Wie im Mittelalter: Frau verweigert Ehemann den Sex – Gericht spricht Frau schuldig!

Nein (Bild: shutterstock.com/Von Thomas Andre Fure)
Nein (Bild: shutterstock.com/Von Thomas Andre Fure)

Französisches Gericht tritt hart erkämpfte Frauenrechte in den Dreck: Weil sie ihrem gewalttätigen Ehemann den Sex verweigerte, sprach es die Frau im Scheidungsprozess allein schuldig. Die Französin kämpft gegen das Urteil und zieht vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Eine 66-jährige Französin hatte nach 27 Ehejahren im Jahr 2015 die Scheidung von ihrem als gewalttätig bekannten Mann eingereicht. Als Scheidungsgrund dafür habe sie laut der „taz“ unter anderem „Drohungen und Tätlichkeiten“ angegeben. Ihr Ex-Gatte soll ihr im Gegenzug vorgeworfen haben, dass sie seit 2004 ihren „ehelichen Pflichten“ nicht nachgekommen sei, ihm also den Sex verweigert habe. Die Tatsache, dass im 21. Jahrhundert in einem europäischen Land sich eine Frau überhaupt vor Gericht dafür rechtfertigen muss, gab die Ehefrau als „Begründung“ für ihre sexuelle Verweigerung die Gewalt und ihren geschwächten Gesundheitszustand an.

Das Urteil des Gerichts kann nur als skandalös bezeichnet werden. Die Frau habe „in schwerer und wiederholter Weise ihre ehelichen Pflichten in einer Art und Weise verletzt, die ein weiteres Zusammenleben (für ihren Mann) unannehmbar gemacht“ habe. Beim ergangenen Schuldspruch gegen die Ehefrau konnte sich das Gericht nicht auf das Zivilgesetz stützen. Dieses sieht keine eheliche Sex-Pflicht vor. Das Gericht berief sich jedoch in seinem Urteil, das genauso gut von einem Sharia-Gericht stammen könnte, auf ein Präzedenzurteil von 1996. Hier heißt es: „Auch wenn es zulässig ist, aus medizinischen Gründen dem Gatten während einiger Wochen die sexuellen Beziehungen zu verweigern, ist dies nicht mehr der Fall, wenn die Weigerung mehr als ein Jahr dauert und nicht (in gegenseitigem Einvernehmen) vorgesehen war.“

Dem Wahnsinn will sich die Frau mit Unterstützung der Frauenorganisationen Fondation des femmes und dem Collectif contre le viol entgegenstellen und hat angekündigt, eine Beschwerde wegen „Einmischung in das Privatleben“ und „Verletzung der moralischen und körperlichen Integrität“ vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einlegen. Denn: „Die Ehe ist keine sexuelle Leibeigenschaft“, auch wenn Richter eines französischen Gerichts dies skandalöserweise so sehen. (SB)