Nomen est Omen: Sabine Oelmann über Kamala Harris

"Der Wahrheit verpflichtet"? - Frau Kamala Harris - Foto: Imago

Wissen Sie, welches Buch das beste Buch seit langem ist? Wenn nicht, ist es nicht schlimm. Sabine Oelmann weiß es für Sie. Bei n-tv hat sie eine Lobhudelei auf die Autobiographie von Kamala Harris verfaßt. Dabei hält sie sich strikt an die hierarchische Etikette und nennt Harris eine US-Vizepräsidentin. Was wohl so viel bedeutet, daß man Joe Biden für den Präsidenten halten soll. Da fallen wir aber nicht drauf rein. Keinesfalls sollten Sie Ihr sauer verdientes Geld für die Autobiographie von Kamala Harris auf den Kopf hauen. Die Medienkritik als Reinfallsvermeidung.

von Max Erdinger

Wenn Sie bisher geglaubt haben, das beste an einem Politiker könnte sein, daß er weiblich und nicht weiß ist, dann belehrt Sie Frau Sabine Oelmann bei „n-tv“ eines Besseren. Weiblich und nicht weiß ist zwar schon ganz gut, aber bei Frau Kamala Harris geht es noch besser. Und Frau Sabine Oelmann hat herausgefunden, was es ist: Wenn der weibliche und nichtweiße Politiker „der Wahrheit verpflichtet“ ist und somit zu „ungewöhnliche Frau“ wird, fallen Weihnachten und Ostern auf denselben Tag, so erfreulich ist das. Das gibt es tatsächlich nicht oft.

Wahrheit und Propaganda

Aber wie sehr ist Frau Sabine Oelmann, die ja immerhin weiß ist, der Wahrheit verpflichtet? Sie schreibt: „Bei Frau Harris können wir uns ziemlich sicher sein: „What you see is what you get“, Skandale sind eher nicht zu erwarten. Und das ist auch gut so.“ – Frau Sabine Oelmann scheint über exclusive Kenntnisse zur Läuterung von Frau Kamala Harris zu verfügen, wenn sie weiß, daß keine Skandale mehr zu erwarten sind. Hat ihr Frau Kamala Harris selbst gesagt, daß sie mit den Skandalen aufhören will? In der Vergangenheit gab es nämlich welche. Im Sommer 2020 zum Beispiel. BLM-Aktivisten waren wegen Plünderung, schwerem Landfriedensbruch, Mord und schwerer Sachbeschädigung in Untersuchungshaft genommen worden. In Portland, in Seattle, in Minneapolis und Chicago hatten sie milliardenteure Verwüstungen angerichtet. Die heutige „Vizepräsidentin“ Harris rief dann eine „Go fund me“-Kampagne ins Leben, um Spenden für Kautionen zu sammeln, gegen deren Entrichtung die Marodeure auf freien Fuß gesetzt werden sollten. Das Skandalöse daran war, daß Frau Kamala Harris offenbar nicht klar gewesen ist, welchen Sinn die Stellung einer Kaution hat, obwohl sie kalifornische Staatsanwältin gewesen ist. Eine Kaution ist nicht nur eine gewisse Summe, die jemand aufbringen muß, um einstweilen aus der Haft entlassen zu werden, sondern sie ist sozusagen ein Pfand. Es soll sicherstellen, daß der Angeklagte auch ohne Haft mit der Justiz kooperiert, Auflagen beachtet und vor allem zum Gerichtstermin erscheint, wenn er nicht will, daß seine Kaution auf Nimmerwiedersehen in der Staatskasse verschwindet. Die Kaution ist die Androhung eines Vermögensschadens, in den USA meist erheblich. Es entsteht dem Angeklagten aber kein Vermögensschaden, wenn die Kaution gar nicht seinem eigenen Vermögen entstammte. Mit ihrer Sammelaktion begünstigte die heutige US-„Vizepräsidentin“ also die Möglichkeit, daß sich Festgenommene ihrer Verurteilung entziehen könnten. Wer es ganz genau nimmt, könnte von indirekter Strafvereitelung durch eine kalifornische Ex-Staatsanwältin reden. Frau Kamala Harris war bei ihrer Kautionssammlung nicht der Wahrheit verpflichtet, sondern dem Gutsein, resp. dem, was sie für Gutsein hält.

Und auf jeden Fall ist „die erste farbige Frau, die US-Vizepräsidentin ist“, was nach Frau Sabine Olemann „ein Triumph“ sein soll, auch eine, die sich nicht zu schade gewesen ist, ein schäbiges Spiel mit der Wahl zu treiben, indem sie sich, wohlwissend, daß sie als US-Präsidentschaftskandidatin keine Chancen auf das Amt hätte, im Windschatten eines offensichtlich dementen Präsidentschaftskandidaten als Vizepräsidentschaftskandidatin hat nominieren lassen, der das Präsidentenamt wegen der gesundheitlichen Angeschlagenheit von Joe Biden eher früher als später in den farbigen Schoß fallen würde. Womit sie dann die erste ungewählte US-Präsidentin der USA geworden sein würde, triumphal farbig oder nicht. Man muß wohl Oelmann heißen, um in ein solches Verhalten ein „der Wahrheit verpflichtet“ hineinzuphantasieren.

Wunschdenken vs. Realismus

Der Realist hingegen erkennt hier eine eiskalt berechnende Frau, die durch ihr Kalkül gezeigt hat, wie wenig Wert sie auf eine Bestätigung durch den Wähler legt. Das paßt zu ihrer Kautions-Sammelaktion. Komplettiert wird das unvorteilhafte Bild noch dadurch, daß auch von Frau Kamala Harris zu keiner Zeit die Aufforderung zu hören war, die millionenfach erhobenen Vorwürfe des Wahlbetrugs an Donald Trump und dessen Wählern lückenlos aufzuklären. Kein Wort von ihr zum Amistad-Project und zum Navarro-Report. Hauptsache Macht, egal wie. Nein, Frau Kamala Harris ist keinesfalls „der Wahrheit verpflichtet“. Und „triumphal“ ist sie auch nicht US-Vizepräsidentin geworden, sondern skandalös. Wer sich von ihrer ostentativ zur Schau getragenen guten Laune und ihrem Dauergrinsen blenden läßt, scheint nicht zu wissen, daß die politische Agenda, der sie folgt, alles andere als eine humorvolle ist. Frau Kamala Harris ist nämlich Kommunistin. Daran ändert auch die Begeisterung einer Frau Sabine Oelmann bei „n-tv“ nichts. Und „n-tv“ wiederum wäre als Sender der RTL-Group einen eigenen Artikel wert, der sich mit der Frage beschäftigt, ob „die Oelmanns dieser Republik“ als Redaktionsfiguren in diversen Mediengruppen (RTL, Funke, RND usw.) überhaupt noch schreiben dürfen, was sie wirklich denken, oder ob sie deswegen schreiben dürfen, weil sie ihr stillschweigendes Einverständnis signalisiert haben, nur zu schreiben, was man sie eben schreiben läßt. Diese Frage stellt sich ernsthaft, wie sich im Folgenden noch zeigen wird.

Vorbildlich?

Frau Sabine Oelmann: „Allein Kamala Harris‘ Mutter ist ein Vorbild, wie es besser wohl kaum taugen könnte: Alleinerziehend, aber nie klagend, sondern im Gegenteil, immer aktiv. Unter einem Foto steht: „Mit 25 hatte meine Mommy einen Doktortitel – und mich.“ Der Vater spielt nach der Trennung der Eltern keine allzu große Rolle mehr.“ Im Merkur gab es dieser Tage ein Interview mit den Kabarettisten Monika Gruber und Helmut Schleich. Dabei fiel der folgende Satz: „Viele Kollegen sind nur noch Zeitgeistnutten“. Das bezog sich also auf Kabarettisten. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, welche Bezeichnungen Gruber und Schleich wohl für Journalisten aus der RTL-Group gefunden hätten. So viel Phantasie habe ich gerade noch, um „Zeitgeistnutte“ für eine der harmloseren Bezeichnungen zu halten, die da wohl gefallen wären.

Nein, weder Frau Sabine Oelmann noch Frau Kamala Harris scheinen der Wahrheit verpflichtet zu sein, auch wenn die Autobiographie von Frau Kamala Harris solches im Titel behauptet. „Mein Krampf“ wäre treffender gewesen. Der hätte zugleich auch als Schlagzeile für Frau Sabine Oelmanns servile Lobhudelei auf Frau Kamala Harris gepaßt.

Zusammenfassung

In nicht allzu ferner Zukunft wird Frau Kamala Harris sogar offiziell die erste und zugleich ungewählte Präsidentin der USA sein. Triumphal farbig, auch. Zu verdanken haben wird sie das dem schlechten Gesundheitszustand eines ebenfalls ungewählten Präsidenten, der allein deswegen überhaupt Präsidentschaftskandidat wurde, weil er als kurzzeitiger Platzwarmhalter für eine eigentlich chancenlose Kommunistin gedacht war. Biden ist eine demokratische Pietäts-Simulationsfigur. Und weil er als Symbolfigur für „das Ende des alten weißen Mannes“ besser geeignet ist, als jeder andere. Dieses Kalkül scheint aufzugehen. Wenn noch jemand der Wahrheit verpflichtet ist: Um Frau Sabine Oelmann oder Frau Kamala Harris kann es sich dabei nicht handeln. Um Frau Merkel übrigens auch nicht. Die scheinen lediglich ihre eigenkonstruierten Realitäten mit der Wahrheit zu verwechseln.