensatz zu den überwiegend muslimisch dominierten Migrantenverbänden diesbezüglich eigentlich stets erfrischend unempfindlich und ideologiefrei auftretende – Vereinigung kritisiert vor allem eine bestimmte Passage: Da sagt der kleine Moritz, einer der Titelhelden, über den Ursprung der Pandemie: Der kleine Moritz sagt in dem Buch: „Das Virus kommt aus China und hat sich von dort aus auf der ganzen Welt ausgebreitet.“ Eine erstens zutreffende und zweitens wertfreie Aussage, die Kinder lediglich „darüber aufklären sollte, wie sie mit dem Coronavirus und der damit einhergehenden Infektionsgefahr umgehen sollten„, schreibt „Focus„. Moritz versucht in dem Buch außerdem den Kindern – übrigens auch asiatischen und dunkelhäutigen – anschaulich erklären, welche Symptome man haben kann und wie man sich vor dem Virus schützen kann.

Mit der Rassismus-Keule voller Einsatz für die Pekinger Staatsführung 

Doch die chinesische Community steht anscheinend dem Land ihrer Väter näher als ihrer deutschen Heimat: Die KP-Führung hat in ihrer Staatspropaganda die USA als Hauptverantwortlichen für das Virus ausfindig gemacht – eine absurde und durch nichts belegte Verschwörungstheorie, hundertmal unglaubwürdiger als selbst die immer plausibler erscheinende Theorie vom Laborunfall in Wuhan, erst recht aber als die bislang von Wissenschaftlern angenommene Entstehung von Sars-CoV2 auf einem dortigen Wildtiermarkt. Aus Sicht der hiesigen Chinesen ist die bloße Wiedergabe der weltweit anerkannten Tatsache, dass das Virus so oder so in jedem Fall nun einmal aus China stammt, ein Affront gegen Peking. Und was bietet sich in Deutschland eher an, um effektiv missliebige Darstellungen zu zensieren, als natürlich die Rassismuskeule?

Weil sich mehrere Chinesischstämmige  in den letzten Wochen an den Verlag gewendet hätten und nun „Rassismus auf Deutschlands Schulhöfen gegenüber chinesischen Mitschülern“ die Folge sei, und weil sich laut dem  chinesischen Nachrichtenportal „German.china.org“ viele Mitglieder der chinesischen Gemeinde verärgert zeigten, nahm Carlsen das Buch kurzerhand vom Markt – und bringt es nun in einer veränderten Fassung neu heraus veröffentlicht, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Der Verlag kriecht außerdem pflichtschuldigst zu Kreuze:“Heute würden wir diese Formulierung heute nicht mehr treffen.“ Die Wogen müssen zudem auch politisch geglättet werden: Selbst das chinesische Generalkonsulat wurde eingeschaltet.

Darf dann in Zukunft auch nicht mehr von der Afrikanischen Schweinepest gesprochen werden? Vom indonesischen Seebeben, das 240.000 Menschenleben kostete? Oder von isländischen Vulkanausbrüchen, wenn diese den globalen Flugverkehr lahmlegen – weil all diese eine negative Verknüpfung von geographischen Angaben mit Menschen erlauben, die von dort stammen, und somit rassistisch wären? (DM)