Astrazeneca jetzt doch schuld an Thrombosen – aber andere Covid-Impfstoffe sind nicht sicherer

AstraZeneca (Bild: shutterstock.com/Von Tobias Arhelger)

Berlin und Brüssel lassen wahrlich keine Gelegenheit mehr aus, das Restvertrauen der Bürger in ihre politischen Entscheidungen, sofern überhaupt noch vorhanden, stetig weiter zu ramponieren. Was gestern galt, ist heute schon hinfällig. Das Hickhack um die Risikoeinstufung des Astrazeneca-Impfstoffs ist hierfür ein Paradebeispiel.

Nachdem die europäische Arzneimittel- und Impfstoffzulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) einige Tage vor Ostern – zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen – den Oxford-Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca für unbedenklich erklärt hatte, glaubt sie nun plötzlich doch an einen kausalen Zusammenhang zwischen den aufgetretenen tödlichen und lebensgefährlichen Thrombosefällen und einer vorangegangen Impfung mit dem Vakzin. Wenn diesbezüglich auch keine offizielle behördliche Veröffentlichung erfolgt ist, so äußerte sich dennoch kein geringerer als der Chef des EMA-Impfdepartments, Marco Cavaleri.

Im Interview mit der italienischen Zeitung „Il Messaggero“ bestätigte er eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin und dem Auftreten von Blutgerinnseln bei einzelnen Geimpften: „Meiner Meinung nach können wir mittlerweile sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt„, so Cavaleri. Er legte laut „n-tv“ nahe, dass die EMA diesen Zusammenhang in Kürze bestätigen werde – auch wenn die Prüfungen derzeit noch laufen. Der genaue Wirkmechanismus, wie das Astrazeneca-Vakzin in wenigen Fällen Blutgerinnsel bei Geimpften auslöse, ist jedoch laut dem EMA-Impfchef noch nicht klar.

Nächster Rückschlag für Astrazeneca

Die Bestätigung des Risikos ist ein erwartbarer weiterer Rückschlag für den Impfstoff, der nicht nur in Deutschland inzwischen als Mittel der zweiten Wahl gehandelt wird – und sich in den Impfzentren staut, weil immer weniger Bürger durch die Schreckensmeldungen – die schon früh nach Beginn der Impfungen auftraten – verunsichert sind. Zuerst potentiell gefährlich für über 64-jährige, dann für alle, dann nur für unter 55-jährige: Niemand braucht sich zu wundern, dass die Impfzurückhaltung vor allem beim AZ-Impfstoff besonders hoch ist.

Daran konnte auch dessen Umbenennung in Vaxzevria nichts ändern – alter Wein in neuen Schläuchen bleibt dennoch verdorben. Zur Ehrenrettung Astrazenecas muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass andere Impfstoffe – gerade auch der Impfstoff von Pfizer/Biontech (Handelsname Comirnaty – ihren besseren Ruf völlig zu Unrecht genießen. Tatsächlich sind sie ebenso, wenn nicht noch problematischer als bei Vaxzevria. Ein Blick in den letzten Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), der den Zeitraum vom 27.12.2020 (dem Beginn der Impfungen) bis zum 12.3.2021 erfasst, zeigt dies eindeutig.

Biontech zu Unrecht als besser gehandelt

So wurden bis zum 12. März deutschlandweit 8.863.270 Impfungen insgesamt durchgeführt – davon 7.093.082 mit Comirnaty, 1.471.400 mit Vaxzevria und (vergleichsweise unbedeutende) 298.788 mit Moderna. Im selben Zeitraum gingen beim PEI insgesamt 19.194 „Einzelfallberichte zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen“ (also unerwünschte Reaktionen insgesamt) nach Covid-Impfungen ein. Davon waren 2.287 (11,9 Prozent) „schwerwiegende unerwünschte Reaktionen in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung„. Nur diese sind hier relevant, da sie Fälle mit ernsthafter Gesundheitsgefährdung, bleibenden und Langzeitschäden und die Todesfälle enthalten.

Von diesen 2.287 real bedrohlichen Verdachtsfällen entfielen 1.728 mit Comirnaty Geimpfte, 352 auf mit Vaxzevria Geimpfte und 113 auf mit Moderna Geimpfte. Der Anteil von Comirnaty an schweren Nebenwirkungen nach Covid-Impfungen insgesamt lag somit bei knapp 76 Prozent, der von Astrazeneca bei rund 15 Prozent. Das entspricht in etwa dem Anteil der jeweiligen Vakzine an den Gesamtimpfungen (Comirnaty 80 Prozent, Vaxzevria 16 Prozent). Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede bei der Verteilung der schwerwiegenden und nichtschwerwiegenden Nebenwirkungen und Reaktionen auf die Impfungen unter  den drei gängigsten Impfstoffen.

Hier nämlich sieht Comirnaty gegen Vaxzevira eher alt aus: unter den schwerwiegenden Fällen nimmt es einen unguten ersten Platz ein, mit anteilig 16,5 Prozent gegenüber nur 4,6 Prozent von Astrazeneca:

(Screenshot:PEI)

Daraus können nur folgende Schlüsse abgeleitet werden: Erstens sind die Impfstoffe alle risikobehaftet – zwar in einem geringen, aber eben keinesfalls vernachlässigbaren Bereich. Die relativierenden und verharmlosenden Berichte der Mainstreammedien, die sich über die vielen Kommastellen rechts der Null beim Anteil der mutmaßlich wegen der Impfung Verstorbenen geradezu mokieren, stehen in eklatantem Widerspruch zu ihrer sonstigen Übertreibung bei den in Wahrheit ebenfalls extrem seltenen Fällen von jüngeren Covid-Verstorbenen.

Und verfolgt die Politik weiterhin in einem offenkundigen Blindflug die Durchimpfung der Bevölkerung, ohne die leiseste Ahnung zu haben, welche Gefahren und Risiken diese birgt – was den späten Beweis erbringt, dass die Zulassungen ganz offenbar doch politisch durchgedrückt und unverantwortlich schnell erfolgt waren – dann erweist sich die gesamte Impfkampagne (und zwar weltweit) als Praxisstudie zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, mit den Geimpften als Versuchskaninchen. (DM)