Lauterbach als Gesundheitsminister: Was wird beim „Spiegel“ eigentlich geraucht?

Völlig verstrahlt: "Feldi" Feldenkirchen will Lauterbach als Spahns Nachfolger (Foto:Imago/Revierfoto)

Unter den Nachlassverwaltern des einstmals großen „Spiegel“, den Totengräbern von Augsteins Vermächtnis, nimmt der Journalist Markus Feldenkirchen eine besondere Rolle ein. In der Corona-Krise nah an der Herzkammer des staatshörigen, konformistischen Zeitgeistes, stramm Anti-Trump und pro-Klimajugend, tendenziell immer antiliberal und autoritätsaffin, steht er mustertypisch für deutschen Haltungsjournalismus in seiner schlimmsten Ausprägung. Kein Wunder, dass so einer jetzt ernsthaft die verhaltensauffällige Paniktröte Karl Lauterbach als Gesundheitsminister vorschlägt.

Zwar gehörte Feldenkirchen immer dem „nichtrelotierenden“ Teil des „Spiegel“ an, der keine phantastische Ausschmückungen oder gar Kompletterfindung seiner Geschichten benötigte, doch die Realität bog er sich stets so zurecht, wie es ihm gerade passt. Als SPD-Vorzeigemigrantin Sawsan Chebli vergangenes Frühjahr vor Gericht krachend mit ihrem Versuch scheiterte, völlig legitime Meinungsäußerungen des Bloggers Tim Kellner zu untersagen, heulte sich Feldenkirchen gemeinsam mit ihr im Interview aus und setzte sich dreist über die Feststellungen des Gerichts hinweg, indem er am – von diesem entkräfteten – Tatvorwurf gegen Kellner festhielt.

Besonders solchen Figuren in der SPD gilt die Parteilichkeit und Dauersympathie dieses linksgrünen Fanboys, für die sich sogar etliche Parteigenossen schämen. Insofern überrascht seine nunmehrige Parteinahme für Lauterbach nicht. In seiner Kolumne fragt er ernstgemeint: „Warum nicht Lauterbach?“ Man wüsste instinktiv gar nicht, wo man hier mit Gegenargumenten anfangen sollte – so erdrückend ist deren Fülle. Feldenkirchen hingegen hat eine ganz andere, exklusive Wahrnehmung – und behauptet, Lauterbach habe „konstruktive Vorschläge am Fließband“ produziert – gipfelnd in der steilen These: „Mit ihm wäre Deutschland vermutlich besser durch die Krise gekommen.“ Garniert wird diese kaum erträgliche Lobhudelei mit einem geschönten Foto Lauterbachs, auf dem nur noch der Heiligenschein fehlt.

Wurde hier Lauterbachs Kauleiste bereits gephotoshoppt? (Screenshot:Twitter/Spiegel)

Unter der Annahme, dass Bankkaufmann Jens Spahn und RKI-Tierarzt Lothar Wieler als oberste Gesundheitsmanager nicht gerade die qualifikatorische Creme verkörpern und die Bundesregierung einen derart miesen Job gemacht hat in den vergangenen 12 Monaten, dass vermutlich jeder andere am Ruder besser geeignet gewesen wäre, mag das stimmen. Um welchen Preis allerdings, kann man sich kaum ausmalen: Das, was wir in den letzten drei Monaten erlebten, wäre unter einem Gesundheitsminister Lauterbach wohl durchgehend ohne zwischenzeitliche Lockerungen im Sommer durchgesetzt worden – ein ewiger Lockdown, Masken sogar für Singles und auch noch nachts im eigenen Schlafzimmer, 24-stündige Ausgangssperren und die völlige Stilllegung der Wirtschaft.

Feldenkirchen in seiner selektiven Sichtweise als Vertreter der Angstsubordination meint, man tue Lauterbach Unrecht und es gäbe „in der landläufigen Lauterbach-Rezeption ein Missverständnis“. Vielen gelte dieser zwar „als tumber Lockdown-Fetischist, der alle Bürger am liebsten in den Keller sperren würde – und für den Urlaub im Bett wirbt“. Aber, so der „Spiegel“-Mann: „Seine Warnungen waren fast immer richtig.“ Ein frappierender Irrtum. Lauterbach hat sich so gut wie IMMER geirrt. Keine einzige seiner in hunderten Talkshow-Auftritten geäußerten Prognosen trat ein, sofern es um konkrete Ausblicke auf den weiteren Pandemieverlauf ging.

Dauerirrtümer Lauterbachs einfach ignoriert

Weder die im letzten Frühjahr von ihm angekündigten Katastrophe in den Kliniken noch hunderttausende Tote bis Ostern 2020 wurden wahr. Nach Weihnachten, wo Lauterbach am liebsten ausnahmslos jeden zuhause eingesperrt hätte, kam es auch nicht zu den Kurvenanstiegen, sondern die Zahlen gingen gegenüber Dezember im Januar sogar zurück; so wie es auch nicht zu der von ihm bereits im Januar angekündigten riesigen Welle durch die Mutanten im März kam.

Steigende Zahlen der letzten Tage stehen fallenden Intensivbelegungen und immer weniger klinischen Covid-Fällen gegenüber, was für eine Abschwächung des Virus und/oder einen Effekt der Impfungen spricht. Und da, wo sich Lauterbach ganz konkrete Vorhersagen machten, etwa Zum Thema Risiken durch Öffnungen im Fußball, irrte er sich fundamental und vielfach. Und ein Blick aufs ungepflegte Gebiss dieses Ober-Alarmisten, der in seiner Corona-Obsession seine Lebensaufgabe gefunden zu haben scheint, wirft die Frage auf, mit welchem Recht Lauterbach eigentlich meint, auf autoritär durchzusetzende Hygiene- und Gesundheitsbestimmungen zu pochen und die Bürger in ihren elementarsten Freiheiten einschränken zu können. Wer solch eine „schwer vermittelbare“ und peinliche Witzfigur zum Gesundheitsminister machen will, wird selbst zur Lachnummer. Bleibt am Ende nur noch festzustellen: Der „Spiegel“ war einmal ein Nachrichtenmagazin. Heute kann man sich damit nicht mal mehr in der Nase bohren. (DM)