„Tübinger Modell“: Ist jetzt ist auch Boris Palmer vom Coronawahn befallen?

Tübingens OB Boris Palmer (Foto:Imago/Eibner)

Hat der Test- und Inzidenzenirrsinn nun auch Deutschlands anscheinend letzten klar denkenden politischen Verantwortungsträger befallen? Bislang stand der Tübinger OB Boris Palmer, morganatischer Grüner und eigentlich beinharter Realpolitiker, für einen besonnenen, wirtschaftsorientierten und freiheitlichen Kurs in dieser Pandemie, der vor allem die Lockdowns scharf kritisierte. Ausgerechnet Palmer jedoch etabliert mit seinem „Tübinger Modellprojekt“ eine irrationale Test- und „Öffnungsstrategie“, die die lockdowngeplagten Bürger vom Regen in die Traufe bringt.

Auch Palmers „Konzept“ atmet nun die völlige Willkür und Unsinnigkeit der gesamten Corona-Politik: Die ab Montag geltende verpflichtende Testpflicht in Handel, Gastronomie und Kulturbetrieb zwingt jeden Kunden, Gast oder Besucher, obligatorisch zunächst einen Schnelltest zu machen, bevor es ans Shoppen oder in den Biergarten, ins Kino oder ins Theater geht. Bei der gestrigen Pressekonferenz informierte die Stadt über die Einzelheiten: Ab Montag gilt, so das „Schwäbische Tagblatt„,  eine Testpflicht für praktisch alle geöffneten Branchen –  auch für den Einzelhandel und Friseure. Bereits am Dienstag sollen dann die Außengastronomie und Kultureinrichtungen öffnen.

Dieser zeitlich äußerst ambitionierte, in seiner praktischen Ausgestaltung jedoch bürokratisierte und hyperverkomplizierte Ablauf ist kein echtes Ticket in die Freiheit, sondern wird wie eine Art Feldversuch aufgezogen – „wissenschaftlich begleitet“ von Professor Peter Kremsner, seines Zeichens Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Tübinger Uniklinikum.

Lockdown-Exit, der keiner ist

Kremsner bejubelt das Projekt als „einzigartig in Deutschland, wahrscheinlich sogar darüber hinaus“ bezeichnete. In der Tat: Einzigartig ist hier vor allem, von welch verrückten Vorgaben banalste und alltägliche Alltagsabläufe, die den Menschen seit nunmehr einem Jahr teilweise und seit viereinhalb Monaten vollständig vorenthalten werden, abhängig gemacht werden.

Denn der vermeintliche Lockdown-Exit erfolgt freilich nur zu Bedingungen, bei denen von befreitem und unbeschwertem Einkaufs- oder Ausgeherlebnis keine Rede sein kann – und deshalb droht das „Modell“ auch zu scheitern, weil weder die Unternehmen noch die Kunden die damit einhergehenden Schikanen mitzutragen dauernhaft bereit sein werden. Viele stellen sich zu Recht die Frage, wieso man etwa seit einem Jahr durchgehend im Supermarkt einkaufen kann, ohne dass dort angeblich die Gefahr einer Ansteckung droht – aber nicht in einem weiträumigen Biergarten oder im Elektroshop, wo nur eine Handvoll Kunden gleichzeitig verkehren. (DM)