Spielregeln für ein chinesisches Jahrhundert | Dr. Hermann Simon zu Zukunftschancen Deutschlands

Er gilt als „Papst der Hidden Champions“: Professor Dr. Dr. Hermann Simon ist weltweit gefragt, wenn es um Spitzenpositionen von Unternehmen oder Volkswirtschaften in speziellen Branchen geht. Er sieht die deutsche Wirtschaft vor einem „chinesischen Jahrhundert“ und sagt, worauf es ankommt.

Die deutsche Wirtschaft müsse sich auf ein chinesisches Jahrhundert einstellen. Unternehmen müssten darauf reagieren. Chinesische Unternehmen werden verstärkt Wettbewerber werden. Vor allem ginge es darum, dort zu sein, wo die besten Markt- und Standortvoraussetzungen seien: „Wir müssen Chinesen werden“, so Simon. Viele Unternehmen hätten daher längst in den wichtigsten Märkten eigene unabhängige Headquarter gegründet und würden es künftig vermehrt tun. Auf der anderen Seite erwartet Professor Simon, dass auch seitens der Ansiedlung von chinesischen Unternehmen in Deutschland eine massive Investitionswelle zu erwarten sei: „Die wollen alle nach Deutschland kommen, um dort die Nähe zu den Herstellern zu haben“.

Natürlich bestünde die Gefahr, reiner Lieferant von Brückentechnologie zu werden: „Da darf man nicht naiv sein“. Unternehmen müssten ihr Know-how schützen. Vor allem aber müsse man selbst die Vorteile des chinesischen Standorts nutzen, wo es sie gäbe, beispielsweise beim Thema Künstliche Intelligenz.

Scharfe Kritik äußert der renommierte Experte zur deutschen Industre- und Wirtschaftspolitik. In Spitze der Politik herrschten „falsche Einstellungen“. Vor allem die Industriepolitik von Wirtschaftsminister Altmaier sei „der völlig falsche Weg“. Wo wir etwas machen, würden wir viel zu klein denken. Aber aus bestehenden Märkten solle sich die Politik bitte heraushalten. „Lassen Sie uns einfach in Ruhe, Herr Minister. Bitte tun Sie nichts für uns“.

(Quelle)