Corona-Chaos: Fällt dieses Jahr Ostern wie Weihnachten in sich zusammen?

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Viele hatten ja gehofft, dass sie nach den langen dunklen Monaten der Entbehrung, der Isolation, der Angst und der Verzweiflung wenigstens zu Ostern wieder die Luft der Freiheit atmen können. Zumindest ein wenig, mit Maske, mit Abstand, geimpft und getestet, mit nur wenigen, ohne Bierchen und Bratwurst, irgendwo im Wald oder zumindest im Kleingarten.

Doch die Diskussion hält an, gesundheitspolitische Entscheidungen stehen noch aus. Für ein schönes Osterfest könnte es knapp werden und so ähnlich ausfallen wie das trostlose Weihnachten im vergangenen Dezember. Aber eins ist gewiss: Wenn der Ramadan beginnt, ist alles wieder gut.

Hier wieder die aktuellen Meldungen aus der Coronahölle:

Kommunen und Landkreise gegen Festhalten am Inzidenzwert

Die deutschen Kommunen und Landkreise haben sich gegen eine zu starke Fokussierung auf die Neuinfektionszahlen ausgesprochen. „Der reine Inzidenzwert sollte nicht die alleinige Maßzahl für unseren Umgang mit der Pandemie sein“, sagte Landkreistags-Präsident Reinhard Sager den Zeitungen der „Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft“ (Freitagsausgaben). Außer den Neuinfektionen sollte auch noch die Auslastung der Intensivkapazitäten, der Impffortschritt und die Reproduktionszahl mitberücksichtigt werden.

„Wir dürfen die ersten Öffnungen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, sagte der Landrat. Daher sollte über Öffnungen oder Schließungen am besten vor Ort entschieden werden. „Wir plädieren nach wie vor für dezentrale Entscheidungen je nach Gesamtlage in den Landkreisen“, so Sager.

Ähnlich äußerte sich der Deutsche Städte- und Gemeindebund: Der Inzidenzwert sei zwar wichtig für die Beurteilung des Infektionsgeschehen, so Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Daneben sollten aber auch zusätzliche Gesichtspunkte gewichtet werden. „Dazu gehört die Belastung des Gesundheitssystems und der Krankenhäuser in der betreffenden Region oder die Möglichkeiten durch Beschleunigung der Impfungen eine wirksame Gegenmaßnahme zu installieren“, so Landsberg.

Auch die Perspektive, durch häufige Schnelltests Infektionsketten aufzudecken, sollte in eine Gesamtbetrachtung einfließen.

Dreyer pocht auf Corona-Notbremse

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) dazu aufgerufen, sich an die Vereinbarungen zur Rücknahme von Öffnungsschritten zu halten. Der Perspektivplan von Bund und Ländern setze voraus, dass sich „alle an die Spielregeln halten und die Notbremse ziehen, wenn die Inzidenz wieder über 100 steigt“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). „Die Notbremse ist zwingendes Element des Plans, genauso wie das konsequente Testen und Impfen.“

Zugleich warb Dreyer für ein regional unterschiedliches Vorgehen. „Viele Menschen haben die Sehnsucht, dass in Deutschland alles überall gleich ist, was ich verstehen kann“, sagte sie. „Wenn wir ganz Deutschland aber nicht für weitere Monate komplett abriegeln wollen, müssen wir regionale Lösungen finden.“

Voraussetzung sei allerdings, „dass alle auch die Notbremse ziehen, wenn die Inzidenz wieder über 100 steigt“.

Kekulé erwartet Wetter-Vorteil erst ab Mai

Der Virologe Alexander Kekulé erwartet erst in etwa zwei Monaten einen Wetter-Vorteil in der Coronapandemie. „Sonne und Wärme“ würden „wahrscheinlich erst im Laufe des Monats Mai die Zahlen spürbar drücken“, sagte Kekulé der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Gleichzeitig forderte er, auf Zweitimpfungen vorerst zu verzichten.

„Nur einmal impfen kann Sterben beenden“, Zweitimpfungen „kosten viele Menschenleben“, sagte der Experte. Gleichzeitig kritisierte er die Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern scharf. „Wir rasen gerade selbst verschuldet in die dritte Welle“, sagte Kekulé.

„Es war ein Fehler, die Schulen ohne funktionierende Schutzkonzepte zu öffnen.“ Wie im letzten Frühjahr sei gelockert worden, ohne vorher die Hausaufgaben zu erledigen. „Das ist jetzt noch sträflicher, weil die Instrumente längst auf dem Tisch liegen. Aldi bietet Schnelltests an, aber ein Großteil der Schulen und Kitas hat sie noch nicht“, kritisierte der Leiter der Virologie der Universität Halle-Wittenberg. Und weil noch zu langsam geimpft werde und flächendeckende Schnelltests fehlten, könne er vor den meisten „Lockerungen nur dringend warnen“. Erst im Sommer werde man durch die Impfungen „ans rettende Ufer gelangen“, sagte Kekulé.

„Dort, wo keine Schnelltests eingesetzt werden, wird man keine andere Wahl haben, als die Schulen wieder zu schließen, so bitter das für die Schüler und ihre Eltern ist.“ Dennoch gebe es Spielraum für einzelne Lockerungen: „Im Freien ist das Ansteckungsrisiko zu vernachlässigen, solange es nicht zum Getümmel kommt. Die Gefahr wird noch immer überschätzt. Das heißt: Biergärten könnten mit reduzierter Gästeschar an Ostern wieder öffnen, wenn die Abstände eingehalten werden und die Menschen Abstand halten“, erklärte Kekulé. „Wenn sich die Leute im Einzelfall volllaufen lassen und in die Arme fallen, muss eben die Polizei einschreiten. Aber deswegen die Außengastronomie generell dichtzulassen wäre überzogen.“

Haseloff will Unterkünfte in Sachsen-Anhalt zu Ostern öffnen

Sachsen-Anhalt will seinen Bürgern zu Ostern Urlaub im eigenen Bundesland ermöglichen. Die Einwohner Sachsen-Anhalts sollten innerhalb des Bundeslandes sowohl reisen als auch Unterkünfte buchen können, sagte Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) der „Bild“ (Freitagausgabe). „Ich kann doch niemandem erklären, warum der gleiche Hausstand, der ohnehin zusammen wohnt, sich nicht mit den Kindern ins Auto setzen und in eine Ferienwohnung im eigenen Bundesland fahren darf“, so Haseloff.

Die Warnung des CDU-Politikers: „Wenn wir Regeln machen, die keiner versteht und viele ignorieren, erreichen wir auch nichts.“ Neben Ferienwohnungen will Haseloff den Einwohnern seines Bundeslandes auch das Reisen in Wohnmobilen erlauben.

Deutschland nimmt Impfungen mit Astrazeneca wieder auf

Deutschland nimmt die Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca voraussichtlich am Freitag wieder auf. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstagabend mit. Bis dahin sollten die Informationen für Impfärzte aktualisiert werden.

Die Ärzte müssten Bescheid wissen über die Risiken, sagte Spahn. Ausführlich rechtfertigte er sich, dass die Impfkampagne vorübergehend gestoppt wurde. „Es war richtig“, sagte Spahn.

Der Staat habe hier eine „besondere Sorgfaltspflicht“. Für das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ergänzte deren Chef Klaus Cichutek, es habe bislang nach Impfungen mit Astrazeneca in Deutschland zwölf Fälle von Sinusvenenthrombosen gegeben, allesamt bei Frauen im Alter von unter 55 Jahren und zwei davon tödlich. Außerdem habe es einen vergleichbaren Fall bei einem Mann gegeben, auch dieser sei verstorben.

Insgesamt hätten die Impfungen aber „ein positives Nutzen-Risiko-Profil“. Es könne weitergeimpft werden. Zuvor hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfohlen, das Präparat von Astrazeneca weiter zu nutzen.

Es handele sich um einen „sicheren“ Impfstoff, teilte die Behörde mit. Ein direkter Zusammenhang mit den aufgetretenen Thrombosen bestehe nicht. Auch eine Einschränkung der bisherigen Zulassung für alle Erwachsenen machte die EMA nicht. Deutschland hatte am Montag die Impfungen mit Astrazeneca gestoppt, weil es unter anderem eine „auffällige Häufung“ von Hirnvenenthrombosen gegeben haben soll. Die EMA hatte im Anschluss eine gründliche Prüfung angekündigt. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hatte die EMA-Entscheidung am Abend noch vor Spahns Statement begrüßt. „Jetzt muss jede Impfdosis so schnell wie möglich verimpft werden“, sagte DIVI-Vorstands Stefan Kluge. Weil das Vertrauen in den Wirkstoff gelitten habe, solle man erwägen, Astrazeneca „für Freiwillige zur Verfügung zu stellen, die keine Angst haben und in der Impfreihenfolge aber noch gar nicht berücksichtigt werden“. Zudem eigne sich der Impfstoff hervorragend, „um endlich die Hausärzte in die Strategie mit einzubinden“.

Österreichs Kanzler erwartet „Normalität“ im Sommer

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hofft, dass Deutsche so schnell wie möglich wieder in Österreich Urlaub machen können. Zu Ostern werde dies noch nicht möglich sein, sagte er der RTL/n-tv-Redaktion. Auf europäischer Ebene werde jetzt daran gearbeitet, dass es ab dem 1. Juni einen digitalen grünen Pass geben werde – für entweder Geimpfte oder Genesene und Getestete.

Darüber hinaus werde intensiv daran gearbeitet, Impfengpässe zu überwinden. „In der Summe bin ich optimistisch, dass wir bis zum Sommer jedem in Europa, der sich impfen lassen möchte, zumindest eine Erstimpfung anbieten können und dann führt das dazu, dass wir im Sommer wieder in Normalität leben können“, so der ÖVP-Politiker. Kurz kritisierte, dass einige Hersteller ihre Lieferverpflichtungen nicht einhalten würden.

„Was für uns natürlich problematisch ist, dass sehr viel in einem Steering Board von Gesundheitsbeamten vereinbart wurde, wo es keine wirkliche Transparenz gab.“ Heute sei man schlauer als vor einigen Monaten. „Natürlich hätte einiges anders laufen können und auch anders laufen sollen.“

Ziel müsse nun sein, diese Probleme so schnell wie möglich zu lösen. Er hoffe, dass man dann zurückblicken und einschätzen könne, es sei ein furchtbares Jahr gewesen, aber gemeinsam sei es gelungen, die Pandemie zu besiegen.