Impfen macht frei: Mit der Propaganda von einst – auf in den Wahn von heute

Seit Sonntag vorbei: Löwentrauts Lichtinstallation am Düsseldorfer Rheinturm (Foto:Imago/Kraft)

Am Wochenende ging die sogenannte „Lichtkunstperformance“ des Künstlers Leon Löwentraut unter dem Titel „Gemeinsam gegen Corona – Impfen = Freiheit“ zu Ende: Zwei Wochen lang war allabendlich der Düsseldorfer Rheinturm in bunte Regenbogenfarben getaucht. Schamloser wurde der Freiheitsbegriff auf deutschem Boden seit den Nazis nicht mehr missbraucht als während dieser Pandemie – und auch der Slogan nahm stilistische Anleihen an NS-Zynismen wie „Arbeit macht frei„.

Dies scheint allerdings inzwischen schon gar keinem mehr aufzufallen. Dabei hatte die Sensibilität für durchs Dritte Reich kompromittierte Parolen in den vergangenen Jahrzehnten auf pathologische Ausmaße angenommen – etwa bei der deutschen Übersetzung des altrömischen „suum cuique„, „Jedem das Seine„: Als der Mineralölkonzern Shell für seine deutschen Tankstellen die Abwandlung „Jedem der Seine“ brachte, gab es einen sofortigen Shitstorm. Und ein deutscher Gewinnspielsender feuerte einst eine Moderatorin, nachem ihr im nervösen Telefongespräch mit einer Anruferin – erkennbar ohne jede tiefere Absicht – eben besagter Spruch „Arbeit macht frei“ herausgerutscht war.

In der Giga-Neurose Corona jedoch fallen tatsächlich besorgniserregende, da eindeutig ideologische und indoktrinierende Verfremdungen der NS-Unrechtssprache, dieser zu Recht verteufelten „lingua tertii imperii“, offenbar keinem mehr als störend auf – vor allem nicht, wenn es um die neue Menschheitserlösung namens Impfung geht. Löwentrauts Videoinstallation, die jeden Abend zwischen 19 und 23 Uhr auf der der Düsseldorfer Altstadt zugewandten Seite des Turms zu sehen war, war – wie der Landtag stolz betonte – vom Kunstprojektentwickler Marcus Schäfer realisiert worden.

Erlösungspflicht Impfung als Kunstform

Zu sehen war eine Illumination aus über 200 Foto-Porträts von Kindern im Alter zwischen neun und 16 Jahren aus Düsseldorf und Umgebung, die sich angeblich gerade die Frage stellten: „Was bedeutet Zukunft für mich?„. Die Schwarzweiß-Fotografien wurden von Leon Löwentraut handkoloriert. Garniert wurde das Ganze von einem ebenfalls zeitgeistgefälligen, systemkonformistischen Werkzyklus des Künstlers, der Bilderserie „#Art4GlobalGoals„, eine – so die Beschreibung – „künstlerische Darstellung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele„, sowie von seinem Gemälde „Good Health“, mit dem Löwentraut hellsichtig bereits im Jahr 2018 die Bedeutung des Impfens thematisiert hatte. Um den globalen Anspruch der Impfung als oberste Menschenpflicht zu unterstreichen, wurde der Schriftzug „Impfen = Freiheit“ auf Englisch, Chinesisch, Spanisch, Arabisch und Deutsch auf den Turm projiziert.

Ob die Installation auf Wanderschaft geht, ist noch nicht klar. Fest jedoch steht, dass uns derartige „Kunstwerke“ mit politisch erwünschten Botschaften in Zukunft immer öfter im öffentlichen Raum anspringen werden – als Teil einer kulturübergreifenden Framing- und Gehirnwäschekampagne, für die Corona nur der willkommene Aufhänger war. (DM)